Chronik | Burgenland
25.01.2018

Fußball-Funktionäre wollten hoch hinaus und fielen tief

Nicht rechtskräftig. Mit Diversion endete in Eisenstadt der Prozess gegen frühere Spitzen der ASKÖ Stinatz.

Stinatz hat den burgenländischen Fußball immer wieder mit herausragenden Kickern versorgt. Als Kaderschmiede für Vereinsfunktionäre wird die südburgenländische Gemeinde eher nicht in die ballesterischen Geschichtsbücher eingehen. Nach dem Prozess im Landesgericht Eisenstadt gegen zwei ehemalige Klubfunktionäre steht eher zu befürchten, dass die ASKÖ Stinatz zum Menetekel für Burgenlands Fußballvereine wird – „nach dem Prozess sperren alle Vereine zu“, zischte einer der Verteidiger am Donnerstag Beängstigendes in den Verhandlungssaal im Landesgericht Eisenstadt.

"Chaos"

Der frühere Obmann und der „Manager“ des vor zwei Jahren in den Konkurs geschlitterten Ex-Landesligaklubs mussten sich am Donnerstag vor Richter Andreas Beneder gegen den Vorwurf der „grob fahrlässigen Beeinträchtigung von Gläubigerinteressen“ zur Wehr setzen. Auf 350.628 Euro bezifferte Masseverwalter Gerwald Holper die – von den Angeklagten nicht anerkannten – Forderungen der Gläubiger. Das Duo habe es geschafft, den Verein von 2010 bis 2016 „regelrecht herunterzuwirtschaften“, hielt Staatsanwältin Beatrix Resatz den beiden Angeklagten vor. Man habe Loch-auf-Loch-zu gespielt und am Ende jeglichen Überblick über die finanzielle Lage verloren, die Buchhaltung sei ein „Chaos“ gewesen. Selbst das Mildeste, was die Anklägerin über den 61-jährigen Ex-Obmann und den Ex-Manager (54) sagen wollte, geriet zum Keulenschlag: Sie gestehe beiden „die intellektuelle Minderqualifikation“ für die Stellung im Verein zu, sagte Resatz – „bitte nicht böse sein“...

Private Schulden

Die beiden Angeklagten, ein Maurer und ein Monteur, die sich zu Beamten hochgearbeitet haben, waren wegen ihrer kickenden Söhne zum Verein gekommen und versuchten, den Klub in die Höhe zu bringen. Aber durch „den schönen Aufstieg in die Landesliga ist alles teurer geworden“, sagte der Obmann. 2010 haben sechs Vorstandsmitglieder in der Kabine vereinbart, dass jeder privat einen Kredit aufnimmt, um den Verein finanziell über Wasser zu halten. Der Ex-Obmann muss heute noch 180.000 Euro zurückzahlen, der frühere Manager bis zu 120.000. An der Misere ist auch ihre persönliche Freundschaft zerbrochen, zumal beide auch über die Auszahlung von Vereinsgeldern auf ein Privatkonto uneins waren.

Vor Gericht fühlten sich beide „im Stich gelassen“, denn „der gesamte Vorstand wusste, dass wir eine Menge Schulden haben“. Dass die Buchhaltung nicht ihr „Revier“ gewesen sei, veranlasste den fußballinteressierten Richter Beneder zur Frage, ob sie „die Vereinsstatuten gelesen“ haben? Antwort: „Jein“.
Anwalt Werner Dax, der den Ex-Obmann verteidigte, räumte eine Mitverantwortung seines Mandanten ein, aber beiden ehrenamtlichen Ex-Funktionären sei die „Tragweite ihrer Handlungen nicht bewusst“ gewesen. Am meisten hätten sie sich selbst geschädigt. Mit der Anregung zu einer Diversion ohne Vorstrafe rannte er beim Richter offene Türen ein. Der Ex-Obmann muss 4500 Euro zahlen, der Ex-Manager 3500. Die Staatsanwältin gab keine Erkläung ab, das Urteil ist nicht rechtskräftig.

Erledigt ist hingegen die ASKÖ Stinatz: Der Spielbetrieb sei „von Amts wegen endgültig eingestellt“, hieß es vom Burgenländischen Fußballverband, der selbst noch Forderungen an den Klub hat und wohl ebenso durch die Finger schaut.