Wer mit öffentlichen Verkehrsmitteln vom Süden nach Wien will, ist auf die Linie G1 angewiesen.

© Roland Pittner

Südburgenland
02/14/2016

Fünfeinhalb Stunden Busfahrt täglich

Fehlende Jobs im Süden zwingen Arbeitnehmer zum Pendeln. Für viele bleibt nur der Bus.

von Roland Pittner, Natascha Marakovits

"Ich bin froh, dass ich nicht mit dem Auto fahren muss, aber ein Schnellzug wäre einfach das Beste. Leider tut sich in Sachen Bahn im Süden gar nichts", sagt Manfred Greiner. Seit mittlerweile 14 Jahren steigt er drei bis vier Mal die Woche in St. Michael, Bezirk Güssing, in den Bus der Linie G1, um nach Wien zu seinem Arbeitsplatz zu fahren. Rund fünfeinhalb Stunden verbringt er so beinahe täglich im Bus. "Ein Zug würde eine Menge Zeitersparnis bringen", ist sich Greiner sicher. Er ist nicht der einzige Pendler im Land (siehe Grafik, Anm.). 97.000 Burgenländer pendeln von ihrem Zuhause zum Arbeitsplatz, 26.000 davon reisen nach Wien, um ihrem Beruf nachzugehen. 85 Prozent davon nehmen die Strecke täglich in Kauf.

Neben der Zeit geht die Fahrerei auch ins Geld: 2129 Euro zahlt man derzeit für eine Jahreskarte von Güssing nach Wien. Wer also vier Mal pro Woche fährt, zahlt heruntergerechnet rund zehn Euro pro Fahrt. Für eine Tageskarte hingegen muss man derzeit für dieselbe Strecke für eine einfache Fahrt 26 Euro hinblättern. Zum Vergleich: Eine Fahrt von Wien nach Graz desselben Busunternehmens ist bereits ab neun Euro zu haben.

Werner Gumprecht, Geschäftsführer von Dr. Richard, sieht jedoch keinen Grund, daran etwas zu ändern. "Hier werden Äpfel mit Birnen verglichen. Die Vielfahrer der Linie G1 werden belohnt, sie zahlen weniger. Dafür sind die anderen Tarife eben höher." 22 Buspaare sind derzeit an Werktagen auf der Linie G1 nach Wien eingesetzt. "Die Fahrgastzahlen steigen. Im Bedarfsfall werden wir neue Angebote schaffen", erklärt Gumprecht.

Dass die Pendler mehr werden, hat auch mit der Arbeitsmarktsituation im Südburgenland zu tun. Neue Angebote für Jobsuchende gebe es kaum, bestätigt Harald Braun, Leiter der AMS Geschäftsstelle Jennersdorf: "Durch die exponierte Lage und unsere Struktur gibt es kaum Firmengründungen." In den Bezirken Güssing und Jennersdorf einen Job zu finden, sei schwierig. Im Norden gebe es Arbeitsplätze, im Süden nehme die Beschäftigung ab, sagt Braun. Jobsuchende würden meist Richtung Graz oder Gleisdorf vermittelt. "Wir sind eben keine aufstrebende Wirtschaftsregion", erklärt Braun.

Infrastruktur

In Richtung Graz fehle es im Bezirk Jennersdorf vor allem an der S7, um schneller auf der Autobahn zu sein, aber auch die Taktung der Eisenbahnlinie sollte erhöht werden, meint Bernhard Hirczy, Pendlersprecher der ÖVP. Auch der Bezirk Güssing würde von der S7 profitieren, "es wäre ein Impuls für die ganze Region", meint Hirczy. Derzeit verzögert sich der Bau wieder, da es neue Einsprüche gegen Bescheide gab.

"In Oberwart müsste die Bahnlinie Oberwart-Friedberg wieder aktiviert werden", sagt Hirczy. Sie wurde vor der Wahl 2015 vom Land angekauft. Der Güterverkehr rollt, der Personenverkehr ist seit 2011 eingestellt. "Die größte Steuerentlastung für Arbeitnehmer ist, wenn sie sich ein Auto ersparen", sagt Hirczy.

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