Chronik | Burgenland
02.12.2017

Frauenberatungsstelle: Betretungsverbote steigen

Mit einer Aktion mit der Gemeinde wurde auf Gewalt gegen Frauen aufmerksam gemacht.

"Mein Mann hat mich vor den Kindern gewürgt und an den Haaren gerissen. ‚Wenn du mich verlässt, bringe ich dich um‘", liest Karin Behringer-Pfann einige Aussagen von Frauen vor, die sich an die Frauenberatungsstelle "Der Lichtblick" in Neusiedl am See gewandt haben, um Hilfe zu bekommen. So geschehen am vergangenen Donnerstag im Rathaus in Neusiedl, wo im Rahmen der Aktion "16 Tage gegen Gewalt" auf die Problematik hingewiesen werden sollte.

2016 hat es im Burgenland 188 Betretungsverbote gegeben. "Diese haben sich in den vergangenen 20 Jahren verachtfacht. Die eigenen vier Wände sind der gefährlichste Ort für Frauen", sagt Behringer-Pfann. "83 Prozent der Opfer von Gewalt sind Frauen und 92 Prozent der Gefährder sind Männer."

Schweigen brechen

Die Beratungsstelle "Der Lichtblick" bietet Frauen professionelle Hilfe, doch "viele Frauen genieren sich, fühlen sich schuldig und trauen sich nicht, den Schritt zu uns zu wagen", sagt die Klinische- und Gesundheitspsychologin. Genau da sollte die Veranstaltung, die gemeinsam mit der Gemeinde organisiert wurde, ansetzen. Durch die Aktion mit Bürgermeisterin Elisabeth Böhm (SPÖ) soll Frauen Mut gemacht werden, das Schweigen zu brechen, häusliche Gewalt zu benennen und sich professionelle Hilfe zu holen. "Wir bieten psychologische Betreuung für Frauen und Kinder und auch Sozialberatungen an", sagt Behringer-Pfann.

"Mir war es wichtig, dieses Thema öffentlich aufzugreifen. Bewusstsein zu schaffen ist wichtig. Die Leute sollen sich damit auseinandersetzen, um zukünftig vielleicht besser hinzuschauen und aufzupassen, wie es der Nachbarin oder Freundin geht", sagt Böhm. Sie sei erschüttert, wie Frauen behandelt und Kinder dadurch in Mitleidenschaft gezogen werden. "Man kann sich das gar nicht vorstellen, einfach schrecklich."

Infos: Der Lichtblick