Chronik | Burgenland
11.04.2012

Flüchtlingsheim Sieggraben kein Einzelfall

Der KURIER deckte Missstände in einem burgenländischen Flüchtlingsheim auf. Nun werden bereits weitere Vorwürfe laut.

Die Aufregung ist groß. Der KURIER-Bericht, wonach 20 Flüchtlinge im burgenländischen Sieggraben in  einem ehemaligen Bordell auf den Ausgang ihres Asylverfahrens warten müssen, hat heftige Reaktionen hervorgerufen. Der Grund: Das Haus befindet sich in der pannonischen Einöde, das einstige Puff ist baufällig, die hygienischen Zustände  sind miserabel. Teilweise fehlt der Strom, einzelne Heizkörper funktionieren nicht und  einige Fenster sind  undicht. Das Urteil der Caritas, die  die  Flüchtlinge lange in Rechtsfragen beriet, fällt eindeutig aus: "Das Heim ist ein Schandfleck für das Burgenland." Und: "Wir haben die baulichen Missstände schon  aufgezeigt." Offenbar ohne Erfolg.

Bei der Landesregierung heißt es: "Am 20. März fand eine Flüchtlingsheimüberprüfung statt." Beamte des Innenministeriums, des Landes und des Bezirks hätten dabei "keine gravierenden Mängel" festgestellt. "Das stimmt so nicht", heißt es im Ministerium. "Auch wenn nicht wir, sondern das Land, für den baulichen Zustand  verantwortlich ist, haben wir  Kritik geäußert", sagt  Karl-Heinz Grundböck. In einer "gemeinsamen Mängelfeststellung" will man  auf Missstände aufmerksam gemacht haben. "Wir haben darauf gedrängt, dass die Situation verbessert wird."

 

Schimmel und Müllberge

Bei der Causa Sieggraben dürfte es sich ohnedies um keinen Einzelfall handeln. Den KURIER erreichten am Dienstag Fotos zweier weiterer Heime im Burgenland. "Auch dort sind die Missstände offensichtlich", so ein Informant. Die Einrichtungen, eine davon ist in Güssing, seien in einem ähnlichen Zustand wie das Ex-Puff in Sieggraben. Zeugen berichten von Schimmel an den Wänden und von Müllbergen, die  nicht abgeholt werden. In einem dritten Haus sei die Verpflegung der Flüchtlinge  mangelhaft.

Landesrat Peter Rezar (SPÖ) will nun sämtliche Vorwürfe klären: "Ich habe heute eine strenge Überprüfung vonseiten des Landes – unter Beiziehung von Sachverständigen – angeordnet", sagt er dem KURIER. "Sobald ich das Ergebnis habe, kann ich zu den Vorwürfen Stellung nehmen". Der grüne Landtagsabgeordnete Michel Reimon kündigt indes eine Anfrage im Landtag an. "Es geht um die Frage, was wusste der Landesrat zu welchem Zeitpunkt." Angesichts der Aussagen seitens des Ministeriums eine nicht  unberechtigte Frage.

Die grüne  Nationalratsabgeordnete Alev Korun sieht auch das Innenministerium in der Pflicht. "Es müssen endlich  Gespräche mit den Ländern und mit Experten von Caritas und Diakonie geführt werden." Nur so sei eine sinnvolle Reform der Grundversorgung möglich. Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) hatte bereits im Jänner angekündigt,  das Grundversorgungspaket auf neue Beine stellen zu wollen. Unter anderem sollen private Quartiergeber wie jene in Sieggraben   einen höheren Tagsatz pro beherbergten Flüchtling erhalten.

( . . . hier wurde nur mehr auf Klo-Niveau diskutiert. Das Forum wurde daher geschlossen. - die Red.)

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