Uhudlerflaschen

© Uhudlerverein

EU-Recht
02/03/2014

Falsches Geschäft mit dem Uhudler

In Wien und der Steiermark wird Wein aus der verbotenen Isabella-Traube verkauft.

von Natascha Marakovits

Uhudler – der Echte aus dem Südburgenland“ steht auf der Homepage des Vereins „Freunde des Uhudler“ zu lesen. Kein anderer Wein ist mit den Bezirken Güssing und Jennersdorf so verbunden wie der Uhudler. Seit 1989 ist der Begriff daher markenrechtlich geschützt.

Das Geschäft mit dem Kultgetränk boomt und so versuchen auch Weinbauern abseits des Südburgenlandes den Markt zu erobern. Um den geschützten Namen zu umgehen, wird er in „Isabella“, „Juhudler“ oder „Suhudler“ umbenannt. Doch damit nicht genug: Bei Abnehmern werden diese Produkte doch als Uhudler angepriesen. Wie zum Beispiel in einem Wiener Restaurant am Donaukanal. „Uhudler Frizzante“ steht auf der Getränkekarte. Erst auf Nachfrage erfährt man, dass es sich bei dem Produzenten um den Wiener Weinbauern Karl L. handelt.

Dem Verein „Freunde des Uhudler“ ist das seit Jahren ein Dorn im Auge. „Der Konsument wird getäuscht. Wenn er Uhudler bestellt, erwartet er sich das Produkt aus dem Südburgenland, nicht aus Wien oder der Steiermark. Es gibt immer mehr solcher Fälle und keiner tut etwas dagegen“, sagt Vereinsobmann Harald Kaiser.

Verbotene „Isabella“

Auf der Homepage von Karl L. ist zwar kein Uhudler Frizzante zu finden, aber „Frizzante Isabella“ – von der Isabella­traube. Auch in der Steiermark bewirbt Alois K. seinen Juhudler „als den Bruder des Uhudler von der Isabellatraube“. Darauf angesprochen, gibt er zu, damit bewusst den geschützten Namen zu umgehen. „Das J haben wir davor gestellt, weil er ja nur im Burgenland Uhudler heißen darf. Zur Herstellung verwenden wir ausschließlich Isabella-Trauben“, erklärt er.

Dass beide damit gegen ein Gesetz verstoßen, haben sie anscheinend nicht bedacht. So benutzen sie zwar nicht den geschützten Namen – verstoßen jedoch gegen die EU-Sortenverordnung. Seit 1995 ist der Verkauf von Weinerzeugnissen aus dieser Traubensorte, die zu den sogenannten Direktträgern (siehe Infokasten) zählt, verboten, weil der Methanolgehalt als zu hoch gilt.

„Die Rebsorten Noah, Othello, Isabelle, Jaquez, Clinton und Herbement verstoßen gegen das EU-Recht, gelten als nicht zugelassen und dürfen in ganz Österreich für Weinerzeugnisse nicht verwendet werden“, erklärt Bundeskellereiinspektor Franz Scheibenreif. Damit konfrontiert, gibt sich Winzer Karl L. unwissend. „Ich habe den Namen zufällig ausgewählt. Da sind gar nicht viele Isabellatrauben drin“, sagt er. Und Alois K. meint, er kenne die Gesetze nicht so genau.

Laut Lebensministerium wird nun die Bundeskellereiinspektion den Sachverhalt prüfen. Es drohen Anzeige und Verwaltungsstrafe.

Regionale Spezialität mit Ablaufdatum

Der Uhudler stammt aus der Zeit nach dem großen Reblausbefall, als Reblaus-resistente amerikanische Weinreben nach Europa gebracht und mit europäischen Sorten veredelt wurden. Die ersten unveredelten Direktträgersorten waren „Noah“, „Concord“ und „Isabella“, später auch „Elvira“, „Othello“, „Delaware“, „Ripatella“ und „Seibel“. Diese Direktträgerweine wurden Uhudler genannt.

Von 1985 bis 1992 wurde er aus dem Weingesetz genommen und verboten, 1992 wieder aufgenommen. Seit 1995 sind nur vier Rebsorten, befristet bis 31. 12. 2030, zugelassen.

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