Chronik | Burgenland
31.10.2017

"Extremer Aufwärtstrend" soll der ÖVP Landeshauptmann bringen

Die Volkspartei konnte bei Kommunal- und Nationalratswahl schon zur SPÖ aufschließen.

Dass Rot und Schwarz-Türkis auch am Tag nach der Bürgermeister-Stichwahl bei der Interpretation des Ergebnisses auf keinen grünen Zweig kamen, ist nicht nur dem knappen Gesamtresultat geschuldet ( SPÖ: 83 Bürgermeister; ÖVP: 82), sondern vor allem einer massiven Verschiebung der politischen Kräfteverhältnisse, an die sich beide Großparteien offenbar erst selbst gewöhnen müssen.

Die Volkspartei, die von den Roten seit Jahrzehnten auf Distanz gehalten wurde, hat bei der Kommunal- und noch spektakulärer bei der Nationalratswahl massiv Meter gutgemacht und zur SPÖ aufgeschlossen. Dass die Sozialdemokraten am Ende trotz herber Verluste doch eine Nasenlänge voran lagen, möge zwar stimmen, meinte ÖVP-Landesobmann Thomas Steiner am Montag sinngemäß, aber: Es sei seines Wissens "weltweit" allgemein gültig, dass ein Plus vor dem Ergebnis den Sieger markiere und ein Minus den Verlierer. Ergo sei "die Volkspartei Wahlsieger". Im Gegensatz habe "die SPÖ nicht nur Gemeinderats-, Bürgermeister- und Nationalratswahl verloren, sondern offenbar auch den Bezug zur Realität", reagierte Steiner auf Landeshauptmann Hans Niessl (SPÖ), der mit Blick auf die Nummer-eins-Position bei allen drei Urnengängen von einem "3:0 für die SPÖ" gesprochen hatte. Niessls Replik: "Steiner hat nie Fußball gespielt", wie im Sport zähle in der Politik "das Endergebnis". Mit dem höchsten Prozentsatz "ist man die Nummer eins".

Vorspiel für 2020

Wie nachhaltig die bei den Oktoberwahlen zu Tage getretenen Verschiebungen zwischen SPÖ und ÖVP tatsächlich sind, muss sich bei der Landtagswahl im Frühjahr 2020 zeigen. ÖVP-Chef Steiner will den "extremen Aufwärtstrend" der letzten Wochen mitnehmen und das seit 1964 rot regierte Burgenland wieder für die ÖVP gewinnen. Realitätsfern? Bei der Landtagswahl 2015 lag die SPÖ zwar noch 12,8 Prozent vor der ÖVP, aber bei der jüngsten Nationalratswahl konnte die Volkspartei einen fast ebenso großen Rückstand bis auf 212 Stimmen egalisieren.

Möglich dass der Eisenstädter Bürgermeister Steiner, der sich bisher nicht festlegen wollte, ob er 2020 Spitzenkandidat wird, angesichts der neuen Lage doch in den Ring steigt. Ob Niessl oder Hans Peter Doskozil sein Visavis wird, wird die SPÖ wohl bald entscheiden.