Chronik | Burgenland
26.08.2017

Experte will wegen Plagiats klagen

Mitarbeiter des Bürgermeisters habe Tourismuskonzept abgeschrieben, sagt deutscher Fachmann.

Deutsche Minister und österreichische Landesräte sind schon über Plagiatsaffären gestolpert, nun sehen sich auch ein pannonischer Bürgermeister und einer seiner Mitarbeiter mit dem Vorwurf konfrontiert, abgeschrieben zu haben.

Wolfgang Weiler, Inhaber der auf Tourismus spezialisierten Agentur "Projekt D" mit Standorten in Berlin und Freiburg im Breisgau, traute seinen Augen nicht, als er im Internet auf einen Artikel der burgenländischen bvz stieß: Dort wurde über ein Tourismuskonzept der nordburgenländischen Kurgemeinde Bad Sauerbrunn berichtet, das Weiler allzu vertraut war. "Gut 75 Prozent der 28 Seiten des ,Tourismuskonzeptes Bad Sauerbrunn‘ entstammen wortwörtlich dem 32-seitigen ,Tourismuskonzept Bad Bevensen‘", sagte Weiler dazu auf KURIER-Nachfrage.

Der Agenturchef hat jahrzehntelange Erfahrung als Reisejournalist und war von 2002 bis 2008 Geschäftsführer der Vereinigung Deutscher Reisejournalisten. Er referierte auch als Dozent an Universitäten und er hatte das Konzept 2011 für den Kurort in der Lüneburger Heide erstellt – gemeinsam mit Birgit Rehse von der örtlichen Marketinggesellschaft.

Weiler will nun rechtliche Schritte gegen die burgenländische Kurgemeinde ergreifen. Welche Summe der Tourismusexperte einklagen will, möchte er mit seinem Anwalt beraten, aber die 35.000 Euro, die der Verfasser der "Sauerbrunn-Studie" – der Mitarbeiter des Bürgermeisters – erhalten haben soll, seien ein "Richtwert". Der Tourismus-Experte lässt aber auch durchblicken, dass er einer außergerichtlichen Lösung zugänglich wäre, allerdings hätte "die Gemeinde schon genügend Möglichkeiten gehabt, sich zu melden".

"Falsche Studie"

Bürgermeister Gerhard Hutter von der Liste Bad Sauerbrunn ist sich "nicht zu gut, um Weiler anzurufen und ein Missverständnis aufzuklären", wie er mitteilt, "aber, wenn er glaubt, klagen zu müssen, soll er‘s tun". Denn in der Sache sehen weder Hutter noch sein Mitarbeiter ein Vergehen. Das Papier sei als Modell für ein mögliches Konzept nur für den internen Gebrauch gedacht gewesen und über den von SPÖ und ÖVP dominierten Prüfungssausschuss im Gemeinderat nach außen gelangt – dessen Obfrau hat das zurückgewiesen.

Die 35.000 Euro würden nicht bloß die "Studie" abgelten, sondern die gesamte Arbeit des Mitarbeiters. Das "richtige" Tourismuskonzept ohne Anleihen bei Bad Bevensen sei schon Ende 2016 an die Landesregierung gegangen. Dort bestätigt man den Erhalt, über den Inhalt könne man aber nichts sagen.