Chronik | Burgenland
06.06.2017

"Es ist kein Stein auf dem anderen geblieben"

In welche Zukunft gehen die Bauern? Der Präsident der Landwirtschafts- kammer Burgenland, Franz Stefan Hautzinger, gibt Antworten.

KURIER: Wie steht die Landwirtschaft heute, im Vergleich zum Beginn Ihrer Präsidentschaft, da?

Franz Stefan Hautzinger:Es ist kein Stein auf dem anderen geblieben. Wir waren gewohnt durch die Marktordnungsgesetze abgesichert zu sein, ein Wettbewerb mit dem Ausland war nicht gegeben. Mit dem EU-Beitritt ist alles aufgebrochen und wir sind in die freie Marktwirtschaft entlassen worden. Die Bauern haben die Möglichkeiten aber sehr gut genützt.

Wie können Bauern heute am Markt bestehen?

Ich glaube nach wie vor, dass der bäuerliche Familienbetrieb die beste Form ist, um im Wettbewerb bestehen zu können. Die Stärken sind die Flexibilität und Eigenverantwortung sowie die Anpassungsfähigkeit an den Markt und natürlich das Vertrauen der Konsumenten.

Die Förderperiode für die Landwirtschaft läuft bis 2020. Was wird sich für die Bauern ändern?

Es laufen Gespräche und Verhandlungen. 2018 wird es erste Entwürfe von der EU geben. Unsere Kernbotschaft als Interessensvertreter zur Zukunft der GAP sind die bäuerlichen Familienbetriebe. Hier braucht es eine ausreichende Finanzierung und entsprechende Gestaltungsmöglichkeiten. Die Programme sollten auch vereinfacht werden, um den Landwirten mehr Rechtssicherheit zu geben.

Wird sich das EU-Budget nach dem Brexit verändern?

Derzeit wird noch verhandelt, aber durch den Ausstieg der Briten aus der EU fällt ein Nettozahler aus. 58,5 Milliarden Euro standen bisher für die Landwirtschaft zur Verfügung, ohne die Briten sind es drei Milliarden Euro weniger.

Ist diese hohe Summe noch notwendig?

Diese 58 Milliarden sind vertretbar, wir werden diesen Betrag auch weiterhin fordern, es ist ein Prozent des Bruttoinlandprodukts der EU. Die militärischen Ausgaben betragen zwei Prozent. Die Landwirtschaft erfüllt wichtige Aufgaben, wir produzieren hochwertige Nahrungsmittel zu leistbaren Preisen. Es ist auch eine friedensstiftende Maßnahme, denn Unruhen passieren bei Nahrungsmittelknappheit.

Zur Zeit gibt es aber Überproduktion

In Zeiten des Klimawandels und Handelsembargos kann es über Nacht passieren, dass die Produktion wegbricht. Ja, in den vergangenen vier Jahren ist es weltweit zu Rekordernten gekommen und es hat ein Lageraufbau stattgefunden. Die Marktsituation ist nach wie vor angespannt.

Wie schätzt man die weitere Entwicklung ein?

Im vergangenen Jahr konnte man nach längerer Zeit feststellen, dass der Verbrauch durch die zunehmende Weltbevölkerung höher gelegen ist als die Produktion. Wenn sich diese Entwicklung fortsetzt, könnte sich bald wieder ein Gleichgewicht einstellen und die Bauern können mit stabileren Preisen rechnen.

Ein großes Thema für die Landwirte sind die neuen Einheitswertbescheide, die gerade ausgestellt werden. Zahlen die Bauern nun mehr Steuer?

Die ersten Anfragen bei unseren Rechtsberatern sind eingegangen. Entscheidend ist, dass der Einheitswert auf dem Ertragswert (was auf dem Grundstück erwirtschaftet werden kann, Anm.) basiert. Die Alternative wäre die Berechnung aller Abgaben über den Verkehrswert (Wert wenn das Grundstück verkauft werden würde, Anm.) gewesen. Das hätte fatale wirtschaftliche Folgen für die Betriebe gehabt. Durchschnittlich wird es eine Erhöhung von etwa sechs Prozent geben.

Wie sieht es grundsätzlich mit dem politischen Einfluss der Landwirtschaft aus?

Das geht analog mit dem Strukturwandel. Der Bauernbund wurde aus meiner Sicht allerdings aufgewertet, weil die neue ÖVP Generalsekretärin Elisabeth Köstinger aus dem Bauernstand kommt. Es ist ein deutliches Zeichen für die Landwirtschaft.

Welche Anliegen konnten Sie für die Bauern zuletzt politisch durchsetzen?

Eine Forderung von uns beim Risikomanagement ist gelungen. Es gibt eine Elementarversicherung, die nicht nur Hagel, sondern auch Frost im Wein- oder Obstbau, Dürre, Sturmschäden und Starkregen abdeckt. Bund und Land finanzieren die Prämien zu 50 Prozent, damit für jeden Landwirt die Versicherung leistbar ist.

Im März 2018 finden Kammerwahlen statt, werden Sie noch einmal antreten?

Ich habe bei den letzten Wahlen das Vertrauen erhalten für diese Periode zur Verfügung zu stehen. Nachdem ich 2018 im 64 Lebensjahr bin, ist es ein idealer Zeitpunkt das Amt zu übergeben.

Gibt es Kandidaten für die Nachfolge?

Die Nachfolgeregelung wird innerhalb des Bauernbundes nach den Gemeinde- und Nationalratswahlen zu diskutieren sein.