Eisenstadts Bürgermeister: "Keine schönere Funktion"

© Bild: Gesellmann

Thomas Steiner ist neuer VP-Stadtchef. Bei der Gemeinderatssitzung am Mittwoch gab es keine Probleme.

Seit Mittwochnachmittag ist Thomas Steiner neuer Bürgermeister der Landeshauptstadt. Er erhielt 17 von 28 Stimmen, für Günter Kovacs, SP, votierten sechs Gemeinderäte. Vor zwei Wochen hatte ein Formalfehler Steiners Wahl verhindert. Der KURIER sprach mit dem Neo-Bürgermeister über die Panne, sein Verhältnis zur SPÖ, seine Pläne für die Stadt, die Wahlen im Oktober 2012 und die Prioritäten in seinem Leben.

KURIER: Herr Bürgermeister, wie haben Sie nach der geplatzten Wahl vor zwei Wochen geschlafen?
Thomas Steiner:
Geschlafen habe ich gut, weil ich ziemlich erledigt war, als ich heimgekommen bin.

Hat Sie diese Aktion persönlich gekränkt oder gehört das zur Politik?
Naja, der Anruf, dass es Schwierigkeiten gibt, hat mich sozusagen beim Herrichten für den großen Abend erreicht. Ich hab dann versucht, die Sache noch hinzubiegen, aber das ist mir nicht gelungen. Persönlich gekränkt hat es mich nicht, aber den Abend mit meiner Familie und allen Freunden, die dort waren, hatte ich mir schon anders vorgestellt.

Wie wird sich dieser Vorfall auf das Verhältnis zur SPÖ auswirken?
Förderlich für die Zusammenarbeit war diese Sache nicht. Aber ich werde keinen Rachefeldzug gegen die SPÖ führen, sondern versuchen, mit ihr zusammenzuarbeiten wie mit allen anderen Parteien.

Woran werden die Eisenstädter als erstes merken, dass es einen neuen Bürgermeister gibt?
Mir ist vor allem der Umgang mit den Menschen sehr wichtig.
Das Bürgerservice wird ausgebaut und auch personell aufgestockt.

Wie wird die neue Linie der ÖVP Eisenstadt aussehen?

Mir ist eine gute Grundstimmung ganz wichtig und dass wir viel miteinander reden. Wir werden uns häufiger als bisher treffen. Und wir werden uns wieder mehr um unsere 1500 Parteimitglieder kümmern.

Welche Projekte stehen an?
Wir haben vor, ein neues Fußball- und Laufzentrum in St. Georgen zu bauen, wo wir für den UFC St. Georgen und für den Eisenstadt FC eine Spielstätte errichten wollen. Wir werden uns Gedanken machen über den Stadt-entwicklungs- und Infrastrukturplan, weil wir ja eine stark wachsende Stadt sind.

Wird man das Verkehrsproblem angehen?
Ja sicher, wir werden auch das Verkehrsproblem als Ganzes überdenken. Wir müssen neue Verkehrswege schaffen, um bestehende zu entlasten.

Sie wurden bereits im Vorfeld kritisiert, weil Sie Ihr Landtagsmandat behalten...

Ich glaub', es ist wichtig, dass die Kommunalpolitiker im Landtag vertreten sind. Wenn ich richtig liege, sind im Burgenländischen Landtag 15 oder 16 Bürgermeister vertreten.

Haben Sie Zeit für beide Aufgaben?
Das glaube ich auf jeden Fall. Ich finde es witzig, dass man es anderen zutraut und mir nicht.

Abgeordneter der ÖVP, Bürgermeister von Eisenstadt. Was kommt als nächstes? Die Nachfolge von Franz Steindl?

Ich muss ehrlich sagen, für mich ist der politische Höhepunkt wirklich die Wahl zum Bürgermeister. Es gibt wahrscheinlich keine schönere politische Funktion im Burgenland als Bürgermeister der Landeshauptstadt, und auf das konzentriere ich mich total. Und der Franz Steindl ist ein guter, sehr guter Parteiobmann.

Welches Ziel haben Sie für die Wahl 2012?

Wir wollen ab sofort ordentlich arbeiten und den Leuten zeigen, dass man Politik auch anders machen kann. Eisenstadt so positionieren, um konkurrenzfähig zu bleiben. Es wird im September einen kurzen Wahlkampf geben und ich hoffe, dass die Eisenstädter Wähler der ÖVP wieder die Stärke geben, dass wir die Führung beanspruchen können.

Das klingt ein bisschen nach Demut?

Bei jeder Wahl werden die Karten neu gemischt, deshalb sollte man nie überheblich sein. Weder wir in der Stadt, noch die SPÖ auf Landesebene.

Was macht für Sie einen guten Bürgermeister aus?
Er braucht Kompetenz, um eine Gemeinde führen zu können, und er darf den Bezug zu den Menschen nie verlieren. Er muss ihnen zuhören können.

Was ist für Sie das Wichtigste im Leben?
Meine Familie und meine Freunde. Für mich ist es ganz wichtig, dass ich meine sozialen Kontakte aufrecht erhalte, auch wenn ich jetzt Bürgermeister bin. Sie sind ein wichtiges Korrektiv. Zeit für meine Familie werde ich mir immer nehmen.

Zur Person: Jurist und Politiker

Thomas Steiner wurde am 27. Jänner 1967 in Loretto, Bezirk Eisenstadt-Umgebung, geboren. 1990/91 verlegte der passionierte Tennisspieler seinen Lebensmittelpunkt nach Eisenstadt. Er ist studierter Jurist mit Schwerpunkten Verwaltungs- und Verfassungsrecht. Vor seinem Eintritt in die Politik arbeitete er als Büroleiter von Landeshauptmann-stellvertreter Franz Steindl und war vorher bereits im Büro von Gerhard Jellasitz. Steiner ist verheiratet und hat einen Sohn.

Erstellt am 05.12.2011