Chronik | Burgenland
06.01.2016

Ein Servicehund auf Jobsuche

Gut ausgebildet, aber ohne Beschäftigung: Labrador Xanthos sucht einen Besitzer, der seine Fähigkeiten braucht.

Xanthos vom burgenländischen Kastell Stegraifepach ist jung, gut ausgebildet und sucht einen Job. Der Labrador Rüde kann viel mehr, als auf "Sitz" und "Platz" zu hören. Er ist geprüfter Servicehund und kann Menschen mit Behinderung in ihrem Alltagsleben unterstützen (siehe Zusatzgeschichte unten). Das Tier wurde von Cornelia Reithner ausgebildet. "Xanthos hat die Qualitätsprüfung vom Messerli Institut bei der Veterinärmedizinischen Uni in Wien abgelegt", sagt sie.

Eigentlich hätte der Labradorrüde nach der Prüfung in der Steiermark zum Einsatz kommen sollen, um einer Frau im Rollstuhl zur Seite zu stehen. "Da sich die Lebensumstände von Xanthos’ Besitzerin verändert haben, suchen wir einen neuen Platz", berichtet Reithner, die den Hund seit mehr als zwei Jahren trainiert.

Zulassung

Xanthos lebt schon, seit er ein Welpe ist, bei Familie Reithner in Münichreith in Niederösterreich. "Wir waren sehr konsequent, damit sich keine Unarten einschleichen", sagt die Frau über die Ausbildung. Mit einem Jahr wurde bei dem Hund die gesundheitliche Eignung zum Servicehund festgestellt.

"Ich konzentriere mich immer nur auf einen Hund beim Training", sagt Reithner. Ihr aktueller Schützling Xanthos wurde speziell für die Bedürfnisse der Rollstuhlfahrerin aus der Steiermark trainiert. Er kann Türen öffnen und schließen, Dinge vom Boden aufheben, den Schlüsselbund oder andere Gegenstände apportieren. "Ein läutendes und vibrierendes Handy zu bringen kann, schwierig für den Hund sein", weiß Reithner. Das Training funktioniert mit positiver Bestärkung, wenn der Hund etwas richtig macht, wird er belohnt. Reithner kann sich für Xanthos auch einen Arbeitsplatz "ohne Rollstuhl vorstellen". Wichtig sei, dass er zu einem Erwachsenen kommt.

Fähigkeiten

Je nach Behinderung können bei der sogenannten Zusammenschulung zwischen Hund und neuem Besitzer noch Fertigkeiten trainiert werden, die auf die Bedürfnisse des jeweiligen Eigentümers abgestimmt sind. Das könnte Jackenausziehen oder Sockenanziehen sein, ebenso wie das Hochklappen der Fußrasten des Rollstuhls.

Finanziert würden die Helfer auf vier Pfoten durch Spenden, denn die Kosten für den ausgebildeten Hund belaufen sich auf rund 20.000 Euro.

Durch die intensive Nachbetreuung ist der Preis davon abhängig, wie weit der Hund von Reithners Wohnort weg kommt. "Die Besitzer können jederzeit anrufen und Fragen stellen. Wenn sie auf Reha sind, kann der Hund auch zu uns gebracht werden".

Xanthos wartet jedenfalls schon auf sein neues Frauchen oder Herrl, um ihnen das Leben zu erleichtern.

www.assistenzhunde-reithner.at

Sonderstatus für Assistenzhunde

Seit 1. Jänner 2015 führt das Messerli Forschungsinstitut der Veterinärmedizinischen Universität Wien die Prüfungen für Assistenzhunde durch. Darunter fallen Blindenführ-, Service- bzw. Signalhunde. Servicehunde unterstützen ihre Besitzer mit Behinderung im alltäglichen Leben. Sie öffnen Türen, apportieren Dinge, ziehen Socken aus und vieles mehr.

Signalhunde können etwa Diabetikern helfen. Die Tiere sind darauf trainiert, eine Unterzuckerung oder Überzuckerung der betroffenen Person zu erkennen und anzuzeigen.

Qualitätsprüfung

Alle Assistenzhunde müssen vor Sachverständigen eine Qualitätsprüfung je nach Verwendungszweck ablegen. Nach der sogenannten Zusammenschulung zwischen Hund und Besitzer durch den Trainer muss eine Teamprüfung gemacht werden. "Dann kann der Hund in den Behindertenpass eingetragen werden, um offiziell ein Servicehund, Signalhund oder Diabeteswarnhund zu sein", erklärt Hundetrainerin Cornelia Reithner.

Da Assistenzhunde von Menschen mit Behinderung in allen Lebenslagen eingesetzt werden, genießen die Tiere einen Sonderstatus. Sie haben freien Zugang zu öffentlichen Orten oder Gebäuden.

Außerdem sind sie von der Maulkorb- und Leinenpflicht ausgenommen, damit sie ihre antrainierten Aufgaben bewältigen können.