Ein Ort kämpft um die Jugend

Wie viele Gemeinden kämpft Wiesfleck mit einer schrumpfenden Bevölkerung. Die Kinderbetreuung wird ausgebaut.

Mir war es nach der Pensionierung langweilig, da hab ich den Turm gebaut." Stolz blickt der 77-jährige Wilhelm Schuh auf sein Bauwerk, das im Volksmund nur noch der Leuchtturm von Schreibersdorf genannt wird. Der Turm steht neben dem Gasthaus der Familie und ist eine Attraktion für Jung und Alt.

"Die Familie Schuh ist außergewöhnlich tüchtig", streut Bürgermeister von Wiesfleck, Hans Brenner, VP, der Familie Schuh Rosen. Zu Wiesfleck gehören die Ortsteile Schreibersdorf, Weinberg und Schönherrn.

Brenner würde sich mehr so engagierte Bauherrn in seiner Gemeinde wünschen. Denn wie viele Orte im Südburgenland hat auch Wiesfleck mit einer sinkenden Bevölkerungszahl zu kämpfen. Derzeit weist die Gemeinde rund 1100 Einwohner auf, 2001 waren es noch um 80 mehr.

Junge gehen weg 

"Wir haben halt viele Pendler und die meisten sind wegen des Parkpickerls in Wien hauptgemeldet", beklagt Bürgermeister Brenner. Es gebe zwar immer wieder junge Familien, die sich in der schmucken Gemeinde nordöstlich von Pinkafeld ansiedeln und hier Häuser errichten. Was bis jetzt noch nicht funktioniert hat, war die Errichtung von Mehrparteienhäusern. Die Oberwarter Siedlungsgemeinschaft habe zwar bereits mehrere Anläufe unternommen, mangels Nachfrage ist die Umsetzung bis heute aber gescheitert.

Dabei freut man sich heuer über einen besonders geburtenstarken Jahrgang. Bisher haben schon 19 junge Wiesflecker das Licht der Welt erblickt, fast doppelt so viel wie in normalen Jahren.

Zur Zeit investiert die Gemeinde kräftig in den Ausbau des Kindergartens, wo es künftig auch eine Betreuung für Kinder von eineinhalb bis zehn Jahren geben wird. Auch der Bauhof der Gemeinde - er liegt zwischen Wiesfleck und Schreibersdorf - wird neu gestaltet. Hier entsteht auch das Abfallsammelzentrum für die Großgemeinde.

Das Budget des Ortes liegt bei rund 1,5 Millionen Euro. "Den neuen Bauhof errichten wir ohne Kreditaufnahme", sagt Bürgermeister Brenner stolz. Man baue eben so, wie es die finanziellen Mittel erlauben. Langsamer, aber ohne Schulden.

Hans Brenner ist seit 2001 Bürgermeister. Sollte nichts dazwischenkommen, will er bei den Gemeinderatswahlen 2012 wieder kandidieren. Im Gemeinderat steht es 9 VP zu 6 SP.

( Kurier ) Erstellt am 05.12.2011