Heinz Josef Zitz ist seit 1. Oktober Amtsführender Landesschulratspräsident. Verhältnis zu seinem Chef Hans Niessl? „Ich weiß, wie er denkt“

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Landesschulratspräsident
10/04/2014

„Ein Fan der gemeinsamen Schule“

Heinz Josef Zitz. Der neue Landesschulratspräsident über die Neue Mittelschule, Postenbesetzungen und Politik

von Thomas Orovits

KURIER:Weniger Geld für die Verwaltung, mehr für die Schüler, sagt Ihr Chef, LH Hans Niessl. Ist der Amtsführende Präsident des Landesschulrats nötig?
Heinz Josef Zitz: Ein Haus dieser Größe braucht jemanden, der Entscheidungen trifft. Wenn ich den Amtsführenden abschaffe, braucht man eine Abteilung im Land und eine Führungskraft. Es geht schließlich um 4000 Lehrer und 37.000 Schüler. Ich kann da kein großes Einsparungspotenzial erkennen.

LH-Legende Theodor Kery hatte keinen Amtsführenden.
Schule ist viel komplexer geworden. Dieses wichtige Thema als Beiwagerl zu behandeln, hielte ich nicht für sehr gescheit. Dazu muss man bedenken, dass 90 Prozent aller Kosten aufs Schulpersonal entfallen, nur 10 % auf Schulbauten und Verwaltung. Wir haben im Burgenland schon Landes- und Bundeslehrer im Landesschulrat zusammengefasst und trotzdem in den vergangenen fünf Jahren 28 Prozent der Mitarbeiter im Haus eingespart. Da ist nicht mehr viel möglich.

Soll der Posten des Vizepräsidenten abgeschafft werden?
Wenn wir demokratische Kontrollfunktionen aushebeln, hebeln wir die Demokratie aus.

LH Niessl hat Ihnen aufgetragen, „für Bildung zu begeistern“. Mangelt es Schülern, Eltern und Lehrern an Begeisterung?
Nein, das Burgenland liegt bei der Schulqualität im europäischen Vergleich auf sehr hohem Niveau. Aber wir wollen noch besser werden. Bildung und Innovation machen die Kraft des Landes aus. Und wir haben ja immer neue Schüler, die wir begeistern müssen. Sie sollen gern in die Schule gehen, aber auch sehen, dass Lernen Leistung bedeutet. Wir müssen den Spagat zwischen Abverlangen von Leistung und Ermöglichen von Kreativität schaffen.

Was ist Ihr größtes Anliegen?
Ich bin ein Fan der gemeinsamen Schule mit innerer Differenzierung für alle 10- bis 14- oder 15-Jährigen. Von Nordeuropa und Südtirol können wir uns da einiges abschauen. Bei uns haben die westlichen Bundesländer diese Diskussion schon gestartet.

Das heißt, Gymnasien und Neue Mittelschulen sollten in der Gesamtschule, oder, wie Sie sagen, gemeinsamen Schule aufgehen?
Ja, so ist es. Wir haben südlich von Oberwart seit Jahrzehnten de facto die gemeinsame Schule. In den Bezirken Güssing und Jennersdorf gibt es kein Unterstufengymnasium. Mir soll niemand erzählen, das funktioniere nicht.

Wann soll die Gesamtschule starten?
Das ist Sache der Bundesregierung, am liebsten gestern. Im Ernst: In dieser Legislaturperiode wird es schwierig, also wohl erst nach 2018.

Die Gymnasien abschaffen, wo es gerade einen Run auf diese Schulform gibt?
Die gemeinsame Schule kann ja auch Gymnasium für alle heißen. Und zum Run: Das ist je nach Standort verschieden und es gibt umgekehrt auch großen Zulauf zu Neuen Mittelschulen.

Zum Beispiel?
Zurndorf stand vor einigen Jahren mit 80 Schülern vor der Schließung, jetzt gibt es 151 Schüler. Oder Markt Allhau und Oberwart, die Neue Mittelschule ist für mich der Weg zur gemeinsamen Schule.

Der Rechnungshof hat die NMS aber sehr kritisch beurteilt.
Der Bericht hat sich auf Salzburg und Vorarlberg bezogen.

Es gab auch allgemeine Feststellungen. So haben sich kaum AHS beteiligt, die Lehrerpersonalkosten an NMS lagen weit höher als an Gymnasien.
Wir haben die NMS optimal umgesetzt, bei den letzten Tests zum Bildungsstandard hat sich der Abstand sozial benachteiligter Kinder sehr stark verringert. Und aus der NMS gehen mehr Kinder in weiterführende Schulen als aus der Hauptschule. Zudem brauchen kleine Standorte am Land mehr Ressourcen als in der Stadt.

Ob es aus der NMS mehr Schüler bis zur Matura schaffen als aus den Hauptschulen wurde aber noch nicht überprüft?
Nein, aber ich hätte aber nichts gegen eine Prüfung im Burgenland. Ich bin überzeugt, bei uns gibt es andere Ergebnisse als in Salzburg und Vorarlberg.

Der Landeshauptmann hat auch eine Nachschärfung des Auswahlverfahrens für Spitzenpositionen angekündigt?
Für Direktoren gibt es schon länger ein dreistufiges Verfahren. Neu ist, dass Führungspersonal im Landesschulrat ein Assessment-Center durchlaufen muss, das der Auswahl für Vorstände in Unternehmen entspricht. Ich habe mich dem als Erster im Haus gestellt.

Drei künftige Pflichtschulinspektoren müssen auch durch?
Ja.

Insgesamt soll es vier geben. Nachdem eine der ÖVP zuzurechnen ist, werden die drei Neuen wohl Rote?
Warum? Eine externe Firma nimmt die Beurteilung vor und wir haben eigentlich immer die Erstgereihten genommen.

Wenn am Ende des Tages doch drei Rote dort sitzen, war das einfach Zufall?
Wenn es so sein sollte, ist damit belegt, dass wir in der Sozialdemokratie ausgezeichnete Leute im Bildungswesen haben.

Bei der Direktorenbestellung hat das Hearing den größten Einfluss, dort hat aber die SPÖ die absolute Mehrheit – wenig objektiv, oder?
Das ist falsch, für dieses Gremium gibt es keine fraktionelle Besetzung.

Es gibt also keine parteipolitische Besetzung von Direktorenposten und man braucht kein Parteibuch?
Im Burgenland gibt es ein transparentes Anhörungsverfahren, das im Landtag beschlossen wurde. Danach richten wir uns. Und zum Parteibuch: Ich selbst bin ohne Parteibuch Fachinspektor im Landesschulrat geworden.

Aber jetzt haben Sie eines?
Ich habe eine sozialdemokratische Gesinnung und daher auch ein Parteibuch.

Sie waren SPÖ-Spitzenkandidat bei der EU-Wahl und sind noch immer Gemeinderat in Neusiedl. Die ÖVP fordert Ihren Rücktritt vom politischen Amt?
(lacht) Es ist eh schön, wenn man sich die Mühe macht, über den fünften Gemeinderat zu sprechen. Aber ich werde natürlich dem Auftrag der Neusiedler nachkommen und für die Gemeinde arbeiten. Ich hatte bei der Wahl 2012 auch einen erheblichen Anteil an Vorzugsstimmen.

Wäre für Sie ein politisches Amt abseits des Gemeinderats eine Option?
Sag niemals nie, aber derzeit mache ich die Arbeit im Landesschulrat voller Ambition.

Wenn es nach der Landtagswahl im Mai einen schwarzen Landeshauptmann gibt, könnte Ihre Arbeit hier enden?
Ich werde bis dahin mein Bestes geben. Aber ich fürchte dieses Szenario nicht, weil wir im Burgenland fähige Personen in der SPÖ haben.

Unabhängige Gerichte entscheiden

Die Direktorenkür am Gymnasium Oberschützen bleibt fünf Jahre nach der Ausschreibung und fast drei Jahre nach der Bestellung von Ingrid Weltler-Müller ein Fall für die Gerichte. Weltlers Mitbewerber Franz Stangl hat den Bundesverwaltungsgericht angerufen, das Verfahren läuft. Der neue LSR-Chef Heinz Josef Zitz will sich zum Verfahren nicht äußern, er kenne zwar die Beteiligten sehr gut, nicht aber die aktuelle Rechtslage und habe auf die Entscheidung auch keinen Einfluss. "Es gibt unabhängige Gerichte, die entscheiden". Für den im Bestellungsverfahren mit 303 zu 306 Punkten unterlegenen VP-nahen Stangl war einiges „nicht korrekt“, die SP-nahe Weltler sah sich im Hearing vorn. Das Kollegium des Landesschulrates (LSR) bestätigte mit SP-Mehrheit die Reihung, obwohl ÖVP, FPÖ und Grüne Verfahrensmängel orteten. Das Ministerium bestellte Weltler.
Was passiert, wenn das Bundesverwaltungsgericht Stangl Recht geben sollte? "Das ist zu entscheiden, wenn es das Urteil gibt", sagt Zitz. Ob es denkbar sei, dass Stangl dann Direktor werde? Das könne er juristisch nicht beurteilen, so der Präsident, aber Weltler-Müller sei ja schon ernannt, sie habe damit "auch ein Recht".

Auch in der zuletzt heftig umstrittenen Leitung mehrerer Pflichtschulen durch einen Direktor will der neue Präsident abwarten. Der Prozess sei vorerst abgeschlossen, an weitere Mitbetreuungen nicht gedacht. Man werde evaluieren, ob sich das neue System bewährt, aber "ein paar Jahre" müsse man die Mitbetreuungen schon wirken lassen.

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