Chronik | Burgenland
21.01.2018

"Die Guten heißen immer Jonny"

Jonny Wegleitner hat nach dem Tod seines Vaters vor sechs Jahren das Weingut völlig umgekrempelt.

"Seit dem Gymnasium bin ich der Jonny. Ich wollte eine Marke mitsamt einem neuen Design schaffen. So bin ich auf den Namen gekommen. Außerdem heißen die Guten in Filmen immer Jonny", sagt Jonny Wegleitner. Durch einen Schicksalsschlag hat der Apetloner 2011 den Weinbaubetrieb seine Eltern übernommen. "Mein Vater ist ganz plötzlich durch einen Herzinfarkt gestorben. Da stellte ich mir die Frage, entweder ganz aufzuhören oder etwas Neues zu probieren."

Lange habe er nicht überlegt. "Ich war schon als kleiner Bub immer im Weingarten, habe mitgearbeitet, den Eltern geholfen. Die ganze Arbeit, die in all den Jahren hin-eingesteckt wurde, einfach so aufzugeben, kam daher nicht in Frage", erzählt er.

Kleinbetrieb

Dabei hat Jonny Wegleitner beruflich eigentlich eine ganz andere Richtung eingeschlagen: "Nach der Tourismusschule habe ich im Tourismusbüro in Apetlon gearbeitet. Das ließ sich aber auf Dauer mit dem Weinbau nicht vereinbaren. Also habe ich den Job aufgegeben."

Daraufhin habe er sich umgeschaut, welche Berufe in Frage kommen würden, damit auch noch Zeit für das Winzerleben bleibt. "Weil viele Bekannte und Verwandte Lehrer sind, dachte ich schließlich, das wäre doch was." Gesagt, getan. Seit Abschluss der Ausbildung unterrichtet er nun EDV in der Handelsakademie in Mattersburg sowie in der Neuen Mittelschule in Gols. "Da ich nicht jeden Tag in der Schule bin, kann ich mir die Arbeit gut einteilen."

Um als kleiner unter den vielen großen in der Region bekannter zu werden, hat sich Jonny bei der Puls4-Sendung "Österreichs nächster Topwinzer" beworben und wurde prompt ausgewählt. "Die Entscheidung mitzumachen, war wegen des Bekanntheitsgrads. Zuerst wollte ich eigentlich nicht, aber dann dachte ich mir nur, dass ich mich ärgern würde, wenn ich mir die Sendung anschaue und denke, ’das kann ich auch’. Also habe ich mitgemacht." Und kam prompt beinahe ins Finale. "Das Feedback war durchwegs positiv. Plötzlich wollen Fremde meinen Wein probieren. Genau das war das Ziel", freut er sich.

Rot- und Süßweine

Der Schwerpunkt beim Wein liegt auf Rot- und Süßweinen. Diese würden charakteristisch für die Region sein. "Wir müssen das machen, das zum Seewinkel passt, mit der Region arbeiten." Der Großteil der Weißweintrauben wird daher für edelsüße Weine verwendet und nur im kleinen Maß trocken ausgebaut. Beim Rotwein wird der Zweigelt klassisch sowie ein Cuvée aus Zweigelt, Blaufränkisch und St. Laurent im Barrique ausgebaut. Insgesamt 15 verschiedene Sorten hat Jonny Wegleitner derzeit im Sortiment. "Langfristig würde ich sie gerne auf etwa fünf reduzieren."

Jonny setzt auf Qualität statt Quantität und will daher weiterhin "klein, aber fein" bleiben. "Es ist zwar schade, dass kleinen Winzern oft keine Chance gegeben wird, aber ich will meinen Zweigelt weiterhin so produzieren, dass die Qualität passt. Natürlich würde ich gerne größer werden, aber das Produkt steht immer im Vordergrund. Das muss passen", betont er.

Außerdem hat der 36-Jährige Familie: "Die gemeinsame Zeit mit meiner Frau und meinen Kindern ist so viel wert, die darf nicht zu kurz kommen. Der Sonntag ist mir heilig, der gehört der Familie. Denn wie man bei meinem Vater gesehen hat, kann das Leben schnell vorbei sein."