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Petition
10/18/2019

Deutschkreutz: Hitzige Debatte um Krematorium

Deutschkreutz.Initiative fordert eine Bürgerbefragung. Rückzug für Betreiber nur bei Kostenersatz denkbar

von Claudia Koglbauer-Schöll

Die Diskussion um den Bau eines geplanten Krematoriums in Deutschkreutz (Bezirk Oberpullendorf) geht in die nächste Runde. Die Bürgerinitiative Blaufränkischland fordert den Stopp des Baus der Halle am geplanten Standort und startet eine Petition. Der Betreiber der bayrischen Trauster GmbH, Robert Hartl, erklärt indes im KURIER-Gespräch, welche Möglichkeiten er für einen Rückzug sieht.

Gründe für Ablehnung

„Wir fordern die Durchführung einer Bürgerbefragung“, sagt der Sprecher der Initiative Johannes Berger. Die Gründe für die Ablehnung des Projektes seien vielfältig, ihre Bedenken will die Bürgerinitiative den Deutschkreutzern dieser Tage via Flugblatt mitteilen.

„War erst noch von 250 bis 600 Verbrennungen pro Jahr die Rede, sieht eine erste Ausbaustufe die Notwendigkeit für mind. 1.000 Einäscherungen jährlich vor“, heißt es. Der geplante 20 Meter hohe Schornstein sei ein „gravierender Einschnitt in die Kulturlandschaft“ und widerspreche dem Konzept des sanften Tourismus.

Die Vertreter der Initiative äußern auch gesundheitliche Bedenken: "Bei der Verbrennung werden durch Amalgamplomben, künstliche Gelenke oder Strahlenbehandlungen der Verstorbenen krebserregende Umweltgifte freigesetzt...."

Einspruch

In der Gemeinderatssitzung am kommenden Freitag soll der im Sommer erfolgte Baubescheid für das Projekt nach einer Beeinspruchung durch die Nachbargemeinde Horitschon noch einmal behandelt werden, sagt SPÖ-Gemeinderat Andreas Wiedeschitz.

Der Bescheid sei noch nicht rechtskräftig, deshalb sei im Gemeinderat – als Baubehörde zweiter Instanz – „zu klären, ob alle Auflagen eingebracht und erfüllt wurden“, heißt es von der SPÖ.

Rote und Türkise fordern nach wie vor eine Befragung der Bürger zu dem Thema. „Eine „Partizipation der Bürger betreffend Krematorium“ werde am Freitag ebenfalls Thema im Gemeinderat sein .

LBL-Bürgermeister Manfred Kölly zeigt sich verärgert. Alle Auflagen für den Bau seien erfüllt, sagt der Ortschef. „Was da von den Gegnern betrieben wird, ist eine Verhetzung der Bevölkerung.“

Am 3. November jedenfalls ist eine Bürgerversammlung anberaumt. Auch Projektbetreiber Hartl hat sein Kommen zugesichert. „Ich kenne ja die Umstände schon, war ich doch vor fünf Jahren (bei einem ersten Startversuch, Anm.) auch schon einmal hier“, sagt Hartl.

„Akzeptanz wird steigen“

2,5 Millionen Euro wolle man in die neue Einäscherungshalle investieren. Während des Winters solle die Ausschreibung erfolgen. „Nächstes Jahr wollen wir mit dem Bau beginnen.“ Die Bedenken der Bürgerinitiative könne er nicht nachvollziehen, sagt Hartl. „Es gibt eine Technologie, die verhindert, dass giftige Stoffe in die Luft gelangen.“

Die Gegner, meint er, werde man nie überzeugen können. Deshalb sei für ihn eine Bürgerbefragung nicht nur rechtlich nicht bindend. „Erfahrungsgemäß weiß ich, dass die Akzeptanz steigt, wenn der Betrieb einmal drei, vier Jahre läuft.“

Nur eine Möglichkeit

Für einen Rückzug sieht der Geschäftsführer nur eine Möglichkeit: „Und zwar, wenn uns die bisher entstandenen Kosten ersetzt würden.“ 50.000 Euro für das Grundstück und 100.000 Euro für die Verfahrens- und Planungskosten habe die Firma bereits berappt.

Dass Gemeinde bzw. Bürgerinitiative ihm die Kosten erstatten, hält er für unwahrscheinlich. „Ich sehe geringe Chancen, dass das zustande kommt.“

Man darf also weiterhin gespannt bleiben.