Chronik | Burgenland
15.12.2011

Burgenland: Grenzsoldaten ziehen ab

Das Bundesheer verlässt nach 21 Jahren die Grenzregion im Osten. am Donnerstag wurden im Burgenland die Koffer gepackt.

Kalt ist es Mittwochnacht, während die letzte Streife des II. Zuges der zweiten Kompanie des Jägerbataillons 24 aus Osttirol ein letztes Mal durch das Gemeindegebiet von Siegendorf im Burgenland marschiert. Trotzdem ist das Wetter für Wachtmeister Manuel Stauder, 28, und den 19-jährigen Rekruten Manuel Wurzenrainer „reiner Luxus" – die Gebirgsjäger sind Schlimmeres gewohnt. „Abgesehen davon, dass es der letzte Einsatz ist, ist es ein Dienst wie jeder andere", erklärt der Wachtmeister. „Wir schauen genau, so wie immer, und sind auch heute sicher nicht nachlässig", betont Rekrut Wurzenrainer.


Bis Mitternacht drehen die Soldaten ihre Runden. Der Einzige, bei dem die beiden Aufmerksamkeit erregen, ist ein kleiner Hund, der auf die nächtlichen Passanten mit lautem Gebell reagiert. Um Mitternacht beenden die Assistenzsoldaten ihren Streifzug und fahren zum Zugsgefechtsstand in Siegendorf zurück. Am Donnerstag heißt es dann packen, bevor die Tiroler am Freitag in die Heimat zurückfahren. Nach sechs Wochen Einsatz im Burgenland freuen sich Stauder und Wurzenrainer vor allem auf Familie und Freunde – und auf die Berge. „Als Abwechslung tut es gut, in der Ebene zu arbeiten, aber auf die Dauer? Nein, danke", sagt Stauder.

Galerie

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Soldaten des Jägerbataillons 24 am Donnerstag, 15. Dezember 2011, bei der Räumung des Zugsgefechtsstandes in Siegendorf. Nach 21 Jahren wird der Assistenzeinsatz des österreichischen Bundesheeres beendet.

Soldaten des Jägerbataillons 24 am Donnerstag, 15. Dezember 2011, vor dem Gebäude des Zugsgefechtsstandes in Siegendorf. Nach 21 Jahren wird der Assistenzeinsatz des österreichischen Bundesheeres beendet.

Soldaten des Jägerbataillons 24 am Donnerstag, 15. Dezember 2011, vor dem Gebäude des Zugsgefechtsstandes in Siegendorf. Nach 21 Jahren wird der Assistenzeinsatz des österreichischen Bundesheeres beendet.

Illustration zum Thema Bundesheer-Assistenzeinsatz. Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs hat die österreichisches Bundesregierung am 4. September 1990 den Assistenzeinsatzes des Bundesheeres an der Grenze beschlossen - für 10 Wochen. Geworden sind daraus

Ein Assistenzeinsatz-Soldat bei einem Kontrollposten am Donnerstag, 28. Mai 2009, in Loipersbach. Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs hat die österreichisches Bundesregierung am 4. September 1990 den Assistenzeinsatzes des Bundesheeres an der Grenze besc

Soldaten des Jägerbataillons 24 am Donnerstag, 15. Dezember 2011, bei der Räumung des Zugsgefechtsstandes in Siegendorf. Nach 21 Jahren wird der Assistenzeinsatz des österreichischen Bundesheeres beendet.

Ein Soldat des Jägerbataillons 24 am Donnerstag, 15. Dezember 2011, während der Räumung des Zugsgefechtsstandes in Siegendorf. Nach 21 Jahren wird der Assistenzeinsatz des österreichischen Bundesheeres beendet.

Soldaten des Jägerbataillons 24 am Donnerstag, 15. Dezember 2011, bei der Räumung des Zugsgefechtsstandes in Siegendorf. Nach 21 Jahren wird der Assistenzeinsatz des österreichischen Bundesheeres beendet.

grenzschutz im winter

Ein Soldat des Oesterreichischen Bundesheers kontrolliert die Grenze zur Slowakei.

Eine Soldatin während ihres Dienstes im Rahmen des Bundesheer-Assistenzeinsatzes am Montag, 22. März 2010, in Nickelsdorf im Burgenland. Im Hintergrund überwachen Polizisten die Straße.

Assistenzeinsatz-Soldaten während einer Kontrollfahrt am Donnerstag, 28. Mai 2009, in Loipersbach.

Illustration zum Thema Bundesheer-Assistenzeinsatz (undatiertes Archivbild). Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs hat die österreichisches Bundesregierung am 4. September 1990 den Assistenzeinsatz endgültig aus.

Illustration zum Thema Bundesheer-Assistenzeinsatz

Neuland

Als Oberstabswachtmeister Raimund Fröhlich aus Lienz in Osttirol am 4. September 1990 ins Burgenland zum Assistenzeinsatz kam, wusste er nicht so recht, was auf ihn und seine Kameraden zukommt: „Das war Neuland für jeden von uns." Heute, nach 21 Jahren, ist der vom Ministerrat ein ums andere Mal verlängerte Assistenzeinsatz ein Auslaufmodell. Vor allem seit dem Fall der Schengengrenze (Dezember 2007) sei es nicht mehr „so spannend" wie früher gewesen, sagt der Unteroffizier. Vor 2007 seien sie mit dem Dokumentieren der illegalen Grenzgänger nicht fertig geworden. „Kaum war das eine Formular ausgefüllt, haben wir mit dem nächsten begonnen." Insgesamt haben die Soldaten knapp 91.000 illegale Grenzgänger aus 111 Staaten aufgegriffen.

 

Ohne Schuss

Ein Schuss ist dabei nie gefallen. Das Magazin des Sturmgewehres StG 77 mit 30 Patronen blieb unbenützt. Dennoch kamen 50 Assistenzsoldaten im Einsatz ums Leben, 23 davon durch Selbstmord. Nicht immer war der 54-jährige Tiroler Fröhlich motiviert, in der pannonischen Tiefebene seine Zelte aufzuschlagen. Vor allem damals nicht, als seine Frau hochschwanger in Lienz saß. Seine Ehe hat bis heute gehalten – anders als bei etlichen Kameraden. Es wurden aber auch Ehen geschlossen. Ja, einige Jungmänner sind gar im Burgenland geblieben. Wie viele „Kuckuckskinder" es entlang der österreichisch-ungarischen Grenze gebe, das kann Oberstabswachtmeister Fröhlich „punktgenau" nicht sagen: „Aber wenige sind es bestimmt nicht." "Wirklich was los" sei hier in Siegendorf nicht gewesen. „Die Bevölkerung", sagt der 20-jährige Eduard Hörschläger aus Tirol, „war sehr freundlich und dankbar, weil sie meint, dass wir für ihre Sicherheit sorgen." Ob er wieder einmal ins Burgenland kommt? „Als Soldat mit Sicherheit nicht." Er rüstet Ende Dezember ab.