Burg Lockenhaus: Flugzone für Jäger der Nacht

Die größte Kolonie Wimperfledermäuse Mitteleuropas ist im Mittelburgenland heimisch. Ein Projekt schützt die Tiere.

Österreich ist führend in Mitteleuropa. Wie oft kommt das denn bitte vor? Ok, die Ski-Kaiser werden jetzt murren. Aber in diesem Falle sorgen unscheinbare Gesellen, weil tagsüber gut in dunklen Nischen verborgen und nur des Nächtens unterwegs, für die Spitzenposition. Die Wimperfledermaus, lateinisch auf den klingenden Namen "Myotis emarginatus" hörend, bewohnt auf Burg Lockenhaus die größte Kolonie Mitteleuropas. Durch ein natur-touristisches Projekt soll das historische Mauerwerk zum Zentrum der Flugsäuger werden, ebenso der Schutz auf Dauer gewährleistet sein.

"Die Kolonie ist ein Juwel, etwas ganz Besonderes. Seit 1998 beobachten wir sie", betont Friederike Spitzenberger, Präsidentin von BatLife Österreich im KURIER-Gespräch. Am Dachboden der Burg versammeln sich in den Sommermonaten bis zu 1200 Weibchen, dort verbringen sie die ganze Trächtigkeit und ziehen ihre Jungen groß.

Zwei Besonderheiten kennzeichnen den mittelgroßen, rund sieben Gramm schweren Säuger: Zum einen frisst er neben der üblichen Insekten auch Spinnen, zum anderen hängt nicht jedes Exemplar für sich alleine von der Decke, sondern in mehreren Schichten übereinander. "Wir erforschen gerade, welche Tiere das Privileg genießen, innen sein zu dürfen. Denn dort ist es natürlich wärmer", berichtet Spitzenberger. Rund um den Burgsee und im nahen Naturpark liegt das Jagdrevier, die Flug­manöver können in der Dämmerung beobachtet werden. Dies wird auch Teil der künftigen Projekt-Initiative sein. "Wir werden Nachtexkursionen anbieten und mit Ultraschalldetektoren arbeiten, damit man die Tiere hören kann", schildert die Expertin.

Zudem wird ab 17. Juni die Dauerausstellung "Fledermaus in Lockenhaus" ihre Pforten öffnen, Live-Bilder vom Dachboden werden übertragen, Priorität genießen erlebnispädagogische Elemente. "Es wird auch einen dunklen Raum geben, nur mit Mondschein erhellt, in dem der Eindruck entsteht, dass Fledermäuse über einem jagen", erzählt Spitzenberger. "Es wird zwar finster sein, aber nicht ekelig, sondern auf romantische Weise." Die Akzeptanz erhöhen und Berührungsängste abbauen, will auch Christian Vlasich, Bürgermeister von Lockenhaus: "Daher werden wir sehr eng mit Schulen kooperieren." Die Gemeinde werde touristisch profitieren, die Frequenz im Ort erhöht. Die Burg könne sich über mehr Besucher freuen, der Naturpark werde aufgewertet, ist der SP-Politiker überzeugt: "Die Fledermaus ist absolut schützenswert."

( Kurier ) Erstellt am 02.04.2012