Chronik | Burgenland
02.02.2018

Bürgerinitiativen und Experten sehen Schutzgebiet in Gefahr

Durch den Bauboom könnte das Gebiet bald auf der Liste der gefährdeten Feuchtgebiete stehen.

"Das Ramsar-Gebiet ist gefährdet, wenn im Schilfgürtel weitere Umwidmungen, Anschüttungen, Baumaßnahmen sowie Bodenversiegelungen zugelassen werden. Der Neusiedler See läuft damit Gefahr, dass ihm der Status eines Weltfeuchtgebietes aberkannt wird", sagt Wolfgang Pelikan, Vorsitzender des Nationalen Komitees zum Schutz der Feuchtgebiete in Österreich, in einem Pressegesprächs anlässlich des "World Wetlands Day 2018" – dem Weltfeuchtgebietstag – der heute, Freitag stattfindet.

Nochmals zur Erinnerung: Seit 2001 ist die einzigartige Kulturlandschaft "von außergewöhnlichem, universellen Wert" in der UNESCO-Welterbeliste angeführt. Interessenskonflikte wie etwa in Wien oder in der Wachau in Niederösterreich gab es bisher hier jedoch nie.

Aberkennung

Das ist seit Bekanntwerden von, hauptsächlich luxuriösen, Baupläne anders. Wie der KURIER bereits mehrmals berichtete, sind Projekte in Oggau, Breitenbrunn, Jois, Neusiedl, Weiden und bis nach Illmitz geplant. Die Bagger sind zum Teil schon aufgefahren, eine teilweise Verbauung des Neusiedler Sees und damit des Schilfgürtels nimmt langsam aber sicher konkrete Formen an.

Doch auf dem Spiel stehe nicht nur der Verlust des UNESCO-Weltkulturerbes, sondern auch die Aberkennung als Ramsar-Gebiet – ein Feuchtgebiet von internationaler Bedeutung. Derzeit gibt es in Österreich 23 Ramsar-Feuchtgebiete, weltweit rund 2200.

Bevor ein Ramsar-Gebiet den Platz auf der "Liste der international bedeutsamen Feuchtgebiete" verliert, wird es auf eine Liste gefährdeter Gebiete gesetzt. In dieser Phase sind dann Experten am Wort, um den Zustand des Welt-Feuchtgebietes und die Chancen zur Wiederherstellung des ursprünglichen Charakters zu prüfen.

Privatisierung

"Der See wird zunehmend privatisiert. Es handelt sich hier um Luxusobjekte mit einer Wohnfläche von bis zu 190 Quadratmeter mit dazugehörigem Parkplatz vor der Tür und eigenem Seezugang", sagt Rudi Golubich. Der Neusiedler ist Obmann des Vereins "Freunde des Neusiedler Sees". Gemeinsam mit der Weidener Bürgerinitiative "Das ist unser See" kämpft der Verein seit Monaten gegen die Verbauung und für den Erhalt des Steppensees als UNESCO-Welterbe. "Der Neusiedler See soll nicht zu einer Oase der Privilegierten werden. Investitionen sind okay, aber nicht direkt im Schilf", sagt die Weidenerin Doris Riedl von der Bürgerinitiative.

Im vergangenen Jahr wurde Christian Schuhböck, gerichtlich zertifizierter Sachverständiger für Naturschutz und Welterbe, der unterem anderem auch am Kampf gegen den Semmering-Basistunnel beteiligt war, mit der Erstellung einer Dokumentation beauftragt. Das rund 200-seitigen Werk wurde bereits an den "Internationalen Rat für Denkmalpflege" (ICOMOS) übergeben. Eine Antwort ist noch ausständig.