Chronik | Burgenland
04.04.2017

Blauer Probegalopp an die Grenze

FPÖ will 20 Pferde samt Reiter in den Assistenzeinsatz schicken / Ministerien und SPÖ winken ab.

Die FPÖ ist aufs Pferd gekommen: 20 Rösser samt Reiter wollen FPÖ-Landeshauptmann-Vize Hans Tschürtz und Sicherheitssprecher Manfred Haidinger so schnell wie möglich zur Grenzsicherung in Marsch setzen. "Ein Flüchtlingsansturm sei jederzeit wieder möglich", glauben die Freiheitlichen, darauf müsse man vorbereitet sein. Denn "das 15er-Jahr war ein Desaster", erinnert Bundesheer-Gewerkschaftspräsident Haidinger an den Herbst 2015, als knapp 300.000 Flüchtlinge übers Burgenland eingereist sind, viele ohne Registrierung.

Was eine kleine berittene Einheit dagegen ausrichten soll? Pferde würden auch dort hinkommen, wo es für Fahrzeuge kein Weiterkommen gebe und durch die höhere Position lasse sich das Umfeld besser überblicken, führte Tschürtz ins Treffen.

"Beruhigend"

Und: Durch die "beeindruckende Größe" der Tiere würden sich die Grenzschützer nicht nur Respekt verschaffen, Pferde hätten auf Menschenmassen auch "beruhigende" Wirkung. 100.000 Euro würde der laufende Betrieb kosten. Polizei und Heer sollten sich die Aufgabe teilen, regen die FPÖ-Politiker an, die sich ihrerseits von der blauen Polizeigewerkschaft AUF anregen ließen – von dort kommt der Vorschlag für den Reitertrupp.

Während das Heer am Stützpunkt Hochfilzen über ein "Tragtierzentrum" verfügt, setzt man bei der Polizei seit 1950 nicht mehr aufs Pferd. Dennoch glaubt Haidinger an die rasche Umsetzbarkeit. Das politische Einverständnis vorausgesetzt, könne man binnen 14 Tagen zumindest "zwei oder drei Patrouillen" vom Tiroler Truppenübungsplatz Hochfilzen ins Burgenland bringen.

Bei der Polizei sei die Ausbildung in "vier bis sechs Wochen" machbar. Apropos machbar: Da hatte Tschürtz eine böse Vorahnung: Wenn Innen- und Verteidigungsminister gegen den Vorstoß seien, dann werde nichts daraus, meinte er am Montag im Landhaus sinngemäß.

Absage

Ein KURIER-Anruf in den Ministerien bringt Gewissheit: Beide Ressorts verschwenden keinen Gedanken ans Aufsatteln. Die "Topografie des Burgenlandes" schreie nicht nach dem Einsatz von Pferden. Zudem sei die Logistik für berittenen Grenzschutz so teuer, dass Aufwand und Nutzen in keiner Relation stünden. Und – nicht unwesentlich: Pferde seien nur bei Tag einsetzbar, die Aufgriffe von illegal eingereisten Flüchtlingen (durchschnittlich 70 pro Woche) passieren aber meist in der Nacht. Rund 400 Polizisten und 480 Soldaten sind dafür im Einsatz – ohne Pferde, aber mit Nachtsichtgeräten und anderen Hilfsmitteln.

Skeptisch ist auch der rote Koalitionspartner: Man vertraue "zu 100 Prozent den Einschätzungen und Maßnahmen des Innenministers und des Verteidigungsministers", hieß es aus dem Büro von Landeshauptmann Hans Niessl.