Chronik | Burgenland
06.10.2012

Bahn-Aus als Silvester-Kracher

Oberwart-Friedberg: Mit 31. Dezember soll der letzte Güterzug rollen, so wünscht es sich die ÖBB. Die Suche nach einem privaten Betreiber läuft.

Das Licht am Ende des Tunnels wird schwächer, aber es flackert noch. Der Personenverkehr kam schon vor längerer Zeit zum Erliegen, nun droht auch dem Gütertransport auf der Bahnstrecke Oberwart-Friedberg das Aus. Mit 31. Dezember soll dieses vonstatten gehen, die ÖBB-Tochter Rail Cargo Austria ( RCA) faste jüngst einen derartigen Vorstandsbeschluss.

Doch noch ist die letzte Weiche nicht gestellt. "Wir haben sofort nach Bekanntwerden Anfragen an private Betreiber gestellt", erklärt Heimo Portschy von Stahlbau Unger im KURIER-Gespräch. Das weltweit tätige Unternehmen aus Oberwart bringt jährlich 10.000 Tonnen an Gütern auf die Schiene. "Es könnte sich kurzfristig ergeben, dass der Betrieb weitergeführt wird, Interessenten sind vorhanden." Die genauen Bedingungen müssten aber erst verhandelt werden.

Insgesamt seien es 130.000 Tonnen die jährlich über den Bedienast Oberwart-Friedberg rangiert werden, vor allem Holzbetriebe der Region würden die Bahn in Anspruch nehmen.

"Wir engagieren uns, weil der Transport wirtschaftlicher ist. Unsere Produkte sind zudem sehr lang, beim Lkw müssten wir für Waren über 13,60 Meter Länge einen Aufpreis bezahlen", erläutert Portschy. "Ich bin optimistisch, dass ein privater Betreiber gefunden wird."

Untätig

Darauf hofft auch Dietrich Wertz von der Initiative "Pro Bahn": "Für uns ist die Einstellung keine Überraschung. Die ÖBB hat schon einige Kunden vergrault, Betriebe sind abgesiedelt." Wertz nimmt vor allem die lokale Politik ins Visier: "Die SP-Bürgermeister der Region sind untätig geblieben. Sie hätten in Eisenstadt auf den Tisch hauen müssen." Während sich das Land Steiermark für seine Unternehmen bei den ÖBB engagiere, würden die heimischen Politiker weiter in der Pendeluhr schlafen, betont Wertz.  "Mal schauen, wie sich die Situation nach der Wahl darstellt."

Von den ÖBB heißt es in einer Aussendung knapp: "Wir evaluieren derzeit den Kostendeckungsgrad der einzelnen Verladestellen im gesamten RCA-Netz. Natürlich müssen wir wirtschaftlich agieren und uns Weiterentwicklungsoptionen sichern."