Menschenunwürdige Flüchtlingsunterkunft in Pama: Kaputte Möbel ...

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Missstände
10/30/2014

Asylquartier: "Wir werden wie Tiere behandelt"

Im burgenländischen Pama spottet ein Asylwerber-Quartier jeder Beschreibung. Die Politik schaute ein Jahr lang weg.

von Michael Berger

Dass es in Österreich noch immer skrupellose Geschäftemacher bei Herbergen für Flüchtlinge gibt, beweist die burgenländische Gemeinde Pama im Bezirk Neusiedl am See. In der 1100-Seelen-Ortschaft liegt das Wirtshaus Bartolich. Oberhalb der Gaststube fristen 17 Asylwerber aus Afghanistan ihr Dasein. Schon vor etwa einem Jahr zeigten Medien die menschenunwürdigen Missstände in dem – vom Land finanzierten – Elendsquartier auf: Schimmel an den Wänden, rationierter Strom, kaputte Möbel, regelmäßig ausfallende Wasser- und Heizungsversorgung.

Zudem hängte Vermieter Otto K. Warntafeln auf. Darauf droht er mit Verlegung in andere Quartiere, sollte gegen die Hausordnung verstoßen werden. Die untergebrachten Afghanen fühlten sich "wie Tiere behandelt".

Die Landesregierung reagierte damals nicht. Vor wenigen Wochen, also etwa ein Jahr nach Bekanntwerden der Missstände, rückten wieder Kamerateams von ServusTV und Dossier in dem Elendsquartier an. Vermieter Otto K. führte die Besucher durch das Quartier. Bei der unangemeldeten Begehung war auch Peter Tappler, Gerichtssachverständiger und Chef des Bundesverbands für Schimmel-Sanierung, dabei. Tapplers Urteil fällt vernichtend aus: Die schimmeligen Wände waren nur oberflächlich übermalt worden: "So stellt man sich einen Raum für Menschen nicht vor. Die Ursache des Schimmels, das kaputte Bad, wurde nicht beseitigt. Für die Gesundheit der Bewohner ist diese Lösung sehr gefährlich." Vor allem, wenn man weiß, dass einige der Betten direkt an der Wand mit den unübersehbaren Schimmel-Flecken stehen.

Vermieter: "Behörden informiert"

Vermieter Otto K. erklärte Journalisten, dass das Land von den Zuständen informiert sei: "Die Schilder sind keine Drohung. Wenn es Asylwerber gibt, die aus dem Rahmen fallen, dann kommen sie weg. Das Land weiß auch von den Strom-Rationierungen in der Küche."

Wie schätzt Pamas Bürgermeister Josef Wetzelhofer die Lage ein? "Wenn Otto K. weiter Scherereien hat, wird er das Asyl-Quartier bald aufgeben. Und betreffend der Probleme muss man beide Seiten sehen. Nicht jeder Asylwerber passt auf die Unterkunft auf." Nachsatz: "Im Ort kommen wir mit den Flüchtlingen gut aus. Ich öffne für die Männer sogar die Turnhalle, damit sie Fußball spielen können. Die jetzt da sind, sind freundliche Burschen."

Landesrat Peter Rezar weiß von dem Schandfleck: "Als wir von den Beschwerden erfahren haben, wurde geprüft." Dass die Überprüfung oberflächlich war, zeigen die übermalten Wände. Rezar verweist auch auf die neu beschlossenen Mindeststandards bei Asylwerber-Quartieren: "Wir stehen zurzeit mit 20 neuen Interessenten in Verhandlungen."

Servus TV zeigt am Donnerstag ab 21.15 Uhr die Reportage "Das Asyl-Rätsel – Wohin mit den Flüchtlingen?"

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