Chronik | Burgenland
13.03.2016

"Als Frau hatte ich nie ein Problem"

Judith Beck ist vor 15 Jahren in eine Männerdomäne eingetreten / Heute zählt sie zu den Top-Winzerinnen.

Als "Winzerin mit Eigensinn und einem gesunden Maß an Sturheit" beschreibt sich Judith Beck. Diese Eigenschaften braucht es wahrscheinlich auch, um sich in einer von Männern dominierten Arbeitswelt durchzusetzen. "Nein, das war eigentlich nie ein Thema. Ich bin von Anfang als Winzerin ernst genommen worden", sagt die Golserin.

Rund 460 professionelle Winzerinnen gibt es in Österreich. In etwa fünf Mal so viele Betriebe werden von Männern geführt. "Das war nie ein Thema. Ich wurde immer auf Augenhöhe behandelt." Schwierig sei es für sie erst, seit sie Mutter ist. "Das aber auch nicht aufgrund meiner Kollegen, sondern weil ich den Anspruch habe, eine tolle Mutter und gleichzeitig eine erfolgreiche Winzerin zu sein", erklärt sie. "Natürlich kümmert sich mein Mann um die Kinder und wir teilen uns den Haushalt. Aber es ist einfach ein Unterschied, ob der Vater oder die Mutter zuhause bei den Kindern sind", sagt die zweifache Mutter.

Der Anfang ihrer Winzerkarriere war im Jahr 2000, als sie das Weingut von ihren Eltern übernommen hat. Dass sie diesen Schritt einmal machen würde, war jedoch lange Zeit nicht klar. "Ich habe zwar immer mitgeholfen, aber ich wollte nie Winzerin werden. Nach der Matura wollte ich eigentlich studieren. Habe auch mit Publizistik und Germanistik begonnen", erzählt sie. Doch damit war schnell wieder Schluss. "Die Uni war nicht meins." Also ab in die Weinbauschule nach Klosterneuburg, wo sie schließlich ihren Abschluss machte.

Das war vor 15 Jahren. Seit ihren Anfängen engagiert sich Judith Beck in der Winzerinnen-Vereinigung "11 Frauen und ihre Weine" – ein Zusammenschluss von elf Winzerinnen aus Wien, Niederösterreich und dem Burgenland. Die Philosophie: Frauen haben Männern nichts voraus, aber der Wein von Frauen schmeckt anders.

Qualität ist alles

Dass sie jemals etwas anderes machen wollte, kann sich die 38-Jährige heute nicht mehr vorstellen. "Ich bin leidenschaftliche Winzerin. Der Beruf ist so vielseitig. In keinem anderen Bereich kann man ein Produkt vom Ursprung bis zum Kunden so begleiten." Außerdem sei auch keine Flasche wie die andere. "Die Karten werden jedes Jahr neu gemischt und selbst in der Flasche ist der Wein nicht tot, sondern entwickelt sich weiter", erklärt sie.

Insgesamt 15 Hektar werden von Beck bewirtschaftet, sechs weitere Hektar an Trauben zugekauft.

Seit 2007 setzt Beck auf bio. "Natürlich gibt es sehr viele Auflagen und Richtlinien, aber die Umstellung war eigentlich ganz leicht. Die Bürokratie ist das, was am meisten Zeit kostet", sagt Beck. Das Ziel sei es gewesen, die Qualität zu steigern. "Bio soll kein Kaufargument sein. Es zählt, was im Glas ist", betont sie. Und das kommt auch außerhalb Österreichs gut an. Hauptexportländer seien Frankreich, England, die Schweiz, Belgien, Holland, Deutschland und die USA.

Der Erfolg gibt der laut Eigendefinition "leidenschaftlichen Rotweinwinzerin" recht. So wurden ihre Weine bereits mehrfach ausgezeichnet. Zuletzt 2015, als Beck die Trophée Gourmet des Magazins "A la Carte" gewinnen konnte – eine begehrte Auszeichnung für Winzer und Gastronomen.