Chronik | Burgenland
04.04.2017

Ablöse von Schnedl immer mysteriöser

Eisenstadt. Auch Krages-Jurist entlassen / Verfassungsschützer in Zentrale, Schloss ausgetauscht.

Auch am Tag nach der vorzeitigen Ablöse von Krages-Geschäftsführer René Schnedl liegen die Umstände im Dunkeln – sie werden sogar immer undurchsichtiger. Er wisse immer noch nicht, was ihm vorgeworfen werde, rätselte Schnedl am Dienstag.
Aus dem Büro von Landeshauptmann Hans Niessl (SPÖ) war nur zu erfahren, dass die per Regierungsbeschluss in die Krages geschickten Anwälte und Wirtschaftsprüfer aufgrund der Sachlage eine klare Empfehlung abgegeben hätten. Das Land habe auf dieser Grundlage sofort handeln müssen.

Am Montag hatte man per Aussendung die fristlose Entlassung des Chefs der landeseigenen Krankenanstaltengesellschaft verkündet und gleich zwei Wiener Anwälte zum Zweitwohnsitz in Gloggnitz geschickt, um das Dienstauto zu kassieren (der KURIER hat berichtet). Der zufällig anwesende Krages-Jurist Yalcin Duran – er hatte dem erkrankten Schnedl Dienstpost gebracht – stoppte beide an der Gartentür und machte sie darauf aufmerksam, dass sie „keine Exekutivgewalt“ hätten. Einer der beiden habe ihn beiseite geschubst, ehe der zweite Anwalt kalmierend eingriff. Im Zuge der verbalen Auseinandersetzung habe man Duran auch gleich für entlassen erklärt. Als die von Schnedl gerufene Polizei eintraf, hätten die Wiener Anwälte das Grundstück schon wieder verlassen. Ihnen drohen Anzeigen wegen Hausfriedensbruch und Besitzstörung.

Security

Duran konnte sich am Dienstag nur im Beisein von Security seine persönlichen Sachen aus der Eisenstädter Krages-Zentrale holen, das Schloss an der Eingangstür wurde mittlerweile ausgetauscht. Am Montag waren sogar Verfassungsschützer in der Krages. Warum? Bis dato gibt‘s auch darauf keine Antwort.

Duran glaubt, der Stab über ihn sei schon vor zwei Wochen gebrochen worden. Der aus dem Niessl-Büro in die Krages geschickte Georg Funovits habe auf die Erteilung der Prokura gedrängt. Duran: „Ich habe ihm gesagt, dafür ist ein Beschluss des Aufsichtsrates nötig“. Seines Wissens nach habe Funovits auch noch keinen Anstellungsvertrag.

Einig ist man sich auf beiden Seiten, dass es „tausendprozentig“ zu einem Arbeitsrechtskonflikt vor Gericht kommen wird. Schnedls Vertrag wäre bis Mitte 2019 gelaufen. Bekanntlich sind auch die mehrere hunderttausend Euro schweren Klagen der Ex-Vorstände von Bewag und Energie Burgenland gegen das Land noch offen...

Ärztekammer

Indes macht sich die Ärztekammer Gedanken über die Nachfolge. In der Krages-Geschäftsführung sollten nicht nur Ökonomen das Sagen haben, deponiert Ärztepräsident Michael Lang. Er wünscht sich einen Mediziner oder eine Medizinerin mit ökonomischer Expertise – "das wäre das Nonplusultra" – oder zwei gleichberechtigte Chefs. Bestimmte Personen habe er nicht im Auge.