Chronik | Burgenland
21.07.2017

75 Seiten gegen fristlose Entlassung

Anwältin des geschassten Ex-Chefs René Schnedl weist die Vorwürfe des Landes im Detail zurück.

Die Krages-Affäre kennt keine Sommerpause: Nachdem René Schnedl, Anfang April fristlos entlassener Ex-Geschäftsführer der landeseigenen Krankenanstaltengesellschaft, in der Vorwoche auf einem gerichtlichen Nebenschauplatz ("Besitzstörungsklage") einen Etappensieg gegen das Land errungen hat, geht es nun auf dem Hauptschauplatz weiter. Wie berichtet, bekämpfen Schnedl und der ebenfalls geschasste Ex-Krages-Jurist Yalcin Duran ihre Entlassung und haben den früheren Arbeitgeber beim Arbeits- und Sozialgericht Wiener Neustadt geklagt. Eine erste Verhandlung fand Ende Juni statt.

Detailreich

SPÖ-Gesundheitslandesrat und Krages-Aufsichtsratschef Norbert Darabos hatte vier Gründe für Schnedls Rauswurf genannt. In einer 75-seitigen Replik geht Schnedl-Anwältin Gerda Mahler-Hutter darauf ein.

Ein Vorwurf: Schnedl habe "ohne Legitimation an sich selbst Prämien ausbezahlt" und es habe "keine schriftliche Vereinbarung zu Zielen" gegeben. Konter: In Aufsichtsratssitzungen, an denen auch Darabos und ein Spitzenbeamter des Landes als Chef des Prüfungsausschusses teilnahmen, "wurden der Geschäftsführung Maßnahmen aufgetragen" (meist Kostendämpfung) und diese Zielvorgaben "als Voraussetzung für den variablen Gehaltsbestandteil sind zur Gänze erfüllt worden".

Moniert wurden auch "Urlaubsaufstellungen". In der Replik heißt es, dass Schnedls Fünfjahresvertrag am 1. Juli 2014 startete, "aufgrund einer Vereinbarung" mit Darabos-Vorgänger Peter Rezar ( SPÖ) sei er schon seit Mitte März 2014 für die Krages tätig gewesen. Dafür gab es nur Reisekosten und eine "Urlaubskompensation" von 98 Arbeitstagen. Von dieser "internen Vereinbarung" hätten neben Rezar und Darabos auch der frühere Krages-Personal- und der Finanzdirektor gewusst.

Zurückgewiesen werden auch Vorwürfe, Duran hätte einen Supervertrag erhalten und Schnedl die vom Land angeordnete Sonderprüfung behindert. Andere Krages-Abteilungsleiter hätten "exorbitant mehr" verdient als Duran und die Sonderprüfung sei "rechtswidrig" gewesen und habe nur dem vor allem von Landeshauptmann Hans Niessl forcierten Zweck gedient, "Schnedl aus dem Unternehmen zu entfernen".

In der Replik "werden Tatsachen verdreht, falsch dargestellt und wesentliche Fakten weggelassen", entgegnet die Krages. Vor Gericht geht es am 18. September weiter.