Chronik | Burgenland
06.07.2017

71 Tote: Angeklagter belastet Komplizen

Kecskemét. Bulgare Metodi G. schiebt Bandenboss und Fahrer Schuld am Tod der Flüchtlinge zu.

Am Donnerstag ist im südungarischen Kecskemét der Prozess gegen jene Schlepperbande fortgesetzt worden, die für den Erstickungstod von 71 Flüchtlingen verantwortlich sein soll. Wie berichtet, war der Kühl-Lkw mit den Leichen im August 2015 auf der Ostautobahn (A4) bei Parndorf entdeckt worden. Vier Männer sind wegen qualifizierten Mordes angeklagt. Bei seiner Einvernahme am Donnerstag hat sich der Zweitangeklagte, der Bulgare Metodi G., sehr gesprächig gezeigt. Er hat drei seiner mutmaßlichen Komplizen schwer belastet.

Ein Grinsen hat der mutmaßliche Bandenchef, der 30-jährige Afghane Samsoor L., auch weiterhin auf den Lippen. Auch als der Zweitangeklagte schwere Anschuldigungen gegen ihn und zwei weitere Beschuldigte erhebt. Er, Samsoor L., soll laut dem Zweitangeklagten Befehle und Anweisungen auch in Bezug auf die Todesfahrt erteilt haben, berichtet ein Prozessteilnehmer.

"Auch der Fahrer des Kühl-Lkw hätte ruhig stehen bleiben können", sagt Metodi G. Wie berichtet, hatte der Fahrer des Transporters, der 26-jährige Bulgare Ivajlo S., erklärt, dass der Erst- sowie der Zweitangeklagte ihm mehrmals verboten hätten, den Lkw zu stoppen.

"Ich durfte nicht anhalten, ich musste sogar in der Lkw-Fahrerkabine urinieren", legte der Fahrer in seiner Aussage dar. Metodi G. versucht, diese Aussagen zu entkräften: "Ich habe ihm (dem Fahrer, Anm.) immer gesagt ’bleib stehen’", versucht sich G. zu rechtfertigen.

Der Prozess wird von 22. bis 24. August fortgesetzt. Da sollen die Aussagen von 183 Zeugenaussagen von Richter Janos Jádi verlesen werden.