Chronik | Burgenland
05.12.2011

55-Jähriger züchtete Cannabis im Garten

Ein Nordburgenländer soll über zehn Jahre rund 70 Kilo Cannabis angebaut und an einen 34-Jährigen verkauft haben.

Die Cannabispflanzen zog er über zehn Jahre unbehelligt in seinem Garten. Drei Kilo "getrocknetes Kraut" soll er pro Jahr geerntet haben. Als Bundesheersoldaten die Pflanzen vor einigen Wochen im Garten entdeckten, klickten für den 55-jährigen Nordburgenländer die Handschellen. Während der Mann in U-Haft saß, stellte die Polizei weitere 135 Pflanzen (40 Kilo Kraut in getrocknetem Zustand) sicher. "Diese Mengen könnte man gar nicht alleine konsumieren. Das war ein gewerbsmäßiger Betrieb in großem Stil", sagte ein Polizist.

Am Freitag musste sich der 55-Jährige wegen Suchtgifthandels am Landesgericht Eisenstadt verantworten. Mit auf der Anklagebank saß ein 34-jähriger Mann aus dem Nordburgenland. Ihm wurde von der Staatsanwaltschaft vorgeworfen, die jeweils gesamte jährliche Ernte von der Cannabis-Plantage des 55-Jährigen über mehrere Jahre hinweg gekauft und an andere weitergegeben zu haben.

Grüner Daumen

"Sie müssen ja einen grünen Daumen haben, die Pflanzen sind offensichtlich gut gewachsen", sagte die Vorsitzende des Schöffensenates, Richterin Birgit Falb. "Ja, ich war ja hauptberuflich Gärtner. Jetzt ist das Gärtnern noch immer mein Hobby", erklärte der Angeklagte. Er zeigte sich auch geständig. "Meine Kenntnisse über das Ziehen der Pflanzen habe ich aus einem Buch. Mein Vater war krank und ich wollte ihm damit schmerzstillende Tees zubereiten", sagt der 55-Jährige. Doch dann habe er den 34-jährigen Zweitangeklagten kennengelernt. "Ich habe gewusst, dass er so etwas raucht. Da sind wir ins Gespräch gekommen." Zumindest seit 2003 soll dieser Cannabis - zum Preis von 2,50 Euro pro Gramm - von der Plantage des 55-Jährigen gekauft haben. "Er hat sich immer so zwischen zehn bis 30 Deka von mir geholt."

Der 34-Jährige bricht während der Verhandlung in Tränen aus. "Das stimmt alles nicht. Ich habe zwar gekifft. Das Zeug habe ich aber nie von ihm gekauft", sagt der 34-Jährige. Er habe psychische Probleme, da er eine Zeit lang Felgenreiniger getrunken habe und dadurch auch schon ins Koma gefallen sei.

Für die Polizei klingen die Aussagen des 34-Jährigen "nicht unglaubwürdig". Er sei zwar wegen des - erlaubten - Konsums von Felgenreiniger amtsbekannt, dass er mit Drogen gedealt hätte, sei nicht bekannt, so der Kriminalbeamte vor Gericht.
Der Prozess wurde vertagt. Richterin Birgit Falb will noch weiterer Zeugen - darunter die Eltern des 55-Jährigen - hören.