Chronik | Burgenland
09.11.2017

45.000 in der Armutsfalle

Caritas greift Betroffenen beratend und mit Sachspenden unter die Arme.

Die ersten Christkindlmärkte werden bereits eröffnet. Während für den Großteil der Menschen die Zeit rund um Weihnachten zu den schönsten im Jahr gehört, steht nun einem Teil der Bevölkerung eine sehr schwierige bevor. Nämlich jenen, die sich keine Geschenke leisten können. Für rund 13.000 Kinder im Burgenland wird das Weihnachtsfest ohne Geschenke, Festessen und Weihnachtsbaum stattfinden. Laut Caritas sind im Burgenland rund 45.000 Menschen armutsgefährdet. Betroffen sind vor allem alleinerziehende Mütter, Langzeitarbeitslose und Familien mit drei oder mehr Kindern.

"Viele trifft Armut wie ein Blitzschlag: Man verliert den Job, gerät mit den Rückzahlungen für den Wohnbau-Kredit in Verzug, eine Krankheit oder ein Unfall wirft einen aus der Bahn", bringt es Caritas Direktorin Edith Pinter auf den Punkt.

Leidensdruck

Rund 700 Burgenländer suchen jedes Jahr Hilfe bei der Caritas. Dabei ist die Hemmschwelle groß. "Die Fassade der sicheren Existenz wird so lange wie möglich aufrecht gehalten. Die Betroffenen nehmen oft viel Mühe auf sich, damit Nachbarn, Verwandte und Bekannte nicht merken, wie schlecht es ihnen eigentlich geht", schildert Pinter.

Rund 2200 Beratungsgespräche werden von den Sozialberatern der Caritas jährlich geführt. Judith Bammer ist eine von ihnen. "Zu uns in die Nothilfe kommen Menschen erst dann, wenn der Leidensdruck sehr hoch ist. Keiner gibt gerne ein ‚Scheitern‘ zu", schildert sie ihre Erfahrungen. Die Klienten der Caritas haben weniger als 7,50 Euro für alle Ausgaben des täglichen Lebens zur Verfügung. Rund 40 Prozent ihres Haushaltseinkommens gehen allein für den Bereich Wohnen auf. "Mit Schrecken stellen wir fest, dass immer mehr Menschen ihre Miete nicht mehr zahlen können und in Gefahr laufen, samt ihren Kindern auf der Straße zu stehen", stellt Caritas Direktorin Edith Pinter fest. Um dies zu verhindern, hat die Caritas einen zinsenfreien Delogierungsfonds für Betroffene eingerichtet.

Liegt eine Delogierung bereits vor, können sich Bezieher der Nothilfe in den Carla Shops der Caritas gratis warme Kleidung, Haushaltsartikel, Kinderbedarf und Möbel beziehen.

Spendensammlung am 19. November

Am "Welttag der Armen", am 19. November, wird in allen katholischen Pfarren der Diözese Eisenstadt die Caritas Sammlung für Menschen in Not im Burgenland durchgeführt. Bereits 20 Euro schenken laut Caritas einer armutsbetroffenen Jungfamilie die Erstausstattung für ihr Baby. Wer abseits der Diözese spenden will, kann dies mit einem Erlagschein, die in allen Raiffeisenbanken, Erste Banken und Postämtern aufliegen, machen oder direkt online unter www.caritas-burgenland.at