Chronik
11.08.2017

Höfler: "Zeitgemäße Anpassungen erarbeiten"

Untersuchungskommission von 15 Experten unter General Höfler startet nächste Woche. Arbeit wird einige Wochen dauern.

Verteidigungsminister Hans Peter Doskozil hat Generalleutnant Günter Höfler mit der Leitung der Sonderkommission zur Überprüfung sämtlicher Ausbildungsvorschriften beauftragt. Über seine neue Aufgabe gab er dem KURIER das erste Interview.

KURIER: Herr General, was sind Ihre konkreten Pläne für die Untersuchung der Ausbildungssituation? Wie legen Sie es an?
Günter Höfler:
Die Kommission wird rund 15 Mitarbeiter haben. Die Vorarbeiten laufen, die konstituierende Sitzung findet nächste Woche statt. Die Kommission wird aus drei Gruppen bestehen: Eine aus Experten des Ausbildungsbereiches, vorwiegend aus dem Ministerium. Die zweite Gruppe bilden Praktiker aus der Truppe, die die Vorschriften im Rahmen der Ausbildung anwenden müssen. Gemeinsam werden wir die Ausbildungsvorschriften und Erlässe durchforsten und Defizite eruieren. Wie ist die Handhabung der Vorschriften tatsächlich, der Frage werden wir besonders nachgehen. Die innovative Gruppe wird helfen, etwaige zeitgemäße Anpassungen und Änderungen zu erarbeiten. Wichtig ist herauszufinden, welchen Handlungsbedarf gibt es konkret.

Wann legen Sie Ergebnisse vor?
Wir werden zügig arbeiten. Die Überprüfung wird sicher mehrere Wochen beanspruchen. Abschließend werden die Resultate präsentiert.

Sie sind Österreichs höchster Militär in Brüssel und können die Ausbildung mit anderen Ländern vergleichen. Ist unsere Ausbildung zeitgemäß?
Absolut. Unsere Auslandseinsätze sind höchst anerkannt, weil die Soldaten sehr gut ausgebildet sind. Das bringt uns die Erfolge bei den Einsätzen. Es kommen viele Offiziere und Unteroffiziere anderer Länder zu Ausbildungen nach Österreich. Das Bundesheer macht internationale Kurse für UNO und EU. Unbestritten, wir haben eine sehr gute Ausbildung und auch ausgezeichnete Ausbildner.

Es gibt Klagen über die rohe Sprache mancher Ausbildner. Gibt es schwarze Schafe?
Wir haben mehr als 2000 Ausbildner. Es gibt welche, die sich einer Sprache bedienen, die nicht tolerierbar ist. Das sind einzelne. Leider. Jeder Soldat kann sich in seiner Einheit oder auch bei der parlamentarischen Bundesheer-Kommission beschweren. Fehlverhalten gehen wir konsequent nach, es werden auch entsprechende Maßnahmen getroffen. Das kann bis zur Entlassung führen.

Ist die Kaserne in Horn besonders anfällig für inakzeptables Verhalten von Ausbildnern?
Mein tiefes Mitgefühl und Beileid gilt den Angehörigen, der Familie des verstorbenen Soldaten. Die Untersuchungskommission prüft die Umstände seines Todes eingehend. Man darf nach diesem tragischen Fall nicht das gesamte System in Frage stellen. Das Bundesheer bildet für den Einsatz aus, der im Inland oder im Ausland stattfindet. Im Ausland sind es Freiwillige. Im Inland gibt es auch Einsätze bei sehr widrigen Bedingungen. Die Assistenz- und Katastropheneinsätze finden bei jedem Wetter statt, die Garde, eine Elite-Einheit, repräsentiert die Republik Österreich auch bei mehr als 35 Grad im Inneren Burghof. Insgesamt leistet das Bundesheer und seine Angehörigen eine national und international sehr anerkannte Arbeit, das sollte man in tragischen Momenten wie diesen nicht vergessen.