© apa

Berufung
11/02/2012

Bedingte Haft für Investor Benko

Der Immobilien-Tycoon wurde wegen Korruption verurteilt. Für eine Intervention soll er 150.000 Euro angeboten haben.

von Ricardo Peyerl

Demnächst wird seine Luxusmeile „Goldenes Quartier“ in der Wiener City eröffnet, am Freitag wurde der Immobilien-Tycoon Rene Benko als Angeklagter ins Graue Haus zitiert. Das könnte er sich als einer der 100 reichsten Österreicher wahrscheinlich kaufen. Vom Gebäudewert her, versteht sich, ohne Richter und Staatsanwälte.

Wegen eines solchen Vorwurfs wurde der Tiroler gemeinsam mit seinem Steuerberater Michael Passer zu je einem Jahr bedingt verurteilt: verbotene versuchte Intervention in einem Steuerverfahren in Italien.

Benko (Verteidigung Ernst Schillhammer) ist fassungslos und nennt den Verdacht „abenteuerlich“, für Passer ist er „an den Haaren herbeigezogen“, beide gehen in Berufung, Richterin Marion Zöllner aber spricht von einem „Musterfall für Korruption“.

Kontakte

Es geht um den Liegenschaftskauf einer Tochtergesellschaft von Benkos Signa-Gruppe in Mailand. Das Verfahren zog sich schon über Jahre, wie der Investor seinem Freund Passer 2009 bei einer Begegnung in Innsbruck klagte.

Passer, Ex-Ehemann der einstigen Vizekanzlerin Susanne Riess-Passer, rühmte sich seiner Freundschaft mit dem kroatischen Ex-Premier Ivo Sanader. Jener Sanader, der dann 2010 in Österreich festgenommen, nach Zagreb ausgeliefert wurde und dort wegen Korruption vor Gericht steht. Der sei vernetzt, dachte Passer, habe auch Kontakte zum damaligen italienischen Premierminister Silvio Berlusconi, und könne vielleicht zur raschen und für Benko positiven Erledigung beitragen. Er habe, sagt Passer, dabei nur an einen sachkundigen italienischen Top-Steuerberater gedacht, niemals – „um Gottes Willen“ – daran, „einen Beamten anzuheuern“.

Die Richterin stellt in den Raum, dass sich Benko wohl selbst einen Top-Steuerberater hätte suchen können. Jedenfalls hielten Passer und Sanader in einer schriftlichen Vereinbarung fest, dass Sanader 150.000 Euro bekommt, wenn die Steuersache positiv ausgeht. Ein Betrag, der jenseits des üblichen Honorars für einen Steuerberater steht.

Und wer hätte die 150.000 Euro zahlen sollen? Benko, der 28.000 Euro Monatseinkommen angibt. Das sei es ihm wert. Sagte zumindest Passer, der von 1850 Euro Pension lebt, bei seiner polizeilichen Einvernahme.

Vor Gericht will er Benko heraushalten. Da sagt Passer (während ihn Benko die ganze Zeit fixiert) auf einmal, es sei eine „unglückliche Formulierung“ gewesen. Und überhaupt: Sanader habe ja ohnehin nichts zusammengebracht. „Glauben Sie, der Berlusconi geht her und erledigt das Steuerverfahren?“ – „Kommt darauf an, was Sanader mit im Gepäck hat“, kontert die Richterin.

Belanglos

Benko ist die ganze Geschichte „lästig“, bei 2500 Terminen im Jahr könne er sich „belanglose Dinge“ nicht merken. Wohl kennt er aber seine „ethische Verantwortung“ und wolle nicht, dass die Kleinanleger seiner Fonds für eine ungerechte Steuerschuld haften müssen. Es sei alles hinter seinem Rücken passiert. Was „die beiden älteren Herren (gemeint sind der 68-jährige Passer und der 59-jährige Sanader, Anm.) damit bezweckt haben, weiß ich nicht“, sagt der 35-jährige Unternehmer. „Ich möchte nicht wissen, was sich Leute alles ausdenken, um mit Signa ins Geschäft zu kommen.“ Hätte ihm Passer gesagt, es gehe um Bestechung eines Beamten, „hätte ich ihn gefragt, ob er einen Vogel hat“. „Benko schiebt Passer vor“, glaubt Oberstaatsanwalt Eberhard Pieber. Die Richterin schließt sich an.

Das Benko-Imperium

René Benko, geboren 1977, kam mit 18 Jahren in Tirol mit dem Ausbau von Dachböden ins Geschäft. Für die Matura hatte er keine Zeit, für Immobilien dafür einen guten Riecher. Nach ersten Erfolgen errichtete Benko gemeinsam mit Karl Kovarik, dem Erben der Stroh-Tankstellen, in Österreich Ärztezentren und kaufte in Berlin 35 Zinshäuser. In Mailand erwarb er das Hauptquartier von Deloitte & Touche, in Deutschland die von Nike und O2, in Innsbruck das Kaufhaus Tyrol.

Den Wiener Markt begann er mit den Immobilien der Bawag und später der Bank Austria aufzumischen. Seit er sich dabei sogar gegen Karl Wlaschek durchgesetzt hat, ist Benko auch öffentlich bekannt.

Die top gelegenen Immobilien der Banken wie Länderbankzentrale Am Hof, Meinl am Graben und Hochholzerhof in der Tuchlauben werden derzeit zum "Goldenen Quartier" der Innenstadt umgebaut. Von Louis Vuitton bis Armani werden fast alle Luxusmarken hier ihre Geschäfte einrichten.

Mit seiner SIGNA-Holding schaffte Benko ein Portfolio von 4,5 Milliarden Euro. Renditen von 50 Prozent erfreuen Großinvestoren, wie den Hälfte-Eigentümer, den griechischen Reeder George Economou.