Winehouse-Biografie auf dem Markt

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In der am Montag erschienen Biografie über Amy Winehouse fungiert ein Pub als Dreh- und Angelpunkt ihres Lebens. Viel Neues erfährt man allerdings nicht.

I died a hundred times" - "Ich bin hundertmal gestorben". Amy Winehouse hat diesen Satz immer wieder gesungen - im Refrain ihres Megaerfolges "Back to Black". Diesen Refrain haben die Autoren Alexander Schuller und Nicole von Bredow ihrem Buch "Back to Black" über "Amy Winehouse und ihr viel zu kurzes Leben" vorangestellt. Die Biografie über die britische Sängerin, die mit nur 27 Jahren und 4,16 Promille Alkohol im Blut starb, ist seit heute, Montag, auf dem Markt.

Die 27-jährig verstorbene Sängerin Amy Winehouse war früh für ihre Musik und später vor allem für ihr ausschweifendes Leben bekannt. Sie wurde am 14. September 1983 in London als Kind jüdischer Eltern geboren und starb am Samstag in derselben Stadt. 2003: Winehouse macht mit ihrem eigenwilligen Kleidungsstil und ihrem Debütalbum "Frank" erstmals von sich Reden. Ende 2006: Ihr Album "Back to Black" mit autobiografischen Hits wie "Rehab" und "You Know I`m No Good" ist ein riesiger Erfolg. Es regnet Preise und Kritikerlob, das Album verkauft sich millionenfach. Mai 2007: Seit ihrer Hochzeit mit dem ebenfalls drogenkranken Blake Fielder-Civil sorgt die Britin vor allem durch zahlreiche Eskapaden für Schlagzeilen. Die Ehe wird im Juli 2009 geschieden. August 2007: Die Sängerin wird in einer Londoner Klinik behandelt. Der Boulevardzeitung "Sun" zufolge pumpen ihr Ärzte wegen einer Überdosis Drogen den Magen aus. Sie soll heroinabhängig sein und Kokain sowie Cannabis konsumieren. Sie und ihr Mann gehen zum Entzug in eine Klinik, brechen den Aufenthalt aber noch im August wieder ab. Oktober 2007: Bei einer Durchsuchung ihres Hotelzimmers im norwegischen Bergen findet die Polizei Drogen, wie eine norwegische Zeitung berichtet. Das Ehepaar wird vorübergehend festgenommen. November 2007: Bei einem Konzert in Birmingham stolpert die anscheinend unter Drogen stehende Sängerin der "Sun" zufolge über die Bühne. Jänner 2008: Nach einem Ultimatum ihrer Plattenfirma lässt sich Winehouse in eine Suchtklinik aufnehmen. Sie hat drei fehlgeschlagene Entziehungskuren hinter sich. Februar 2008: Bei der Grammy-Verleihung erhält sie fünf der begehrten Musikpreise, unter anderem für die Aufnahme des Jahres, den Song des Jahres und für das beste Pop-Album. Sie kann die Verleihung nur in einer Drogenklinik verfolgen. April 2008: Die Soulsängerin schafft es mit einem geschätzten Vermögen von zehn Millionen Pfund (damals rund 12,6 Millionen Euro) erstmals unter die reichsten jungen Briten aus dem Musikgeschäft. Im selben Monat wird sie wegen des Verdachts auf Körperverletzung festgenommen. Sie soll zwei Männer angegriffen haben. Mai 2008: Sie wird wegen Drogenbesitzes festgenommen, wie die BBC berichtet. Gegen Kaution kommt sie wieder auf freien Fuß. Juli 2008: Ihr Ehemann wird zu 27 Monaten Gefängnis verurteilt, weil er einen Barkeeper zusammengeschlagen hat. Winehouse bleibt der Urteilsverkündung fern. November 2008: Ihr Mann wird vorzeitig aus dem Gefängnis entlassen und geht in eine Entzugsklinik. In der Ehe soll es heftig kriseln. Die Sängerin bricht laut "Sun" nach einem Ehestreit und einem Drogen-Alkohol-Rausch zusammen. Jänner 2009: Nach Aussage ihrer Eltern ist Winehouse zweimal knapp dem Drogentod entgangen. Mai 2009: Zusammenbruch auf der Karibikinsel St. Lucia. Auch ein Konzert dort bricht sie ab. Später wird ein "Comeback"-Konzert in London abgesagt. Juli 2009: Ein Gericht in London spricht das vorläufige Scheidungsurteil. Fielder-Civil hatte angeblich ihre Untreue satt. Jänner 2011: Sie präsentierte sich beim Auftaktkonzert einer Mini-Tournee durch Brasilien ohne größere Probleme. Mai 2011: Winehouse ist wieder in einer Suchtklinik. Juni 2011: Bei ihrem Konzert in Belgrad torkelt die Sängerin mit glasigen Augen über die Bühne und wird ausgebuht. Kurz darauf sagt sie ihre geplante Tournee durch Europa ab. 23. Juli 2011: Amy Winehouse wird tot in ihrer Wohnung im Norden Londons aufgefunden.

Ein Pub als Zuhause

Das Buch beginnt im "Hawley Arms", jenem von Rauchschwaden durchwaberten Pub im Londoner Szenestadtteil Camden, den Amy Winehouse ihr Zuhause nannte - das gilt für Camden wohl genau so wie für das Beisl. "Amy war Stammgast", schreiben die Autoren. "Eigentlich schneite sie täglich herein, wenn sie sich in ihrer "Hood" Camden aufhielt und keine anderen Termine wahrnehmen musste." Und immer wieder kehrt auch das Buch dorthin zurück. Die Autoren zitieren Weggefährten und Gäste und erinnern daran, wie das war, wenn Amy zum Billardspielen vorbei kam, zum Rauchen und vor allem zum Trinken.

Im "Hawley Arms" fand auch die schicksalhafte Begegnung zwischen Winehouse und ihrer großen Liebe Blake Fielder-Civil statt, die - da stimmen die Autoren in den bekannten Kanon ein - zum Wendepunkt wurde im damals schon stürmischen Leben der jungen Frau. "Nach nur einem Monat an seiner Seite war 'Blake' über ihrem Herzen zu lesen - sie hatte sich seinen Namen über die linke Brust tätowieren lassen", heißt es im Buch - und: "Es war eine fatale Liebe".

 

Nicht viel Neues

Viel Neues gibt es nicht zu erfahren über die Sängerin, die mit nur zwei Alben - "Frank" und eben dem Welterfolg "Back to Black" - Musikgeschichte geschrieben hat. Schuller und von Bredow tragen zusammen, was nach dem Tod der Sängerin über sie gesagt und geschrieben wurde - und lassen eine Psychologin zu Wort kommen, die unter anderem über das "Borderline-Syndrom" spricht. Unterstrichen wird das alles mit Bildern, die Amy als Kind und Jugendliche zeigen, eine lachende Amy, eine glückliche und erfolgreiche - aber auch eine verängstigte und verzweifelte Amy bei ihrem berühmten letzten Auftritt in Belgrad rund einen Monat vor ihrem Tod.

Die Biografie erzählt von ihrer Kindheit, dem liebenden Vater und der kühlen Mutter, ihrem Glauben an das Karma, den Anfängen ihrer großen Karriere, ihrer Magersucht - und ihren Versuchen, sich von Alkohol und Drogen loszusagen. "Alles, was sie machte, machte sie exzessiv. Sie trank bis zum Exzess und sie entgiftete sich bis zum Exzess", zitieren die Autoren Amys Vater Mitch Winehouse. "Aber die Perioden ihrer Abstinenz wurden in letzter Zeit länger, und die Perioden, in denen sie trank, wurden kürzer." Retten konnte sie das aber auch nicht mehr.

"Wenn Du jemanden liebst, der suchtkrank ist, wartest du auf den Anruf. Und der Anruf wird kommen. Du wünschst dir, dass der Süchtige selbst anruft und dir sagt, dass er genug hat, dass er aufhören will und dass er etwas Neues ausprobieren will", schrieb Schauspieler und Moderator Russell Brand in seinem Nachruf. "Aber natürlich fürchtest du den anderen Anruf, das traurige, nächtliche Klingeln, nach dem ein Freund oder Verwandter dir sagt, dass es zu spät ist." Mitch Winehouse bekam am 23. Juli in seinem New Yorker Hotelzimmer diesen "anderen" Anruf. Auch die letzte SMS, die Amy in ihrem Leben schrieb, haben die Autoren dokumentiert: An ihren langjährigen Freund Kristian Marr schrieb sie kurz vor ihrem Tod: "Ich werde immer da sein."

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(APA/dpa / dost, moe) Erstellt am
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