Wie Bands zu ihren Namen kamen

Gruppen mit Geschichte: Sie nennen sich U2, 30 Seconds to Mars oder Kings of Leon - nach einem Flugzeug, einer alten These und ihrem Vater.

Bei ABBA war es ja noch leicht: Die vier Schweden nahmen die Initialen ihrer Vornamen Agnetha, Benny, Björn und Anni-Frid – und fertig war der Bandname.
Am Samstagabend (8.12.) spielen Kings of Leon in der ausverkauften Wiener Stadthalle – und so manch ein Konzert-Besucher mag sich fragen: Warum heißen die so? ...

Kings of Leon von links: Nathan, Jared, Matthew (Cousin) und Caleb Folowill Also: Die Brüder Nathan, Caleb und Jared Followill aus Tennessee (USA) benannten die Band nach ihrem Vater Leon, einem ehemaligen Wanderprediger. Namensgeber der Sportfreunde Stiller („Ein Kompliment“ ) war nicht ihr Vater, sondern Hans Stiller, Trainer der Bezirksligamannschaft SV Germering, in der die Bandkollegen Peter Brugger und Florian Weber lange Zeit gekickt hatten. Bono & Co spielten als Feedback und The Hype, doch erst als U2 wurden sie die größte Rockband der Welt. Bono gefiel die Doppeldeutigkeit des Namens: U2 war einerseits ein Spionageflugzeug ( Lockheed U-2) , andererseits konnte man den Bandnamen als Aufforderung „you too“ („du auch“) verstehen. Auch musikalische Vorbilder können bei der Namensfindung helfen: Als Syd Barrett 1965 den Abdabs als Sänger und Gitarrist beitrat, gab er der Band den neuen Namen The Pink Floyd Sound, abgeleitet von den Vornamen seiner beiden Blues-Lieblingsmusiker, Pink Anderson und Floyd Council. 

Von links nach rechts: Roger Waters, Nick Mason, Syd Barrett und Richard Wright
Bei der Wahl ihres Namens lassen sich viele Gruppen auch von Buch- und Musiktiteln inspirieren: Steppenwolf („Born to be wild“) wurde nach dem gleichnamigen Roman Hermann Hesses ausgesucht; The Velvet Underground war ein Buch von Michael Leigh, das Sänger Lou Reed im Müll seines Vormieters fand, und Uriah Heep hieß ein Charakter in Charles Dickens’ „David Copperfield“. Coldplay geht auf Philip Horkys Lyrikband „Child Reflections, Cold Play“ zurück. The Doors nannten sich in Anlehnung an den Essay von Aldous Huxley „The Doors of Perception“ („Die Pforten der Wahrnehmung“), in dem der Autor seine LSD-Erfahrungen beschrieb. Jim Morrison gefiel der Titel, da er seinen Drogenkonsum als Erweiterung seiner Wahrnehmung empfand. Weit banaler klingt da die Geschichte von Depeche Mode, die einfach den Titel eines französisches Modemagazins übernahmen. Deep Purple („Smoke on the Water“) gilt im Englischen zwar als Slangbegriff für LSD, tatsächlich bezieht sich der Name aber auf den Song „When the Deep Purple falls“ von Peter DeRose. Die Rock-Haudegen von Judas Priest wiederum waren Fans von Bob Dylans Lied „The Ballad of Frankie Lee and Judas Priest“. Thom Yorke (rechts) und Konsorten machten ursprünglich als On a Friday Musik, ehe sie sich auf Wunsch der Plattenfirma Radiohead nannten – nach einem Song der Talking Heads auf dem Album „True Stories“ mit selbigem Titel. 
Der Name der US-Rockband The Killers („Human“) stammt von einer gleichnamigen, fiktiven Band aus dem Musikvideo zum Song „Crystal“ der Band New Order . Wir sind Helden („Guten Tag“) traten zu Beginn der Gruppe unter dem Namen von Sängerin Judith Holofernes auf. Der jetzige Bandname ist eine Hommage an David Bowies Hit „Heroes“. Im Jahr 1959 brachte der US-Blues-Musiker Muddy Waters die Single „Rollin’ Stone“ auf den Markt. Zwölf Jahre später wurde Brian Jones gefragt, wie denn der Name seiner Band wäre. Vom Telefon aus blickte er sich in seiner Wohnung um und sah auf dem Fußboden Muddy Waters’ Platte liegen – der Beginn der Rolling Stones. Frank Farian wiederum dürfte gerne ferngesehen haben. Als er in den 1970er-Jahren die Disco-Formation Boney M. („Rivers of Babylon“) gründete, hatte er dabei die australische Krimiserie „Boney“ im Sinn. Es klingt so gar nicht nach Weihnachtsmärchen, aber die britische Heavy-Metal-Band Iron Maiden wurde ausgerechnet zu Weihnachten 1975 von Steve Harris gegründet. In diesen Tagen sah der Bassist eine Kinoversion von „Der Mann mit der eisernen Maske“ nach dem Roman von Alexandre Dumas, in dem auch das Folterinstrument der „Eisernen Jungfrau“ vorkommt. Einige Fans der Formation vermuten aber, dass der Bandname eine Anspielung auf die oft als „eiserne Lady“ bezeichnete britische Premierministerin Margaret Thatcher war. Eine offizielle Erklärung, wie 30 Seconds to Mars („Closer to the Edge“) zu ihrem Namen kamen, gibt es nicht. Auf der deutschen Homepage des Fanclubs von Sänger Jared Leto wird behauptet, der Bandname gehe auf eine alte These in dem Buch Argus Apocraphex zurück, wonach wir uns, theoretisch gesehen, nur dreißig Sekunden vom Mars entfernt befinden. Linkin Park („In the End“) hießen bei ihrer Gründung Xero, später Hybrid Theory, ehe man sich auf den jetzigen Namen einigte. Namensgeber war der Lincoln Park in Santa Monica, Kalifornien; die Abwandlung in Linkin Park hatte einen rein praktischen Grund, da sich die Gruppe eine .com -Domain sichern wollte, und daher einen abgewandelten Namen benötigte. Die Jungs hatten eine Band, aber keinen Namen. Da fiel Sänger Fred Durst der Spruch eines Freundes ein, der meinte, sein Hirn fühle sich an wie ein „limp biscuit“, ein schlaffer Keks. Aus biscuit wurde biscut und dann bizkit – und der Name Limp Bizkit („Take a Look around“) war geboren. Bei Guns N’ Roses setzten die Schulfreunde Axl Rose und Izzy Stadlin einfach die Namen der beiden Vorgängergruppen Hollywood Rose und L.A. Guns zusammen. Auf Liam Gallaghers (rechts) Bestreben hin wurden The Rain in Oasis umbenannt, inspiriert von einem Poster in seinem Schlafzimmer, auf dem ein Konzert im Oasis Leisure Centre in Swindon angeführt war. Am 28. August 1988 stürzte bei einer Flugshow auf der deutschen Air Base Ramstein ein Flugzeug ab und schlitterte brennend ins Publikum. 70 Menschen starben, 1000 wurden verletzt. Sechs Jahre später trat eine bis dahin unbekannte Band erstmals unter dem Namen Rammstein Flugschau auf – versehentlich mit zwei M geschrieben. Die Kontroverse über den Namen Rammstein polarisierte – und steigerte damit die Bekanntheit der deutschen Rockformation. Auf AC/DC kamen die Brüder Angus und Malcolm Young, nachdem Schwester Margaret die Buchstaben auf der Rückseite ihrer Nähmaschine gesehen hatte. AC/DC ist die englische Abkürzung für Gleichstrom/Wechselstrom. Einfach machten es sich die beiden Berliner Guy Gross und Claus Capek: Sie nannten ihre Pop-Gruppe – Band ohne Namen. Auch die Solokünstler haben sich bei der Wahl ihrer Künstlernamen verschiedenster Inspirationsquellen bedient.

Böse Menschen behaupten ja, diese Lady sei wirklich „gaga“. Dabei geht der Künstlername von US-Popsängerin Stefani Joanne Angelina Germanotta alias Lady Gaga natürlich zurück auf den Queen-Hit „Radio Gaga“, den ihr Produzent Rob Fusari jedes Mal zur Begrüßung sang, wenn sie das Tonstudio betrat. 1965 kam in Harlem, New York, Richard Melville Hall zur Welt. Schon als Kind wurde er von seinen Freunden Moby genannt – nach dem Roman „Moby Dick“, den sein Ururgroßonkel Herman Melville im Jahr 1851 veröffentlicht hatte. Auch U2-Sänger Bono Vox bekam seinen Namen schon früh von Schulkollegen verliehen – nach dem Hörgeräteladen „Bonavox“ in der Dubliner Innenstadt (bona vox, lat. für die gute Stimme). ... Bono wiederum gab seinem Bandkollegen David Howell Evans (links) den Namen The Edge (engl. für der Rand, die Kante) – „weil er so einen besonders scharfen Verstand habe“, wie Bono behauptet. Fans vermuten, dass diese Bezeichnung eher auf Edges scharf geschnittene Gesichtszüge anspielt. Gordon Matthew Sumner, der in seiner Heimatstadt Newcastle (England) als Bauarbeiter und Englischlehrer jobbte, spielte in seiner Freizeit Bass in einem Jazzclub. Wegen seines schwarz-gelb gestreiften Pullovers, in dem er wie eine Wespe aussah, gaben ihm seine Bandkollegen den Spitznamen Sting (Stachel) – unter dem er Weltkarriere machte. Die Musikwelt kennt Marshall Mathers als Eminem. Der Name ergibt sich aus der Aussprache seiner Initialen „M & M“ (gesprochen: „M and M“, „M ’n’ M“, „Em(i)nem“). US-Rocker Marilyn Manson wurde als Brian Hugh Warner geboren. Seinen Künstlernamen wählte er, „um die schönsten und hässlichsten Seiten der USA zu zeigen“ – symbolisiert durch Schauspielerin Marilyn Monroe und Sektenführer Charles Manson. Auch die Namen vieler Bandmitglieder (Madonna Wayne Gacy, Twiggy Ramirez) sind Zusammensetzungen aus dem Namen einer weiblichen Kult-Figur (Madonna, Twiggy) und eines Massenmörders (John Wayne Gacy, Richard Ramírez). Dadurch soll verdeutlicht werden, dass Gut und Böse untrennbar zusammengehören. Marvin Lee Aday, so Meat Loafs richtiger Name, wurde aufgrund seines Gewichtes in der Highschool von seinem Football-Coach „Meatloaf“, Fleischlaibchen, gerufen. Wir schreiben den Neujahrstag 1977. Der Wiener Musiker Hans Hölzel sitzt in einem Hotelzimmer und schaut fern. Im TV läuft das „Neujahrsspringen“ der Vierschanzentournee, bei dem auch ein DDR-Skispringer namens Falko Weißpflog an den Start geht. Hölzel ist von dem Sportler und seinem Namen begeistert – und beschließt, sich nach ihm zu benennen. Um sich international besser vermarkten zu können, ändert er die Schreibweise aber in Falco. Zunächst tritt er bei einigen Auftritten noch als „Falco Gottehrer“ und „Falco Stürmer“ auf, doch fallen diese Zunamen bald weg.
(kurier / Niki Nussbauer, tem) Erstellt am
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