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Ego-Trend
08/23/2013

"Selfies": Ich pos(t)e, also bin ich

Die Wiederentdeckung des Selbstporträts hat bei Teenies und Stars einen Boom ausgelöst

von Julia Pfligl

It’s Selfie-Time“, verkünden neuerdings Jugendliche aus aller Welt, verschwinden in ihren Zimmern, zücken das Smartphone, werfen sich in Pose. Und dann knipsen sie. Mal vorm Spiegel, mal lächelnd, mal mit gespitzten Lippen (dem bei Mädchen besonders beliebten „Duckface“) – aber immer von ihrer Schokoladenseite.

Der beste Schnappschuss wird umgehend auf Facebook, Twitter oder Instagram gepostet, wo er im besten Fall mit vielen „Likes“ und schmeichelnden Kommentaren belohnt wird.

Die beliebtesten "Selfies" im Überblick

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Kopie von via Instagram

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Bewusste Inszenierung

Weltweit stellen Millionen von Teenies nahezu täglich Selbstporträts – „Selfies“ – ins Internet. Alleine auf Instagram, dem sozialen Foto-Netzwerk, finden sich rund 40 Millionen Beiträge unter diesem Suchbegriff. Seit es Menschen gibt, wollen sich diese selbst darstellen. Man denke etwa an die aufwendig gemalten Öl-Gemälde von Herrschern aus alter Zeit. „Der neue Trend zur Selbstdarstellung wurde von Digitalkameras ausgelöst“, erklärt Social-Media-Expertin Judith Denkmayr. „Das Display zeigt, wie man auf dem Bild aussehen wird. Analogkameras konnten das nicht. Je mehr Smartphones mit Bildumkehr-Funktion es gibt und je mehr Leute im Social Web aktiv sind, desto mehr ‚Selfies‘ gibt es.“

Großer Vorteil der medialen Selbstdarstellung: „Du kannst dich so inszenieren, wie du dir gefällst – gibst also die Kontrolle nicht an jemand anderen ab.“ Und dieses Inszenieren will gelernt sein, zum Beispiel via verschiedener Fotoblogs, die Tipps für die Gestaltung eines perfekten „Selfies“ geben.

Vom Ideal-„Selfie“ haben Burschen meist eine andere Vorstellungen als weibliche Hobby-Knipserinnen. „Mädchen legen viel Wert auf ein hübsches Äußeres, die Pose, das Outfit. Burschen hingegen zeigen sich selbst lieber bei ‚Außergewöhnlichem‘, also etwa beim Sport oder bei Trinkgelagen mit Kumpels“, weiß Erziehungsberaterin Martina Leibovici-Mühlberger.

Für sie ist das neue Freizeitphänomen „eine bedenkliche Gesellschaftsentwicklung“: „Wir leben in einer Bildkultur. Das geschriebene Wort rückt mehr und mehr in den Hintergrund und damit auch das differenzierte Denken.“ „Selfies“ würden für junge Mädchen außerdem nicht nur Spaß bedeuten, sondern auch einen hohen Konkurrenzdruck. „Sie glauben dann, sie müssen gewissen optischen Kriterien entsprechen. Viele Jugendliche kompensieren mit besonders ‚sexy‘ Fotos fehlendes Selbstwertgefühl. Sie holen sich ihre Bestätigung über möglichst viele ‚Likes‘ und nette Kommentare.“

Bestätigung haben Heidi Klum (40), Justin Bieber (19) oder Tom Hanks (57) wohl kaum noch nötig – trotzdem machen sie den Social-Media-Trend mit. Regelmäßig versorgen auch sie ihre „Follower“ mit Bild-Protokollen ihres aufregenden Alltags, sei es beim Feiern mit Freunden, im Auto am Weg zur Schule oder – sehr zur Freude der Bieber-Anhängerinnen – mit nacktem Oberkörper.

Junge Narzissten

Gutes Aussehen als wichtigster Wert, ständiges Präsentieren seiner selbst – wächst da eine Generation an jungen Narzissten heran? Ja, sagt Jugendforscher Bernd Heinzlmaier. „Wir leben in einer Ego-Gesellschaft, der persönliche Nutzen steht im Vordergrund. Der postmoderne Narzisst will aber niemanden von sich selbst überzeugen, sondern seine Umwelt zum eigenen Vorteil verführen. Selbstdarstellung ist eine Pflicht geworden.“

Und was sagen die Teenies selbst zum vermeintlichen Ego-Trip? Für Katharina ist das „Instagrammen“ ein natürlicher Teil ihres Alltags: „Das macht jeder. Es ist, als würde man in den Spiegel schauen und den Augenblick festhalten.“ So könne man der Welt zeigen, wie man sich fühlt, was man macht und wie das neue Outfit passt. „Warum ich das mache, frage ich mich nicht. Es ist einfach so und es macht Spaß.“

Von Julia Pfligl

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