Rebell Alice Cooper im Gasometer

Der Schockrock-Opa war in Wien "um Lärm zu machen" mit einem Feuerwerk an Hits und Händen. Die besten Bilder zum Durchklicken.

"I'm eighteen and I like it", sang Alice Cooper mit kräftiger Stimme bei seinem Konzert am Dienstag im Wiener Gasometer. Tatsächlich wirkte der 63-jährige Schockrocker eher wie ein rebellischer Teenager als der brave Kirchgänger, der er nach eigenen Angaben privat ist. Etwas weniger große Show-Effekte als beim Open-Air im Sommer 2010 hatte der Bürgerschreck mitgebracht, aber immerhin wurde die Guillotine ausgepackt und benutzt (während Coopers "Kopf" rollte, schallte der Chorus "I love the dead" durch die prallvolle Halle), mit einer Schlange geknutscht und ein Feuerwerk auf den Handflächen des Sängers gezündet. Was die Songauswahl betraf, ging es Schlag auf Schlag mit allen Klassikern aus der langen Karriere des Herrn Vincent Damon Furnier, wie der Mann aus Detroit laut Geburtsurkunde heißt. "Ich war immer der festen Überzeugung, dass ein Künstler, der 25 Alben veröffentlicht hat, mindestens 15 seiner Hits live spielen sollte, egal, welche Show man gerade bringt und wie gut das aktuelle Album ist", sagte Cooper vor dem Auftritt im Interview. "Und die Leute wollen die Elemente sehen, die meine Show berühmt gemacht haben. Aber ich denke stets darüber nach, wie man aus diesen bekannten Zutaten etwas Neues machen kann. Es gelingt mir immer wieder, das Publikum zu überraschen. Die Besucher sollen gar keine Chance zum Durchatmen haben." Die Ohren hatten an diesem Abend jedenfalls keine Verschnaufpause. Die Gruppe - herausragend: Gitarristin Orianthi, zuletzt im Sold von Michael Jackson - rockte mit viel Verständnis für das Oeuvre ihres Chefs. Außer der Ballade "Only Women Bleed", ein emanzipatorisches Stücke über eine Frau, die von ihrem Ehemann misshandelt wird, donnerte Rock 'n' Roll mit Biss. "Unplugged wäre für mich das Langweiligste. Alice Cooper ist da, um Lärm zu machen! Ich habe heute mehr Energie als mit 30", lachte der Sänger beim Gespräch. Kleine stimmliche Fehllagen zwischendurch seien ihm verziehen. Es blieb nur die Frage, warum Herr Cooper trotz großem Getöse um sein aktuelles Werk, die Fortsetzung seines berühmten Albums "Welcome To My Nightmare" von 1975, mit "I'll Bite You Face Off" nur ein Lied daraus zum Besten gab (aber immerhin mit dem ironischen Hinweis "New Song" auf dem Rücken seiner Jacke)... ... "Diese Platte ist Mitten in einer laufenden Tournee herausgekommen, da konnten wir nicht mehr die gesamte Produktion ändern", begründete Cooper und versprach, die nächste Konzertreise seinen vertonten Alpträumen zu widmen.
(apa / reis, tem) Erstellt am
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