Pixie Lott - ein Quäntchen Soul

Die erst 18-jährige Blondine erobert mit ihrem Lächeln die Popwelt. Singen kann sie auch - sehr gut sogar.

Pixie Lott sitzt in einem Zimmer des Wiener Hotels Triest und verkörpert die durchschnittliche Pop-Prinzessin: blond, hübsch und jung. Die Fragen der Journalisten beantwortet sie stets mit einem bezaubernden, aber leicht gekünstelten Lächeln. Sie lächelt vor der Frage, während der Frage und nachdem sie die Antwort gelächelt - Pardon! - gegeben hat. Dazwischen streut sie ein paar "Ohhs", "Ahhs" und "Yeahs" ein. Natürlich sagt sie auch Sätze wie "Ich bin so glücklich" und "Es ist gerade alles so cool und faszinierend". Dabei rückt der als neues britisches Popsternchen gehandelte Teenager ständig ihr etwas zu kurz geratenes Kleidchen zurecht. Wahrlich nicht die gemütlichste Kleidung für einen anstrengenden Interview-Tag. Aber wer Erfolg haben will, muss eben auch (manchmal) leiden.

Chitty Chitty Bang Bang

Pixie Lott scheint dieses Umfeld gewohnt zu sein. Denn die noch bei ihren Eltern in Essex wohnende Blondine kennt das Show-Biz schon seit Jahren. Man könnte fast sagen: Die als Victoria Louise Lott geborene hat schon so etwas wie Routine im Umgang mit dem Rampenlicht. Mit fünf nahm sie ihre ersten Ballettstunden, mit elf erhielt sie ein Stipendium an der Italia Conti Academy of Theatre Arts. Während der Schauspielausbildung war sie in London in der Musicalproduktion "Chitty Chitty Bang Bang" und der BBC-Fernsehproduktion "A Celebration to the Sound of Music" zu sehen, in der sie die Louisa von Trapp verkörperte. Damit aber noch nicht genug. Sie folgte als 14-Jährige dem Aufruf eines Managers, der die "nächste Popdiva" via Casting suchte. Pixie Lott: "Ich sang ein paar Mariah Carey-Songs und dann hatte ich plötzlich einen Manager." Sagt's und lächelt. Da auch in der schnelllebigen Popwelt nicht alles über Nacht geschieht, musste sich Pixie Lott ein wenig in Geduld üben.

Debüt

Nach zahlreichen Flügen zu ihren Produzenten nach Los Angeles legte sie dieser Tage ihr Debütalbum "Turn it up" auch in Österreich vor. Damit sich der Tonträger auch ordentlich verkauft, wird jede Form der Werbung beansprucht - hier ein "sexy" Fotoshooting für ein Männermagazin, da ein Promo-Auftritt im Fernsehen und dort ein ganztägiger Interview-Marathon. Von Wien hat die mit einer prächtigen Löwenmähne ausgestattete Sängerin nicht viel mehr gesehen als das Hotel, den Weg zum Flughafen und den Flughafen. Tja, das Musiker-Leben kann schon ganz schön langweilig sein - und einsam machen. Was machst du in deiner Freizeit? "Meine freie Zeit gestalte ich wie viele Teenager in meinem Alter auch: Ich gehe ins Kino, Shoppen, Essen und auf Partys." Natürlich hat sich durch den Erfolg auch einiges in ihrem Leben verändert: "Ich kann meine Freunde nicht mehr so oft sehen wie ich gerne möchte. Das ist wirklich sehr hart für mich." Und ungestylt mit dem Jogging-Anzug aus dem Hause zu gehen ist auch kaum möglich. Der Erfolg der hübschen Britin hat sich nämlich auch schon bei den Paparazzi rumgesprochen. Aber der derzeitige Siegeszug entschädigt: Ihr Song "Mama Do" ist in vielen europäischen Charts ganz vorne vertreten. In Großbritannien, dem Mutterland der Popmusik, kletterte "Mama Do" sogar bis an die Spitze der UK Single Charts.

"Turn It up"

Die Songs auf "Turn It up" geben dem Markt genau das, wonach der zurzeit verlangt. Hier ein Quäntchen Soul, da MTV-geprüfte R & B-Seligkeit und dort ein in Richtung Elektropop quängelnder Synthesizer. Verantwortlich für diesen perfekt für Formatradios abgeschmeckten Sound sind Produzenten wie Jonas Jesberg (Kylie Minogue) oder Toby Gad (Beyonce Knowles). Leider weiß Pixie Lott nicht nur die Sachen von Mariah Carey zu schätzen, sondern verucht sich in Songs wie "Gravity" und "Nothing Compares" als britische Variante der US-amerikanischen Heulsuse. Das hätte nicht sein müssen - denn von singenden Puppen hat die Welt nun wirklich schon mehr als genug. In der in Summe doch durchaus kurzweiligen Dreiviertelstunde, die ein Hörvorgang des Albums dauert, kann Pixie Lott ihr stimmliches Potential sehr gut ausspielen. Okay, es ist zwar "nur" Pop, aber was Pixie Lott in ihren Songs noch vermissen lässt, ist der Tiefgang, der nötige Charakter. Denn wer in seinen Texten ("Cry Me Out", "Band Aid") von gebrochenen Herzen und Trennungsschmerz singt, diese Erfahrungen aber noch nicht gemacht hat, wirkt einfach nicht glaubwürdig. Da hilft auch kein hübsches Lächeln...

(Bilder (1) photopress.at) Erstellt am
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