Neues Video: Lady Gaga im Frauenarztses­sel

Mehr als sieben Minuten dauert das aufwendig produzierte Video von "Born This Way", in dem Gaga Gut und Böse gebärt.

Was soll nach der vermeintlichen Penis-Sichtung, dem bizarren Fleischkleid und der ewigen wie aufwendigen Selbstinszenierung bitteschön noch kommen? Eine mögliche Antwort gibt das soeben veröffentlichte, neue Video der amtierenden Pop-Königin. Gaga treibt darin in einer Art künstlicher Gebärmutter irgendwo im Weltraum umher und spricht zu uns: "This is a manifesto of not a monster…". Aha. Danach gebärt sie, in einem Gynäkologenstuhl sitzend, ein Kind bzw. das Gute und das Böse in ihr selbst. Voilà, da haben wir es wieder, das ewige Thema der Menschheit:  Der Kampf  Gut gegen Böse. Schnarch!

Das neue und aufwendig produzierte, sage und schreibe 7:20 Minuten lange Video zur ersten Singleveröffentlichung "Born This Way" wurde vom legendären Modefotograf Nick Knight umgesetzt. Knight, eigentlich für seine Modeaufnahmen von diversen Models weltberühmt, hat sich in den letzten Jahren verstärkt mit der Videokunst auseinander gesetzt. Seine Arbeiten für große Unternehmen (Kate Moss' Topshop-Video) und diverse Musiker (Massive Attack) blieben dem Management von Gaga natürlich nicht verborgen. Knight lässt Gaga darin nicht nur Kinder bekommen, sondern bittet auch zu Massen-Tanzorgien, in knapper Unterwäsche samt Selbstbefriedigungs-Szenarien, versteht sich. 

Das Gaga nur im BH und Slip zum Sound herumfuhrwerkt wirkt aber unpassend und sogar im All fehl am Platz. Ein sexy Moon-Outfit hätte sich besser gemacht und nicht so stark danach ausgesehen, als wolle Gaga nur ihren - zugegeben gut trainierten - Körper zeigen will. Und die Musik? Der bis oben hin mit piepsenden, kratzenden und schnurrenden Synthesizer-Sounds vollgepumpte Track zielt  - eh klar - hauptsächlich auf die jüngere Zielgruppe ab. Da brettert, nein böllert, der Disco-Bass im 4/4-Schritt gnadenlos nach vorn. Alles was im Weg steht, wird dabei von Auto-Tune-Effekten platt gemacht. "Born This Way" klingt dabei stets austauschbar. Also nicht viel anders als die Tracks der Popqueens einer anderen Generation – und zwar jener von Kyle Minogue und Madonna. Letztere könnte sich übrigens zu Recht bei Lady Gaga beschweren, denn "Born This Way" klingt beim Refrain verdächtig nach Madonnas Hit "Express Yourself" aus dem Jahr 1989. Das Musik-Video erinnert vor allem in den ersten Sequenzen an Alien-Filme. Eine Retorten-Geburts-Station gibt's ebenso wie Lady Gaga mit Maschinen-Gewehr à la Ellen Ripley. Am Ende kullert dann noch eine Träne über ihre Wange. Da bleibt einem nur mehr die Flucht mit dem Einhorn in ihre neu erschaffene Fantasie-Welt. 

Im Link unten gibt's das Video zu sehen.

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(KURIER.at / mawe, mich) Erstellt am
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