"Mimamusch": Stück für Stück Theatermagie

Drei der rund dreißig Stücke von "Mimamusch" (Von links oben im Uhrzeigersinn): "Biene Maja auf Abwegen", "Sandy Shoeshine Rhapsody" und "Küchenduell"
Foto: Mimamusch

Zum fünften Mal hat das fünfwöchige Theaterfestival "Mimamusch" seine Tore geöffnet und bietet eine lustvolle Mischung aus Theater-Performances.

Alternativen zum großen, staatstragenden Theaterbetrieb gibt es in Wien zuhauf, doch in Ottakring, unweit des Gürtels, ist ein Theaterfestival beheimatet, das die Grenzen zum Publikum auf besonders lustvolle Weise überschreitet. Mimamusch begreift sich als "skurriles Strategietheater": Künstler verkaufen sich selbst bzw. ihre Dienstleistung. In den weit verzweigten Gängen, Kojen, Räumen und Katakomben des Ragnarhofs wird überall gekeilt, was das Requisitenzeug hält.

Und so kann sich der neugierige Theaterbesucher hier bis spät in die Nacht aus rund 30 durchschnittlich zwanzigminütigen Stücken, Performances und Dramoletten sein eigenes Programm zusammenstellen - einer Strategie folgend, oder einfach sich fallen lassend in das künstlerisch-zauberhafte Treiben. Manche Preise sind fix, manche Verhandlungssache.

Theatererfahrung der besonderen Art

Der Eintritt kostet zwar nicht den Verstand, aber man muss sich schon bewusst einlassen auf diese mitreißende Theatererfahrung der besonderen Art. Und fühlt sich fast ein bisschen an Hermann Hesses "Magisches Theater" aus dem "Steppenwolf" erinnert, wenn man durch die mit Live-Musik beschallte Bar streift, die als zentraler Treffpunkt dient. Dort holen sich die kostümierten Schauspieler ihre Kundschaft, ohne dabei die Rolle ihres Stückes zu verlassen. Realität und Spiel scheinen da durchaus zu verschwimmen. Da treffen Glücksjäger aus den Roaring Twenties auf ramponierte Seelen der Generation Praktikum, Revue-Girls mit Zylinder auf eine fluchende Biene Maja oder zwei in einem "Amour fou" gefangene Boxerinnen auf Hausfrauen mit Nervenzusammenbrüchen.

Das übergreifende Thema widmet sich diesmal der Suche nach dem Glück, dem Schönen und der Liebe. Die Möglichkeit des Scheiterns ist freilich stets inbegriffen. Und spätestens, wenn man dann auch noch von einem "Mr. Angel" zu einer Obst- bzw. Gemüseperformance eingeladen wird, weiß man: Diesen Abend wird man nicht so schnell vergessen.


Mimamusch - das skurrile Strategietheater
Ragnarhof, Grundsteingasse 12, 1160 Wien und im benachbarten Gürtelbogen.

Jeweils Freitag und Samstag, von 20 bis 4 Uhr. Bis 29. Oktober 2011

Musikprogramm: u.a. Mieze Medusa, Lovetingles, Louie Austen, DJ Trishes, krixi, kraxi und die kroxn mit dem Nino aus Wien.
Am 28. Oktober: Poetryslam

Infos zu den einzelnen Theaterstücken und Konzerten siehe Link unten

(KURIER.at) Erstellt am
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