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05.12.2011

Kreisky: "Klingt nach einer großen Band"

"Jede Zeit hat ihren Sound", finden Kreisky im Interview und liefern eine laute, musikalische Charakterstudie - schöne Geschichten inklusive.

Der provokante Titel der ersten Singleauskoppelung "Scheiße, Schauspieler" macht neugierig auf das neue Album der österreichischen Band Kreisky. "Trouble" heißt ihre dritte Platte, die am 29. April erscheint. KURIER.at bat Kreisky-Frontman Franz Adrian Wenzl und Bassist Gregor Tischberger zum Kaffeeplausch, um über Frust, Liebe und noch viel mehr zu philosophieren.

KURIER.at: Euer neues Album heißt "Trouble". Bezieht ihr euch damit auf Fehler im System oder eher auf die Probleme, die den Einzelnen betreffen?

Franz Adrian Wenzl: In den Liedern werden Charaktere aufgebaut, da geht es ja nicht unbedingt um mich. Es sind Leben von Einzelnen. Aber da die Charaktere aus einer Zeit, aus einer Altersgruppe stammen, sind sie auch immer in einem System, speisen das System. Also kann man es nicht ganz abtrennen.

Es geht hauptsächlich um Scheitern, Unglück, Alleinsein, zerstörte Welten. Ich habe damit hauptsächlich die negativen Seiten vom Leben assoziiert, die ihr so präsentiert.
Wenzl: Ja, das trifft's nicht gar so schlecht. Es ist natürlich schon drum gegangen dem gediegenen Stadtleben ein bissl was entgegen zu setzen. So negative Seiten herauszugreifen. Aber nicht deshalb, weil wir selbst jetzt so negative Typen wären. Bei dieser Platte wollten wir das etwas relativieren. Dass die Leute nicht sagen: "Das sind Kreisky, die pecken überall hin."

Eine Art Lichtblick mittendrin ist dann aber doch "Menschen brauchen Liebe". Diese melodische Ballade ist doch fast sowas wie eine Hommage an die urmenschliche Sehnsucht nach Liebe.
Wenzl: "Menschen brauchen Liebe" ist so die Grundaussage für die ganze Platte. Diese Figuren in den Liedern, die meistens ins Eck gedrängt sind, die auf irgendwas schimpfen, die sollen ja nicht nur als totale Idioten hingestellt werden, sondern denen soll ja auch ein bisschen Mitgefühl entgegengebracht werden.

Gregor Tischberger: Die Texte graben schon eher tief rein, tiefer als vielleicht so der leicht melancholische Indiepop. Die Texte nehmen sich sehr spezielle Situationen und Charaktere vor.

Wenzl: Trotzdem soll es natürlich auch so sein, dass sich die Leute damit identifizieren können. Es soll keine leichte Identifikation mit etwas Hübschem sein, wo jeder gerne sagt: "Jo, so bin i a!" Sondern wo man sich dann denkt: "Trifft's a irgendwie".

Noch einmal zurück zum Album: Versteht ihr das neue Album und auch Kreisky als Gesamtkunstwerk und als Spiegelbild der österreichischen Gesellschaft?
Wenzl: Kreisky als Band ist auf jeden Fall als Gesamtwerk gedacht. Als Spiegelbild der Gesellschaft würde ich sie nicht bezeichnen und wenn, dann halt zwangsweise, aber in Wirklichkeit geht's schon darum, Musik zu machen.

Betrachtet ihr euch selbst als gesellschaftskritisch?
Wenzl: Mir persönlich als Textverantwortlicher geht's eigentlich gar nicht darum, sondern ums Musikmachen. Diesen Anspruch, ich will die Gesellschaft verändern, den will ich mir als Musiker nicht unbedingt umhängen lassen.

Tischberger: Das soll der Bono machen (lacht).

Wenzl: In erster Linie muss die Musik passen, sonst hat das eh keinen Sinn. Man muss auch sagen, dass natürlich die Wertigkeit von Popmusik sich massiv geändert hat. Ich mein, in den 60er, 70er Jahren war natürlich die Musik der Träger für gesellschaftlichen Wandel und jetzt sind es eigentlich Twitter und Facebook. Wenn man kurz an die Revolutionen in Nordafrika denkt: Da war nie die Rede von Musik. Das ist etwas, was man immer im Kopf hat, dass Musik in diesem Zusammenhang so wichtig wäre. Aber in Wirklichkeit ist sie halt jetzt, wie zu den anderen Zeiten auch, einfach eine Kunstform unter mehreren.

Geht es im Video zu "Scheiße, Schauspieler" um eine Konkurrenz zwischen Musikern und Schauspielern? Ist das tatsächlich als negative Kritik an Schauspielern zu sehen?
Tischberger: Es beschäftigt sich einfach mit diesen Schauspielerklischees, die es da gibt. Wahrscheinlich gibt's auch Schauspieler, die wirklich so sind. Von den Schauspielern, die beim Video-Dreh mitgemacht haben, standen einige dem Thema durchaus bejahend gegenüber. Ostrowski hat gemeint: "Gute Themenwahl. Ihr sprecht's vielen Menschen aus der Seele." Im Grunde geht's einfach um Klischees. Die Musiker kommen im Lied ja in Wirklichkeit auch nicht besser weg. Musikerklischees geben ja sowieso einiges her: Die saufenden, Groupies abschleppenden, randalierenden Musikertypen zum Beispiel. Insofern ist es kein Konkurrenzkampf, es ist eh jeder der gleiche Trottel.

Wenzl: Es geht halt auch so um Grabenkämpfe zwischen Gruppen, wurscht, welche das jetzt sind. Wir haben eben dieses Beispiel genommen, weil wir da selber nahe dran sind. In Wirklichkeit passt bei Schauspielern und Musikern ja kaum ein Blatt Papier dazwischen. Und trotzdem werden da immer Unterschiede hervorgestrichen, um damit dann die eigene Position quasi zu festigen.

Video: "Scheiße, Schauspieler"

Ihr geht jetzt auf Tour. Freut ihr euch schon drauf?
Tischberger: Jaja.

Wenzl: Absolut ja.

Seid ihr gerne live unterwegs?
Wenzl: Ja, ich persönlich mag aber das Studio auch.

Tischberger: Das sind komplett unterschiedliche Dinge. Im Studio zu arbeiten, ist wie sich Einkastl'n. Touren ist halt wegfahren, ständig auf einem Haufen sein und am Abend auf den Punkt hin performen. Auch super natürlich. Das angenehme ist diese Musikblase, in der man sich bewegt. Man steigt in den Bus ein, Tür zu und ist dann quasi in dem Musikraum. Da gibt's dann keine Normalität und Realität mehr.

Eine letzte Frage, die ihr wahrscheinlich schon sehr oft gehört habt: Warum Kreisky als Bandname? Soll das dann doch ein politisches Statement sein?
Tischberger: Ein politisches Statement ist das überhaupt nicht. Das ist eher so im Brainstorming entstanden. Irgendwer hat zuerst Sinowatz gesagt und irgendwer dann Kreisky. Es hat auch fragwürdige Vorschläge gegeben. Kreisky entspricht dann eben einem Namen, wie der Franz so schön sagt, der was Großes, Mythisches hat.

Wenzl: Das klingt dann schon wie eine große Band.

Tischberger: In Deutschland verliert sich die ganze Bedeutung mit der der Name Kreisky in Österreich aufgeladen ist. Da ist es einfach ein schöner, kantiger, harter Bandname: Kreisky.

Tourdaten

11. 05. 2011 Graz/P.P.C.
12. 05. 2011 Innsbruck/Treibhaus
13. 05. 2011 Klagenfurt/Stereo
14. 05. 2011 Ebensee/Kino 25 Jahre Kino Ebensee
18. 05. 2011 Wien/WUK
28. 05. 2011 Kleinreifling/Seewiesenfest
01. 06. 2011 Salzburg/ARGE
01. 07. 2011 Ottensheim/Ottensheim Open Air