Keine Spur von Tote Hose bei den "Hosen"

Zum 30. Jubiläum der deutschen Punk-Rock Band "Die Toten Hosen"gibt's neben "Best Of" und neuen Liedern auch eine Wohnzimmer-Tour.

Nicht viele Bands können von sich behaupten, dass sie kurz vor ihrem 30-jährigen Bandjubiläum stehen, doch "Die Toten Hosen" haben das geschafft. Zur Feier der drei Dekaden kommt noch im November diesen Jahres ein "Best Of" mit dem Titel "All die ganzen Jahre - Ihre besten Lieder". Auch für das tatsächliche Jubiläums-Jahr 2012 wurde bereits eine neue Platte angekündigt. Doch die "Hosen" wären nicht die "Hosen", wenn sie das Spektakel nicht mit einer Live Tour abrunden würden und da haben sich die Düsseldorfer etwas Besonderes einfallen lassen. Bevor der Tourstart im Keller vom "Schlachthof" im Bremen - der Ort ihres aller ersten Gigs - losgeht, spielen sie im kleinen Kreis für ihre Verehrer. Bis zum Jahresende können sich Fans bewerben, um ein Hosen-Konzert in den eigenen vier Wänden steigen zu lassen. "Wir freuen uns über alle Einsendungen, egal wie verrückt oder langweilig sie sind, ob Wohnzimmer, Party- oder Weinkeller, Sennhütte, Sakristei oder Swingerclub, wenn Ihr es wirklich wollt, sind wir da", so die Band. Wann die "richtigen" Konzerte in Österreich stattfinden, bleibt vorerst noch geheim. ...

Eine Bildergalerie mit Befindlichkeiten, vergangenen Momenten und einem Ausblick in die Zukunft der "Toten Hosen"... Auf ihrer Homepage beantworten die Bandmitglieder Fragen ihrer Fans. Frontmann Campino steht überdies noch sein eigenes Jubiläum bevor: Er wird 50. Seine Gedanken teilt er aber nur über das 30-jährige Bandbestehen mit:   
"Ich freue mich sehr auf 2012. Wir haben uns jetzt lange Zeit zurückgehalten, arbeiten aber viel im Studio und bereiten uns schon auf unseren Auftritt bei Rock am Ring im nächsten Jahr vor - das soll eine Riesenparty werden und da brauchen wir Kondition! Es wäre schön, wenn wir wieder ein gutes Hosenjahr daraus machen könnten, das aber hoffentlich nicht nur aus Rückblicken und Jubiläen besteht, sondern auch aus vielen Hier- und Jetzt-Situationen und einer Lebensfreude, die wir zelebrieren und beweisen möchten." Schon die Nase voll? 
Zum Thema Langeweile gibt Bassist Andi (vorne rechts) Auskunft: 
"Es gibt auf jeden Fall Momente, in denen ich denke "Was soll denn der Scheiß?". Dass man bei den Aufnahmen einer neuen Platte an so einen Punkt kommt und sich nicht sicher ist, ob das überhaupt alles richtig ist, was man da macht, das gibt es immer wieder. Es gehört wahrscheinlich dazu, wenn man sich so lange und ausführlich mit dem Material beschäftigt. Das dauert aber meistens nur eine Nacht und ist der Unsicherheit beim Machen neuer Lieder geschuldet. Im Nachhinein betrachtet, gibt es auch Platten, auf denen wir uns durchaus das eine oder andere Lied hätten sparen können. Gott sei Dank sind aber die Momente wesentlich häufiger, in denen ich das Gefühl habe, das ist eine gelungene Platte und das ist ein gelungenes Lied. " Mit den Taschen voller Geld?
Ob man eher durch Konzerte oder Albenverkauf zum Millionär wird, will ein Fan wissen. Schlagzeuger Vom (ganz links) erklärt, wie's wirklich geht: 
"Nein, was Du tun musst, ist Präsident einer Bank zu werden, Dir selbst Tonnen von Geld mit besonders großzügigen Bonusprämien zu zahlen, den Rest des Bankgeldes zu verlieren – und dann die Regierung zu fragen, Dir zu helfen, das verlorene Geld zurückzuzahlen. Dann, und hier kommt das gute Ende, trittst Du einfach zurück, gibst das Geld aus und lebst ein Leben voller Luxus, bis Du stirbst. Ganz einfach. Die Tage, als man Millionär wurde, indem man CDs verkaufte, sind leider lange vorbei. Versuche, die Karriereleiter innerhalb der Gesellschaft zu erklimmen, vergiss Rock´n´Roll." Hauptsache Autodach überm Kopf?
Ein Fan will wissen, was der unmöglichste Ort war, an dem die Band auf Tour übernachten musste. Andi erinnert sich: 
"Davon gab’s in unserer Anfangsphase reichlich. Ein Hotel war undenkbar, man musste oft zusehen, wo man bleibt. Als wir etwas später den guten alten Opel Blitz hatten, konnten im hinteren Teil wenigstens drei Leute auf selbstgebauten Schlafgelegenheiten liegen - zwei mussten sich dann aber trotzdem noch eine Übernachtungsmöglichkeit besorgen. Ein guter Pennplatz war eigentlich immer angesagt, da es auch im Fahrzeug, trotz Standheizung gerade im Winter, nicht ganz so angenehm und etwas zugig war." Remake gefällig? 
Die Frage, welches Album "Die Toten Hosen" neu einspielen würden, beantwortet Campino: 
"Wenn überhaupt hätte wohl die "Damenwahl" eine Neueinspielung nötig, die war vom Sound her für mich wirklich alles andere als zufriedenstellend. Wir wussten zu dem Zeitpunkt einfach nicht, in welche Richtung wir gehen sollten und diese Unsicherheit kann ich aus den Aufnahmen heraushören. Wenn wir die entschlossen härter eingespielt hätten, hätten wir alle mehr Freude daran gehabt. Alben sind aber auch immer ein Zeitdokument und wenn das nun mal unsere Verunsicherung damals widerspiegelt, dann ist das nur legitim und da wäre es nicht aufrichtig, zu versuchen, diese Eindrücke jetzt zu verwischen. Es gibt auch viele Filme, bei denen das Remake nicht mehr an den Charme der Originale herankommt. Nehmen wir mal alte, deutsche Klassiker wie u.a. "Das fliegende Klassenzimmer" und "Emil und die Detektive" – die Neuverfilmungen schmieren in den meisten Fällen gnadenlos ab." Immer dieselbe alte Leier? 
Rede und Antwort steht Gitarrist Kuddel (2. von rechts), wenn es darum geht, ob den "Hosen" ihre Lieder, insbesondere "Hier kommt Alex", irgendwann zum Hals raus hängen: 
"Nein, überhaupt nicht. Ich persönlich freue mich immer wieder auf die Stelle im Set, wenn "Alex" kommt. Es ist nach wie vor immer noch ein Highlight und stimmungsmäßig eines der Stücke, das am meisten bei den Leuten auslöst. Aber es gibt natürlich Lieder, die uns nach all den Jahren live nicht mehr so gefallen haben - und die haben wir auch vorerst aussortiert. Das ist dann aber nie eine endgültige Entscheidung. Manchmal packen wie sie einfach irgendwann wieder ins Set und schauen, ob sie uns wieder Spaß machen. Auf der aktuellen Tour spielen wir zum Beispiel ein Medley aus alten Stücken, unter anderem "Schwarzwaldklinik", was im Publikum echt abgeht. Ganz klar: Ein Stück, das uns alle langweilt oder nervt, fliegt raus." Campino als Autobiograf? 
Ein Fan will wissen, ob der Frontmann schon darüber nachgedacht hat, eine Autobiografie zu verfassen. - Ja, das hat er: 
"Letztendlich steht das Thema "Buch" oder "Geschichten" immer im Raum - auf eine bestimmte Art sind wir ja Geschichtenerzähler. Der Gedanke mit den Toten Hosen mal ein Hörbuch zu veröffentlichen, kam öfter schon auf, bisher hat sich aber noch keine zwingende Idee in diese Richtung ergeben. Eine Bandbio ("Bis zum bitteren Ende... Die Toten Hosen erzählen IHRE Geschichte") gibt es bereits, die ist aber vergriffen und deckt auch leider die letzten 15 Jahre nicht ab. " Friede, Freude, Frikadellen?
Ob der Hausegen auch mal schief hängt, verrät Gitarrist Breiti (ganz rechts): 
"Die beste Gelegenheit, sich zu streiten, sind unsere so genannten Blauen Stunden: endlose Sitzungen, bei denen wir mit unserem Manager Jochen und Patrick von JKP (Anm.: Das hauseigene Label) alles besprechen, was in der nächsten Zeit ansteht. Weil wir das nur alle paar Wochen machen, dauern diese Treffen immer ziemlich lange. Das ist dann die beste Gelegenheit, um sich auch mal anzuschreien oder durchzudrehen, wenn einer dem Anderen auf die Nerven geht. Natürlich sind in einem solchen Fall die anderen Teilnehmer schnell genervt, weil es dadurch noch länger dauert, aber manchmal ist so etwas eben nötig. Im Proberaum arbeiten wir immer sehr konzentriert; das wäre der falsche Ort für so etwas. Über die Jahre haben wir einen ganz guten Weg gefunden, wie man einen Streit miteinander austragen kann, ohne dass das jetzt jeder persönlich nimmt – größtenteils zumindest. Meistens geht es bei Meinungsverschiedenheiten schon um die Sache. Die Anlässe, um sich leidenschaftlich zu streiten, sind manchmal völlig lächerlich. Ein Klassiker ist zum Beispiel immer noch die Diskussion, ob es bei "Rock am Ring" Frikadellen oder Erbsensuppe für unsere Gäste geben soll." Bis zum bitteren Ende? 
Andi erzählt, ob es eine Angst vorm Band aus gibt: 
"Ich bin nicht der Typ Mensch, der in irgendeiner Form Zukunftsängste hat und mache mir keine Gedanken darüber, was vielleicht in zwanzig Jahren einmal sein könnte. Wenn der Zeitpunkt kommt, dass sich die Toten Hosen auflösen und getrennte Wege gehen, aus welchen Gründen auch immer, wird es schon der richtige sein. Bisher gibt es allerdings nicht den geringsten Anlass, darüber nachzudenken: Wir hatten in den vergangenen zwei Jahren eine verdammt gute Zeit auf Tour, sind nach wie vor mit Spaß bei der Sache und die Stimmung innerhalb der Band könnte nicht besser sein. Solange die Knochen noch halten, gibt es keinen Grund, ans Aufhören zu denken!" Scene, Take, Action!
Vom besten und furchtbarsten Videodreh berichtet Andi: 
"Video ist immer so eine Sache und nicht unbedingt unser Lieblingsgebiet, da wir nur wenig beeinflussen können und immer sehr vom jeweiligen Regisseur abhängig sind. Glücklicherweise haben wir in der Vergangenheit häufig mit Leute gearbeitet, die das ziemlich gut gemacht haben. Klar, gibt es immer wieder Drehs, die keinen Spaß machen, aber letztendlich ist es das Ergebnis, was zählt. Als wir uns zum Beispiel für die Aufnahmen zu "Nichts bleibt für die Ewigkeit" mit so einer kalten, grünen Matsche einschmieren und das Zeug stundenlang auf der Haut lassen mussten, war das nicht wirklich angenehm. Das sah nachher super aus, müsste ich jetzt aber nicht unbedingt noch mal machen.
Auch der Dreh zu "Ertrinken", einem unserer letzten Videos, im strömenden Regen bei nicht gerade sommerlichen Temperaturen war in dem Moment kein großer Spaß, aber für die Bilder hat's sich wiederum gelohnt. Wenn wir es uns aussuchen könnten, würden wir wahrscheinlich nur noch Videos in Liegestühlen am Strand drehen, da würde dann allerdings kein gutes Video bei rauskommen! Eines der entspanntesten Videos war auf jeden Fall "10 kleine Jägermeister" – bekanntlich ein Trickfilm, für den wir überhaupt nichts machen mussten, sehr angenehm." Mehr Fragen und Antworten gibt's auf der offiziellen Homepage der "Toten Hosen" www.dietotenhosen.de (siehe Link unten).
(KURIER.at / cark) Erstellt am
Posts anzeigen
Posts schließen
Melden Sie den Kommentar dem Seitenbetreiber. Sind Sie sicher, dass Sie diesen Kommentar als unangemessen melden möchten?