Katy Perry: Das war die Show in der Arena

In drei Minuten ausverkauft, in 63 vorbei: Das Katy-Perry-Konzert im Oktober in der Arena machte trotzdem Lust auf mehr.

Die Augen-Lider sind unendlich schwer. Gut, es ist halb neun – weit nach der üblichen Schlafens-Zeit mancher Katy-Perry-Fans. Obwohl, die Neunjährige beim Mischpult hat’s eh gut. Sie sitzt, kann den Kopf an den Zaun rund um die Technik-Burg lehnen und wegschlummern, während die Mama daneben demotiviert die mannshohen Eistüten und Zuckerstangen mustert. Ein Bild, das suggeriert, hier wartet man auf ein Zielgruppen-orientiert gestaltetes Retorten-Produkt. Vor der Bühne ein anderes Bild: Da drängeln sich ältere Semester, sind ohne Kinder-Anhang freiwillig hier. Denn die Amerikanerin pendelt mit dem vom New Yorker Künstler Will Cotton mitgestalteten Zuckerl-Image geschickt zwischen Kinderzimmer-Charme und der Ästhetik von David-LaChapelle-Fotos. Keinesfalls "trashy", sagt Perry, wolle sie damit sein. Aber zeigen, dass das "alles ein Riesenspaß" ist. Genauso sieht das auch das inhomogene Publikum. Nach dem Motto-gebenden Intro "I Want Candy" tanzen vier bis 50-Jährige gemeinsam zu Perrys Superhit "Hot N’ Cold". Rockiger klingt sie hier als auf Platte, besser als erwartet. Perry hat Power im Kehlkopf und trifft – überraschend nach dem verpatzten Auftritt bei "Wetten, dass . . ." – die Töne. Noch überraschender: "I Kissed A Girl" beginnt sie mit dem Riff von Dave Brubecks Jazz-Klassiker "Take Five" und macht dabei durchaus eine gute Figur. Ein paar Nummern später sitzt die Neunjährige beim Mischpult wieder. Die Songs von Perrys zweitem Album "Teenage Dream" kennt sie zu wenig, kann nicht mitsingen, weshalb die Müdigkeit siegt. Die Mama aber tanzt jetzt munter. Denn der Power-Pop mit simplen aber effektiven
Mitsing-Melodien macht Spaß. Nicht nachhaltig zwar, in den Pausen zwischen den Songs ist der Jubel schnell verhallt. Aber er kommt auch gleich wieder. Etwa wenn Perry die Gitarre umschnallt, und passabel damit soliert und ankündigt, im Frühjahr noch einmal nach Wien zu kommen. Und man will durchaus mehr sehen. Klar, das ist Wegwerf-Pop ohne Anspruch, gemacht für den Moment. Aber die 26-Jährige steht dazu. Hinter dem Designerprodukt Perry stecken Talent und Eigeninitiative. Und hinter ihrem zuckersüßen Auftreten augenzwinkernde Selbstironie.
(KURIER / Brigitte Schokarth, tem) Erstellt am
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