Die Welt vor Photoshop

Gefälscht und manipuliert wurde schon immer - mit mehr Witz und so, dass es jeder sah.

Beinahe jede Art der Manipulation, die wir heute der digitalen Fotografie zuschreiben, war auch schon in Zeiten vor Photoshop möglich - wenn auch nicht so allgegenwärtig. Durch die Digitalisierung wurde Bildbearbeitung aber einfach und billiger. Seitdem prägen die retuschierten Bilder unser Bild von Schönheit. Unbemerkt, denn die künstliche Bearbeitung fällt meist erst auf, wenn sie ausnahmsweise in die Hose geht - so wie hier oder hier.

Bild: Wanda Wulz (Italien, 1903–1984)
Io + gatto (Katze + Ich), 1932. Die manipulierten Fotografien aus der Zeit vor Photoshop sind ehrlicher. Sie wollen unterhalten, oder erstaunen - nur selten täuschen. Die Ausstellung "Faking it - Manipulated Photography Before Photoshop" gibt noch bis Ende Jänner einen Überblick über das Repertoire aus den Anfängen der Fotografie bis in die frühen 90er, als der Computer manuelle Techniken der Bildbearbeitung ersetzte.
Bild: Henry Peach Robinson, English, 1830–1901, Fading Away, 1858 Maurice Guibert (Frankreich, 1856–1913)
Henri de Toulouse-Lautrec als Künstler und Modell. Über 200 Bilder sind in der Schau des renommierten New Yorker Museums zu sehen.
Bild: Deutschland, Quelle unbekannt, 1914. Die meisten von ihnen wurden durch Photomontage nach der Entwicklung des Negativs verändert indem der Fotograf seine Bilder entweder übermalte, kombinierte oder überblendete.
Bild: Barbara Morgan (USA, 1900–1992)
Hearst over the People, 1939 Dass das nicht immer nur zum Zweck der netten Unterhaltung oder als Form künstlerischer Gestaltung geschah, beweist dieses Bild. Es zeigt Josef Stalin und Wladimir Iljitsch Lenin in Gorki im Jahr 1922. Das Bild wurde von einem unbekannten Künstler 1949 nachträglich bearbeitet. Josef Stalin zauberte er etwa ein Lächeln unter seinen Schnurrbart, um für die Stimmung zwischen dem Diktator und dem beliebten Lenin aufzuheitern. Die schrillen Schwarz-Weiß-Fotografien überraschen das Auge auch mit solch unmöglichen Erscheinungen.
Bild: Unbekannter Künstler, ca. 1880 Für den heutigen Betrachter sind diese Bilder aber auch auf einer zweiten Ebene ungewöhnlich, kennt er Schwarz-Weiß-Aufnahmen doch meist nur als stille Zeitzeugen aus historischen Dokumentationen. Bild: Yves Klein (1928–1962) - fotografiert von
Harry Shunk (1924–2006) und János (Jean) Kender Wir haben gelernt, den digital aufgenommenen Bildern aus den Modemagazinen zu misstrauen.
Bild: John Paul Pennebaker (USA, 1903-1953)
Sealed Power Piston Rings, 1933. Dass wir jetzt auch noch den Fotografien aus grauer Vorzeit nicht über den Weg trauen sollen, ist erfrischend neu. Alle 202 Bilder der sehenswerten Ausstellung finden Sie auf der Homepage des Museum of Modern Art. 
Bild: Weegee (Arthur Fellig, USA, 1899–1968)
"Draft Johnson for President", ca. 1968 Frank Majore: "Follow the Queen", 1987
  Jerry N. Uelsmann, Untitled, 1969 Gustave Le Gray: Frankreich: 1820–1884 Bild: USA, Quelle unbekannt, ca. 1930 F. Holland Day (USA, 1864–1933) "The Vision" (Orpheus Scene)

Der Wunsch Fotografien zu manipulieren ist so alt, wie die Fotografie selbst - nur die Methoden haben sich verändert. Bevor Photoshop still und heimlich unser Schönheitsbild prägte, hantierten experimentierfreudige Künstler auf der ganzen Welt mit den Effekten nachträglicher Bildbearbeitung.

Eine aktuelle Ausstellung im Metropolitan Museum of Modern Art gibt einen Überblick über die oft lustigen, manchmal schrägen, aber immer verblüffenden Ergebnisse. Von den Anfängen der Fotografie Mitte des 19. Jahrhunderts bis in die frühen 90er.

(KURIER / kob) Erstellt am
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