Buzz
05.12.2011

Die Vamummtn: "Wie die Papp'n g'wachs'n is"

Sie sind maskiert, rappen im Dialekt und nehmen sich dabei kein Blatt vor den Mund. Die "Vamummtn". KURIER.at traf sie zum ausführlichen Interview.

Rap ist kein Ponyhof. Wohl wahr. Zurzeit polarisiert keine andere Band in der österreichischen Hip-Hop Szene so sehr, wie vier junge, anonyme Wiener. Daher nennen die "Vamummten" ihr neues Album auch: "Rap is (K)a Ponyhof". Ihre Markenzeichen sind vermummte Gesichter und Rap im Wiener Dialekt. "Slangsta" eben. "Slangsta" ist eine Bewegung, ein Zusammenschluss einiger Mundartrapper in Österreich. Die Ähnlichkeit zu "Gangsta" ist dabei nicht von der Hand zu weisen und auch beabsichtigt.

Nicht zuletzt verdanken die Fans die Gründung der "Vamummtn" dem Umstand, dass die Burschen über so manche Musiker verärgert sind, die sich als "Gangsta-Rapper" ausgeben. "An einem Abend", erzählt der "Ansa", "sind wir zusammengesessen, haben etwas getrunken und einmal mehr ein Video dieser "Gangsta" auf Youtube gesehen. Daraufhin haben wir selber ein Video gedreht und es online gestellt."

Es sollte eine Persiflage werden. Statt einer Waffe hielten sie eine Plastiktrompete in der Hand, statt eines großen Hundes hielten sie ein Babyhund an der kurzen Leine. Und, sie waren vermummt. Damit waren das Markenzeichen und der Name geboren.

Unzählige Youtube-Videos und drei Mixtapes später, veröffentlichen die "Vamummtn" am 30. September ihr erstes Album. Im KURIER.at-Interview stehen die vier Maskierten, die eigentlich nie auf der Bühne stehen wollten, mittlerweile aber das Gasometer und das Münchner Backstage füllen, Rede und Antwort.

KURIER.at: Mehr als 80.000 Fans auf Facebook, Millionen Klicks bei euren Youtube-Videos, ausverkaufte Konzerte. Wie erklärt ihr euren Erfolg?
Dreia: Internet! Ohne das hätte es uns nicht gegeben.
Ansa: Der Schmäh macht auch viel aus. Außerdem sind wir nicht überheblich. Nach den Konzerten sind wir immer im Publikum und reden mit den Leuten. Deshalb glaube ich, dass die Sympathie einfach stimmt.
Viera: Es ist trotzdem ein Internetphänomen, dort ist der Hype entstanden. Dazu kommt, dass wir vermummt sind und die Leute gerne wissen würden, wer wir sind. Sie feiern die Nummern und sie feiern uns. Ich glaube auch, dass wir mittlerweile junge Hörer haben, die sich mit ein paar Texten identifizieren können. Für die ist es vielleicht noch ein bisschen "Revolution", zumindest gegenüber den Eltern.
Zwara: Mit dem Internet kann man relativ schnell bekannt werde, dafür verdient man aber auch kein Geld mehr. Früher war es umgekehrt. Damals hat es länger gedauert bis dich jemand kannte, dafür gab es dann ordentlich Geld. Jetzt kauft leider niemand mehr CD's. In Österreich kann man eh nur mit Live-Auftritten ein bisschen etwas verdienen.
Dreia: Die jetzige Generation geht wenigstens wieder auf Konzerte, eine Zeit lang war das nicht so. Wir haben Fans die uns 6000 km nachreisen und zu jedem Konzert kommen.
Viera: Unsere Konzerte sind aber auch eine Party. Von der ersten bis zur letzten Nummer können sie feiern und das gefällt ihnen. Das spricht sich schnell rum.
Ansa: Mund zu Mund Propaganda eben.

Eure Songs sind am Erfolg sicher auch nicht unschuldig. Wie entstehen sie, woher kommen die Ideen?
Zwara: Genauso spontan wie wir selbst.
Ansa: Die Nummern entstehen meistens wenn wir Party machen. Früher sind wir am Wochenende zusammengesessen, haben etwas getrunken und die Songs produziert. Das meiste sind ja Partynummern. Manchmal haben wir aber auch auf Youtube ein Video gesehen und uns gedacht: "Da geb ma a Antwort drauf".
Zwara: Vieles ergibt sich aus dem Leben. Die "Krocha-Hymne" zum Beispiel war einfach nur "aufglegt". Genauso wie "Hawara schleich di" oder "Slangmania".
Dreia: "Ana geht no" auch.
Ansa: Geplant war keiner der Songs. Wir haben nie gesagt, wir müssen in den nächsten vier Monaten eine Nummer machen, die Erfolg haben könnte. Und ich glaube das ist unser Erfolgsrezept.
Zwara: Es ist cool, dass wir das nicht müssen.

Für manche Ohren klingen eure Texte obszön und sexistisch…
Ansa: Das sehe ich überhaupt nicht so. Wieso soll es sexistisch sein, wenn ich etwas sage, was sich eh jeder denkt? Die anderen trauen sich halt nicht.
Dreia: Wir sagen es eben auch genau so, wie es sich die Leute denken.
Ansa: Englische Sachen sind ja eh viel ärger, nur verstehen es die meisten Leute nicht. Wir reden halt wie uns "die Papp'n g'wachs'n is".
Zwara: Egal wie "obszön" es ist, solange es einen gewissen "Schmäh" hat den jeder versteht, muss man einfach darüber lachen. Tun wir ja auch.
Viera: Genau. Wir nehmen uns selber nicht so ernst und das hört man definitiv auch.

Stichwort "Slangmania" und "Hawara schleich di". Der ORF und seine Casting-Shows kommen bei euch nicht besonders gut weg…
Dreia: "Was g'sogt g'hört, g'hört g'sogt!"
Ansa: Sonst sagt es ja niemand.
Viera: Beim Plöchl-Diss muss man aber genauer hinhören. Eigentlich sagen wir ihm nur, dass er einfach weiterhin Musik machen hätte sollen und sich nicht auf so ein großes Ding "draufhaun"…
Ansa: … er ist vor allem "draufghaut wordn".
Viera: Und das der ORF und andere große Medien ihn als DEN Mundartrapper…
Ansa: … als Erfinder von Mundartrap…
Viera: … darstellt, ist schon sehr lächerlich.
Zwara: In unseren Augen hat er damit einen großen Fehler gemacht. Wir sind schon ein bisschen älter und wissen wie der Hase läuft. Er wird jetzt gerade gepusht und wir gönnen ihm das. Aber leider weiß man aus der Erfahrung, wie schnell so ein Casting-Hype wieder vorbei ist. Nachdem der Künstler ausgeschlachtet ist, wird er fallen gelassen. Hätte er einfach weiter Musik gemacht, wäre er wahrscheinlich auf längere Sicht erfolgreicher. Wir wünschen ihm auf jeden Fall alles Gute, distanzieren uns aber von ihm.

Die Vamummtn und die "Hackn"

Wie sieht euer Leben neben der Musik aus? Hat zum Beispiel schon jemand mit euch über die "Vamummtn" gesprochen ohne dass er wusste, dass ihr es seid?
Zwara: Schon ein paar Mal. Ziemlich am Anfang ist einmal ein Arbeitskollege zu mir gekommen und hat mir die "Krocha-Hymne" auf dem Handy gezeigt und gemeint: "Des is fett, des müssn die Ur-lustigen Jungs sein!". Ich habe nur gesagt: "Jo eh, sicha cool, is lustig". Bei Konzerten passiert es mir auch oft, dass im Publikum ein paar Lehrlinge jubeln und schreien und in der Firma reden die mich per "Sie" an.

Du arbeitest also nebenbei. Wie schaut es bei den anderen aus?

Dreia: Ich bin quasi selbstständig, zusammen mit meinem Bruder.
Ansa: Also ich lebe seit Mai von der Musik. Dadurch bin ich wenigstens ausgeschlafen. Zumindest zwei Tage die Woche.
Zwara: Der Vorteil bei uns ist mittlerweile, dass man nicht mehr unbedingt arbeiten gehen muss. Ich habe aber einen super Job und im Moment will ich beides machen. Wir werden sehen wie es weitergeht, vielleicht muss ich irgendwann eine der beiden Sachen aufgeben.
Ansa: Als wir getourt sind, war es bei mir irgendwann einfach nicht mehr tragbar, ich war nur noch müde und es ging nichts mehr weiter. Es ist aber schon ironisch, wenn man am Wochenende vor über 1000 Menschen auftritt und am Montag zur Arbeit fährt…
Zwara: … ja, am Montag haben wir uns immer angerufen und gegenseitig "Back to life, back to reality…" ins Handy gesungen.

Waren die Masken für den Job auch von Vorteil?
Zwara: Sicher. Das war ein Selbstschutz. Wenn man arbeitet, ist es besser, nicht erkannt zu werden.
Ansa: Mittlerweile ist es echt ein Vorteil. Ausgehen zu können, ohne erkannt zu werden, ist schon fein.

Rap is (K)a Ponyhof

Am 30. September erscheint euer neues Album "Rap is (K)a Ponyhof". Was darf man erwarten?
Dreia: Für mich ist es eine gute Mischung aus allen drei Alben.
Viera: Es geht vielleicht ein bisschen mehr zurück zu den Wurzeln.
Ansa: Es wird definitiv kein "Ana geht no" oben sein. Es wird sicher so wie unsere Mixtape-Sachen. Unserem Stil bleiben wir treu.
Zwara: Vor allem der Ansa schlägt auf dem Album wieder eine komplett neue Richtung ein. Darauf kann man sich jetzt schon freuen.
Dreia: Und natürlich sind ein paar internationale Features drauf.
Zwara: Auf jeden Fall wird für jeden etwas dabei sein.

Den Gerüchten nach produziert ihr eure Beats dieses Mal selbst und "fladert" sie nicht …
Ansa: Wir haben nie "g'fladert", wir haben sie verbessert!
Zwara: Aber stimmt. Dieses Mal wollten wir es einfach wissen.
Viera: Das ist leicht erklärt. Es haben mittlerweile genug Leute ihre Beats zur Verfügung gestellt, um ein ganzes Album zu füllen. Das Schöne dabei ist, dass wir jetzt das erste Mal ein Album releasen können. Mit "gestohlenen" Sachen geht das ja nicht.
Ansa: Mir ist das aber prinzipiell egal. Wir werden auch weiterhin "fladern", Mixtapes und Youtube-Videos machen. Das ist jetzt nur zurück gegangen, weil wir am Album gearbeitet haben und auf Tour waren.

Was darf man in Zukunft von euch erwarten?
Dreia: Das was die Leute von uns hören wollen.
Ansa: Eher das was wir den Leuten zeigen wollen. Na, es sind auf jeden Fall genug Nummern da, dass es weiter gehen kann. Solange es die Leute hören wollen, geht es weiter.
Zwara: Und wenn es irgendwann nicht mehr so erfolgreich laufen sollte, dann werden wir einfach wieder für uns Musik machen.
Viera: Es ist ja keine "Hackn", es gibt kein Auftrag und es ist kein Muss für uns.

Hip-Hop scheint sich im Moment zu verändern. Casper hat mit seiner Interpretation davon gerade den deutschen Chart-Thron bestiegen, von "Gangstarap" hört man auch nicht mehr viel. Wie seht ihr das?
Viera: Es hat ein generelles Umdenken stattgefunden. In Deutschland noch mehr als in Österreich. Hier gab und gibt es viele Bands die nie rüber geschaut, sondern immer ihr eigenes Süppchen gekocht haben. Die Leute sind jetzt vielleicht motivierter, haben mehr Kanäle und machen auch extrem viel Musik. Meiner Meinung nach hat sich jedoch nichts grob verändert.

Aber es gibt jetzt mehr Mundart in der Musik. Viele sind auf den Zug aufgesprungen…

Zwara: Im Endeffekt ist das cool. Irgendjemand muss immer anfangen, damit andere nachziehen können. Wir dürfen stolz sein, unseren Teil dazu beigetragen zu haben. Aber bei Gott, wir waren nicht die ersten Mundartrapper.
Dreia: Mundart ist jetzt auch salonfähig geworden. Ich glaube, die Jugendlichen können sich damit auch besser identifizieren.
Ansa: Das beste Beispiel ist die Schweiz. Dort ist der Mundart-Hip-Hop riesig. Und in Österreich sind die Leute jetzt halt auch froh, wenn es gute Musik aus ihrem Land gibt.
Zwara: Und die Deutschen schauen mittlerweile nach Österreich, weil hier gerade etwas arges, neues passiert.
Dreia: Es wäre fast radiotauglich wenn es nicht so "obszön" wäre...

INFO:
Die Vamummtn - Rap is (K)a Ponyhof ab 30. September 2011
Die Vamummtn live im Gasometer Wien: 8. Oktober 2011