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05.12.2011

Die Sex-Oma im Interview

Mit 79 erlebte Elfriede Vavrik ihren ersten Orgasmus, mit 82 sucht sie den Mann fürs Leben. Im KURIER spricht sie erstmals darüber.

Als Elfriede Vavrik im Alter von 79 ihren ersten Orgasmus erlebte, genoss sie ihn - und schwieg nicht. In "Nacktbadestrand" schilderte die sechsfache Oma unverblümt, wie sie die späte Lust für sich entdeckte - sogar mit dem Griff einer Gartenschaufel. Ein Bestseller.

Ihr neues Buch "Badewannentag" beginnt mit einem Oberschenkelhalsbruch - den sie sich bei der Selbstbefriedigung zuzog. Weder Krücke noch Schmerzen waren ein Hindernis, ihre Abenteuer fortzusetzen: Über Zeitungsinserate ("Oma sucht Männer für hemmungslosen Sex") schlief sie sich von einem Date zum nächsten - bis sie entdeckte, dass ihr etwas fehlte: "Ein Mann, der nur für mich da war und für den ich allein da sein konnte."

Dem KURIER gab die quirlige "Sex-Oma" das erste Interview zum neuen Roman.

Frau Vavrik, Sie berichten in Ihrem Buch über etliche Liebesabenteuer...
Sind Sie beim Lesen nicht rot geworden?

Doch, ja... einige Male!
Ich hab's nachher gelesen und bin auch rot geworden. (lacht auf)

Doch nicht alle ihre Abenteuer sind positiv verlaufen - sehen Sie sich rückblickend mehr als Vorbild oder als Opfer?
Das kommt sehr auf das Gegenüber an. Ich kann mich sehr leicht auf einen Menschen einstellen. Ich würde mich nicht als Vorbild bezeichnen. Mein Helfersyndrom ist stark ausgeprägt und artet oft aus. Das hätte oft gefährlich ausgehen können.

Was können Ihre Leser aus ihren Erzählungen lernen?
Lebenserfahrung und viel, viel über Sex - vor allem alte Damen. Sie halten sich ja so oft für minderwertig. Das sind sie nicht, sie müssen sich ein bisschen was trauen. Das tut mir oft weh, wie sie sich herunterputzen lassen, auch von ihren eigenen Männern.

Gehört auch die derbe Sprache der Männer dazu?
Ich habe gelernt, dass die Männer einfach so reden. Ich war ja anfangs selbst konsterniert, dass die Männer so reden.

Heißt das, die Frauen müssen sich darauf einstellen, dass die Männer so ordinär reden?
Ja. Ohne dem geht's nicht. Je erregter sie sind, desto derber werden sie. Die Frauen müssen lernen zuzuhören oder wegzuhören, aber austreiben kann man es den Männern nicht.

Wie waren denn die Reaktionen auf ihr erstes Buch?
Vor allem die Frauen bewundern mich für meinen Mut. Ich kann mir vorstellen, dass mich viele dafür verurteilen und das gehört auch dazu. Die empören sich darüber, wie ich in meinem Alter so etwas schreiben kann - noch dazu als Frau. Ich habe mich ja selbst gewundert über mich.

Auf ihre Kontaktanzeige haben sich auch viele junge Männer gemeldet...
Ja, da war ich anfangs selbst schockiert. Der jüngste war 17! Da war ich nicht sicher, will der was von mir lernen oder ich von ihm - wir können ja beide nichts. Im Endeffekt hat er Erfahrung gesucht, aber darauf habe ich mich nicht eingelassen.

Was haben die Männer bei Ihnen gesucht?
Sie wollen jemanden, der zuhört. In einer Ehe bleibt das irgendwo hängen - man hört sich gegenseitig nicht mehr zu. Das ist das, was sie bei mir geschätzt haben und das hat mir auch gut getan.

Durch ihr hohes Alter haben Sie auch eine starke Entwicklung der Gesellschaft miterlebt - was halten Sie denn von der sexuellen Revolution und der heutigen Gleichberechtigung?
Ich war nie ganz einverstanden damit. Viele Frauen sind zu Männern ausgeartet - das schätze ich nicht. Ich habe auch Frau Schwarzer getroffen - sie ist mir zu krass. Eine Frau muss Anpassungsfähigkeit haben. Männer sind große, liebe Kinder.

Diese Woche ist auch das neue Buch von Charlotte Roche erschienen. Sehen Sie Parallelen zwischen sich und ihr?
Nicht wirklich. Ich erlebe das alles ja ganz anders. Parallelen gibt es vielleicht in den Ausdrücken. Aber ihr erstes Buch habe ich sehr bald weggelegt.

Können Sie sich vorstellen, dass viele auch Ihr Buch weglegen?
Na sicher! Viele verurteilen mich und das gehört auch dazu. Es kann ja nicht jeder davon begeistert sein. Die, die über mich schimpfen, die lesen es auch.

Immer mehr ältere Menschen suchen im Internet nach einem neuen Partner. Sie sind bei Zeitungsinseraten geblieben - warum?
Das Internet ist mir zu fremd. Da bin ich altmodisch. Ich schreibe lieber Briefe.

In Ihrem ersten Buch waren Sie überzeugt, dass Männer nicht für die Monogamie geschaffen sind und Frauen heute auch nicht mehr. Dennoch suchen Sie selbst nach einer monogamen Beziehung.
Ich bin ja auch nicht von heute und nicht von gestern, sondern von vorgestern. Ich will keinen Mann, der so ist, aber die Männer sind so. Sie brauchen viel mehr Sex. Die Frauen verstehen das nicht, aber für Männer ist das normal.

Aber die heutigen Frauen haben aufgeholt...
Ja, aber das kann ich nicht nachvollziehen. Sobald Kinder da sind, ist das Gefühlsleben zum Mann sehr eingeschränkt. Sie vertuschen ihre Sexualität vor den Kindern. Dabei sollten sie einen gesunden Weg finden, den Kindern das Thema auf einem gesunden Weg näher zu bringen.

Könnten Sie es also akzeptieren, wenn Ihr Mann jetzt nicht monogam wäre?
Nein. Der gehört mir dann alleine. Der tut mir heute schon leid (lacht)

Sie haben sich in ihrem Buch auf die Suche nach der Liebe gemacht...
Die gibt's eh nicht.

Glauben Sie nicht daran?
Man kann sich gern haben, verliebt sein, aber diese große Liebe ist irgendwann aus. Wenn zwei miteinander zusammen sind, dann ist es ja irgendwann nicht mehr diese große Liebe, sondern es fühlt sich einer für den anderen verantwortlich, man hat einander gern - das ja. Aber diese dauernde und ewige Liebe ist ein Schmäh. Vielleicht sage ich das auch, weil ich es nicht kenne.

Das Ziel ist also jemanden zu finden, für den Sie da sein können und der für Sie alleine da ist?
Ja, aber ich glaube nicht, dass ich das noch erlebe mit meinen 82 Jahren. Aber wer weiß.

Sind Liebe und Sex möglich?
Wenn es Liebe wirklich gibt, dann muss das fantastisch sein. Aber es kann nicht von Dauer sein. Liebe ist eine Kraftanstrengung. Das hält ja kein Mensch durch dauernd. Wenn einmal Kinder da sind, muss die Frau ihre Liebe teilen und dann kann es nicht so bleiben wie am Anfang. Das sind Träume.

In welcher Situation sind Sie jetzt? Haben Sie jetzt das ganze Paket, das Sie gesucht haben?
Meinen Freund gebe ich nicht mehr her, aber es fehlt mir der Sex. Ich bin derart verwöhnt worden vorher, aber der Kerl hält mich jetzt davon ab. Sex fehlt mir, aber ich werde nicht sterben.

Werden Sie ihr Glück wieder über Kontaktanzeigen suchen?
Ich weiß es nicht, vielleicht. Aber mein Freund hindert mich daran und will mir selbst jemanden suchen.

Sie haben immer betont, dass Sie einen jüngeren Mann haben wollen - warum?
Naja, die älteren haben ja nichts zusammengebracht. Es geht darum, dass er mit mir mitkommt. Da bin ich aber auch schon draufgekommen, dass es da solche und solche gibt. Die Älteren bringen vielleicht nicht dieselbe Dauer oder Häufigkeit zusammen, aber sie bringen viel mehr Gefühl zustande und da entstehen dann auch Bindungen. Dafür stelle ich den Sex dann auch in den Hintergrund. Ein Mann kann mit seinen Händen so viel anfangen - da brauche ich das Würstel da unten gar nicht.

Wie wichtig ist Sex für die Liebe?
Sex gehört dazu, vor allem am Anfang. Er beruhigt. Er ist aber auch der Grund, warum Männer irgendwann fremdgehen. Es ist wichtig. Auch im Alter.

Was sagen Sie denn zu Menschen, die sich über Lust im Alter mokieren?
Ich finde das dumm. Die reden über etwas, das sie nicht verstehen und nie probiert haben.

Wir sind rundherum von Schönheits- und Jugendwahn umgeben. War ein kosmetischer Eingriff jemals Thema für Sie?
Nein. Jedes Gesicht hat eine Geschichte und die geht mit solchen Eingriffen verloren. Entweder ich gefalle jemandem so wie ich bin oder er kann gehen. Höchstens, wenn er es fertig bringt mein Mundwerk zu stutzen.

Haben Sie noch einen abschließenden Rat für Ihre Leser?
Man soll nichts übereilen. Man muss warten können. Ich bin ein ungeduldiger Mensch, aber ich habe herausgefunden, dass alles kommt wie es kommen muss.