Buzz 16.01.2012

Die größten Indie-Music-Blogs

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Die medialen Meinungsmacher in der Musik-Branche sind nicht mehr Magazine, Plattenfirmen und Musiksender, sondern vor allem Blogs. Ein Überblick.

Independent Music" ist schon lange keine musikalische Nische mehr, sondern ein kommerzielles Musikphänomen. Die medialen Meinungsmacher in der Branche sind allerdings nicht Magazine, Plattenfirmen und Musiksender, sondern vor allem Blogs, die bestimmen, was oder wer gerade im Trend liegt. Hier eine Auswahl der wichtigsten und einflussreichsten Musik-Blogs im Internet.

Pitchfork

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Der 1995 gegründete Musikblog "Pitchfork" aus Chicago kann gut und gerne als die Mutter aller Indie-Musikblogs bezeichnet werden. Wie extrem der Einfluss von Pitchfork mittlerweile geworden ist, beweist allein die Tatsache, dass Pitchforkmedia bei Twitter satte 1,83 Millionen Follower hat. Auf Facebook schafft es der Musikblog bisher auf mehr als 126.000 "Likes". Neben Neuigkeiten, Artikeln, Interviews und selbstorganisierten Festivals (Paris, Chicago)  gibt es auch einen TV-Channel namens "Pitchfork TV".

Bekannt ist Pitchfork aber vor allem für seine Jahrescharts und die beinharten Besprechungen der Alben.  Die wiederum brachten Pitchfork aber schon des Öfteren Kritik ein. So soll Pitchfork in der Vergangenheit Albumrezensionen gelöscht und neu verfasst haben, wenn sie festgestellt haben, dass sie mit ihrer Meinung nicht im Trend liegen. Auch über die Unabhängigkeit von Pitchfork wird auf Grund von erkennbaren Sympathien zu diversen Musikgruppen oft debattiert. Aber egal wie man über pitchfork.com denken mag, wer den Indiepop-Olymp zu besteigen versucht, kommt an Pitchfork schon lange nicht mehr vorbei.

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Gorilla vs. Bear

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Der Mp3-Musik-Blog "Gorilla vs. Bear" aus Texas wurde im März 2005 gegründet und spezialisierte sich von Anfang an auf unbekannte Bands, oft auch auf Gruppen ohne Plattenfirmen. Das Rolling Stone Magazin huldigte den Blog für seine Entdeckung von mittlerweile bekannt gewordenen Künstlern wie Santigold oder White Denim. Neben Mp3s, Videos, einer eigenen Radioshow und den für Blogs so wichtigen Jahrescharts, hat sich "Gorilla vs. Bear" aufs Porträtieren von Künstlern durch Polaroid-Fotos spezialisiert und scheint damit den Nerv des hippen Musikkonsumenten zu treffen. Zwar ist "Gorilla vs. Bear" mit seinen gut 42.000 Followern bei Twitter und den 29.300 Likes bei Facebook noch ein ganzes Stück von "Pitchfork" entfernt, dennoch steigt der Bekanntheitsgrad der Seite stätig. 2011 war "Gorilla vs. Bear" für den MTV O Award nominiert. Den Preis für den besten Musikblog bekam aber "Aquarium Drunkard" (dazu später mehr).

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Stereogum

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"Stereogum" wurde bereits 2002 von Scott Lapatine kreiert und war somit einer der ersten Mp3-Musikblogs überhaupt, der sich auf Independent-Musik spezialisierte. "Stereogum" gewann schnell an Berühmtheit. 2006 investierte der amerikanische Medienmogul Robert Pittman (unter anderem der Gründer von MTV) in den Blog, was von Kennern viel Kritik einbrachte, wollten sie "Stereogum" doch als unabhängigen Blog sehen. 2008 stieg Pittman aus und der Blog ist wieder begehrt wie eh und je. 2010 gewann der Blog den OMMA Award für "Web Excellence", was in der Welt der Online Medien einem Oscar-Gewinn gleicht. Heute beinhaltet die Seite neben Neuigkeiten, Mp3s, eigene Mixe, eigene CD-Compilations und Videos. "Stereogum" kann sich über mehr als 44.000 "Likes" bei Facebook, und über 84.000 Follower bei Twitter freuen.

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The Hype Machine

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Die "Hype Machine" ist einer der umfangreichsten MP3-Blogs im Netz. Auf hypem.com werden nämlich Mp3s von allen möglichen anderen Musikblogs gesammelt und zu einem breiten Archiv gebündelt. Beim Durchklicken stößt man vor allem auch auf viel Livematerial und Remixe. 2009 wurde die Hype Machine vom "Guardian" zu einer der 100 wichtigsten Internetseiten gewählt. Seit 2010 arbeitet der Blog eng mit dem Onlinemusikdistributor Soundcloud zusammen. Mittlerweile gibt es schon eigene iPhone, Windows 7- und Androidapplications von der Hype Machine. 40000 Likes bei Facebook und 86000 Follower bei Twitter erklären warum.

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Aquarium Drunkard

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Der Blog "Aquarium Drunkard"  ist aus einer Liste der wichtigsten Musikblogs nicht wegzudenken. Ebenfalls 2005 gegründet, beschäftigt sich der Blog aus L.A. nicht nur mit Rock, sondern auch mit Folk, Country, New Orleans Funk, R&B, Soul und allem, was musikalisch dazwischen liegt. Obwohl "Aquarium Drunkard" von den Zugriffszahlen vergleichsweise unbedeutend ist (Twitter: 17.300 Follower, Facebook: 5340 Likes), wurde der Blog mit zahlreichen Auszeichnungen überhäuft –  darunter der MTV O Award für den besten Musikblog.

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Buzzbandz L.A.

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Im September 2008 erfüllte sich der Musikjournalist Kevin Bronson, der davor sechs Jahre lang für die L.A. Times die Kolumne "Buzz Bands" betrieben hatte, seinen Traum und gründete seinen eigenen Musikblog "Buzzbandz L.A.". Als Kenner der Szene in L.A., verhalf er Bands wie den Silversun Pickups oder den Cold War Kids zu ersten Höhenflügen. Zwar beschäftigt sich Bronsons Blog hauptsächlich mit der Szene in und um L.A., doch der Kreativpool dieser Stadt hat mehr als genug an musikalischem Potential zu bieten.
Dem privaten Twitter-Account von Kevin Bronson folgen mehr als 3000 User, auf Facebook hat "Buzzbandz L.A." knapp mehr als 1000 Likes. Das ist im Vergleich zu anderen Blogs zwar nicht unbedingt viel, dennoch hat Bronson großen Einfluss auf Erfolg und Misserfolg in L.A. Und wer seinen Blog verfolgt, hat durchaus die Möglichkeit, bei der Geburtsstunde von möglichen Superstars "live" dabei zu sein.

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Left as rain

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Der aufstrebende Blog "left as rain” aus Brooklyn, New York wird von Alex Mejias und Chris Thomas betrieben. Die beiden stellen täglich Mp3s von mehr oder minder bekannten Indiebands zum Stream bereit und erklären in Kommentaren ihren persönlichen Bezug zu den Songs. Die Auswahl ist natürlich sehr subjektiv, aber das Schöne an "leftasrain": Die Seite wird nicht durch Werbungen oder sonst jemanden finanziert und ist damit garantiert unabhängig. Mit gerade einmal 385 Followern auf Twitter und 755 Likes auf Facebook ist "leftasrain" vor allem hierzulande noch ein Geheimtipp, der sich aber früher oder später verbreiten wird.

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3 Voor 12

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Auf der Multimediaseite "3voor12" des niederländischen öffentlich-rechtlichen Rundfunkanbieters VPRO muss man sich erst einmal zu Recht finden. Eine englischsprachige oder gar eine deutschsprachige Version der Seite gibt es nämlich nicht. Wer es allerdings schafft, in der Kopfleiste der Homepage auf "Albums" zu klicken, wird reichlich belohnt. Dort bietet "3voor12" nämlich neu erschienene Alben von Musikern diversester Richtungen für einen Monat zum Gratis-Stream an.

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La blogotheque

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Der französische Musikblog "La blogotheque" ist der Erfinder der in der Indieszene mittlerweile extrem populären "Take away shows". Das sind spontane, akustische Liveauftritte von Musikern in der Öffentlichkeit, zum Beispiel auf Plätzen oder auf der Straße, die in der Regel mit einem einzigen Take abgedreht werden und zwei bis drei Lieder enthalten. Gegründet hat den Blog der Pariser Independent-Filmmacher Vincent Moon, der mittlerweile über 120 solcher Take Away-Shows in Paris abgedreht hat. Unter anderem gibt es solche Clips von Musikgrößen wie Arcade Fire, Sigur Ròs, R.E.M., Bon Iver, The National, Phoenix und vielen mehr. Der Riesenerfolg lässt sich am besten in Zahlen ausdrücken: Der eigens eingerichtete Youtube-Channel der "Blogotheque" hat mittlerweile über 31 Millionen Zugriffe zu verzeichnen. Auf Facebook hat die "Blogotheque" über 36000 Unterstützer und auf Twitter folgen ihr gar 75000 User.

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They Shoot Music Don’t They

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Zu guter Letzt wollen wir noch das österreichische Pendant zu "La blogotheque” präsentieren. Wer nämlich glaub, dass hierzulande kein kreativer und multimedialer Zugang zur Indiemusik betrieben wird, den belehrt "They Shoot Music Don’t They" eines besseren. Nach dem Vorbild von "La blogotheque" drehen vier junge Mittzwanziger aus Wien akustische Musikvideos mit Künstlern in der Öffentlichkeit. So kann man zum Beispiel dem New Yorker Trio Au Revoir Simone beim Musizieren im Wiener Volksgarten zusehen, oder Portugal The Man bei einem Auftritt im Innenhof des WUK beobachten. Viele der Clips von "They Shoot Music" sind mit einheimischen Bands gedreht worden, obwohl der Videoblog nicht nur hierzulande arbeitet. Die Tätigkeit für den als Verein zur Förderung von Popkultur organisierten Blog, hat die Betreiber schon nach Kopenhagen, Berlin, Glasgow und Edingburgh gebracht und zeigt, dass sich auch die heimische Indie-Blogszene vor einem internationalen Vergleich keineswegs zu fürchten braucht. Das beweisen auch die mehr als 8000 Likes auf Facebook, und die nahezu 1000 Follower auf Twitter.

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Erstellt am 16.01.2012