Casper: Indie-Hop für die Generation-X

Casper wird in Deutschland als der "Retter des Hip-Hop" gefeiert.
Foto: Stickle/Andreas Janetschko/Four Music

Auf seinem zweiten Album "XOXO" vermischt der Deutsche Rapper Casper Indie und Hip-Hop. Das Ergebnis: Musik, die mehr als nur Hip-Hop ist.

Bedacht langsam beginnt der erste Song auf "XOXO", bevor sich die Melodie ihrem Höhepunkt nähert und eine heisere, rauchige Stimme "Drei, Zwei, Eins. Der Druck steigt. Wir holen zurück, was uns gehört!" in das Mikrofon rappt, um von einer, von der Gesellschaft vergessenen, Generation zu erzählen. Die Stimme gehört Casper. Casper heißt eigentlich Benjamin Griffey, ist 28, hat eine deutsche Mutter und einen amerikanischen Vater, lebte seine ersten elf Jahre in einem Trailerpark in Atlanta (USA), zog anschließend mit seiner Mutter zurück nach Bösingfeld in Deutschland, lernte Deutsch, machte das Abitur und brach ein Pädagogikstudium nach 14 Semestern ab.

"Bling-Bling" und Ghettoattitüden sind nicht sein Ding, ebenso wenig wie Worte über die Qualitäten als Liebhaber oder Drogendealer. Caspers Texte wirken ehrlich, ohne Maske und doppelten Boden. Er hat auf seinem zweiten Album weder Scheu vor sich selbst, noch davor, aus seinem Leben zu erzählen. Im Song "Das Grizzly Lied" beschreibt er beispielsweise die Beziehung zu seinem Vater und was dieser ihm mit auf den Weg gegeben hat: "Sohn nimm mein Gewehr. Mal bist du der Jäger, mal bist du der Bär. Und wenn du Bär sein musst, um Gottes willen, dann kämpf. Und ich bin Grizzly jetzt."

Beim Titelsong "XOXO" lässt er gemeinsam mit Tomte-Sänger Thees Uhlmann, am Boden liegend "Smith-Platten sprechen" und fühlt sich "lachend in den Trümmern frei", Generation-X pur. Darauf spielt er auch im darauf folgenden Titel "Michael X" an. Ein Song über einen Freund, der nie 27 werden wollte und sich darum das Leben nahm.

Insgesamt ist "XOXO" eine Platte für eine gescheiterte Generation, die aufgehört hat, an eine Zukunft zu glauben. "Anti-alles für immer" und "Wir scheitern immer schöner" eben. Textlich lassen sich dabei Erinnerungen an eines der wichtigsten Alben der 1990er Jahre nicht vermeiden. Die Rede ist von Nirvanas "Nevermind". Kurt Cobain war das Sprachrohr einer Generation, Casper wird es vielleicht für eine deutschsprachige.

"XOXO" ist kein Hip-Hop mehr, es ist Indie-Hop, vielleicht Post-Hop und fühlt sich an wie eine Achterbahnfahrt durch verschiedene Musikgenres, als ob man den Ipod im Shuffle-Modus betreibt. Selten schaffen es Rap-Platten, dem Hörer eine Gänsehaut auf die Arme zu zaubern - im Falle von Caspers "XOXO" gelingt dieses Kunststück.

(KURIER.at) Erstellt am
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