Bruno Mars: Kreisch-Orkan in Wien

Ein bisschen Soul, ein bisschen Jackson und das größte Publikum der Tour: Der R'n'B-Sänger lockte die Massen in die Stadthalle - und überraschte.

Genugtuung lag in der Stimme von Bruno Mars, als er Mittwoch bei seinem Konzert in Wien vor der Zugabe feststellte: "Das ist das größte Publikum, das wir je hatten." 12.500 waren in die Stadthalle gekommen. ... 

Zum Durchklicken ... Und das, obwohl der Newcomer nur zwei Hits, ein Album und – bis gestern – null Profil hatte. So überraschend wie der Zuspruch von vorwiegend Volksschülern, die die Teenies zahlenmäßig fast ausstachen, ... 

Eine KURIER.at-Userin schrieb: "dank der vielen stimmgewaltigen Mädels war es noch lustiger (auch wenn ich vermutlich einen Tinnitus habe ;-))" ... so überraschend war auch der Auftritt: Viel dynamischer als man es auf Grund des weichgespülten CD-Sounds erwarten konnte. Und ganz ohne Trapez-Einlagen und Gummimonster. Mars verließ sich allein auf seine Stimme und die versierte Band, die jeden Ton live spielte. Zwar war der Klang in der Stadthalle breiig. Mit guter Akustik aber hätte der soulige Sound, der zwischen Motown, Doo-Wop und Michael Jacksons Balladen-Stil pendelte, auch dem Begleitservice der Elterngeneration Spaß machen können. Schließlich ist die damit aufgewachsen. Seine treuesten Fans ließ Bruno Mars davor stundenlang im Regen stehen. "Wir warten hier seit sechs Stunden", sagte die 13-jährige Kerstin Engelhart aus Baden, die am Mittwoch trotz hartnäckigem Nieselregens zusammen mit ihren Freundinnen vor der Stadthalle ausharrte – im Minirock, wohlgemerkt. Die Badenerin war nicht die einzige, die für den Neo-Teenie-Schwarm Bruno Mars im Regen wartete. Über 12.000 Fans des R’n’B-Sängers strömten in die bis auf den letzten Platz ausverkaufte Stadthalle. Kurz vor 19 Uhr reichte die Schlange schon bis zur Gablenzgasse. Die gute Laune ließen sich die zumeist weiblichen Fans trotz des Regens nicht nehmen: "Seine Musik ist einfach toll", sagte die 13-jährige Eva-Maria Bogner aus Wien. Nachsatz: "Und er sieht super aus." Ob der gewaltigen Konkurrenz des Sängers aus den USA blieb den Burschen nur eine Möglichkeit zur Eroberung des anderen Geschlechts: Imitation. Und so schmückten sich die Burschen – Herbst hin oder her – mit schwarzen Sonnenbrillen und grauen Filzhüten. Die Mädels hatten trotzdem nur Augen für das Original. Und weil beschauliches Betrachten die Sache von Teenagern nicht ist, gaben sie ihrer Begeisterung auch stimmlich Ausdruck. Ihr Gekreische hallte kurz vor Öffnung der Schleusen um 19.30 Uhr weit über die Gablenzgasse hinaus. So viele Teenager Bruno Mars auch anlockte, einen hatte er schon vor Konzertbeginn locker abgehängt: Der deutsche Schlagersänger Matthias Reim, der Mittwochabend ebenfalls in der Stadthalle spielte, konnte nur knapp 1000 Fans mobilisieren. Den Generationenkonflikt hat der 26-jährige amerikanische Sänger damit für sich entschieden. Fazit: Klarer Punktesieg für Bruno Mars und seine jungen Fans.

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(kurier / Nachtkritik: Brigitte Schokarth; Reportage: Andreas Macho) Erstellt am
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