Austropromis
02.10.2018

Biografie enthüllt letzte Geheimnisse von Wolfgang Böck

Der Charakterkopf verrät im Interview, wie er nicht nach Hollywood kam und es dennoch nicht bereut.

Habt’s mich gern, so lautet der Titel der literarischen Spritztour durchs Leben von Schauspiel-Liebling Wolfgang Böck (65) – klingt doch auch gleich nach dem sonoren Brummen, mit dem er als Kommissar Trautmann seinem Assistenten „Burschi“ Anweisungen gibt oder sich vom Ober-Strizzi Nazl-Onkel einen Zund erhofft. Der Titel seiner Biografie soll aber, trotz gewollter Doppeldeutigkeit, positiv verstanden werden. „Ich bin nicht zuletzt Schauspieler geworden, um Anerkennung zu finden“, stellt er auch gleich im Vorwort klar.

Eigentlich wollte er gar kein Buch, doch Autor Christoph Frühwirth hat geschickt gelockt, wie Böck lachend im KURIER-Interview zugibt. „Er hat immer von einer ‚Werkschau‘ geredet. Mag sein, dass er mich da ein bisschen bei meiner Eitelkeit erwischt hat, weil ich ja häufig auf diese ‚Trautmann‘-Figur, die ja in diesem Buch auch einen relativ großen Stellenwert hat, reduziert werde. Ich übe den Beruf jetzt schon seit 43 Jahren aus und hab sehr, sehr viel mehr gemacht“, so der verheiratete Vater eines Sohnes (Felix Caspar; 28), der sich nach dem „Trautmann“ aufgrund der Popularität mehr Fernseharbeit gewünscht hätte.

Im Buch begibt er sich auf eine Reise durch sein Leben – fährt mit dem Auto diverse Stationen von Wien über Linz (ja, der vermeintliche Parade-Wiener ist eigentlich Oberösterreicher!) bis ins Burgenland ab. „Vieles liegt sehr lange, lange Jahre zurück und man wird sich einerseits bewusst darüber, wie alt man ist. Dass man eigentlich den Großteil seines Lebens unter Garantie schon gelebt hat und wie ist das eigentlich, wenn das Buch nun erscheint. Jetzt kann man sich zum Sterben niederlegen, also irgendwie war es das jetzt, ein sehr ambivalentes Gefühl, muss ich schon sagen“, erzählt der begeisterte Oldtimersammler, der auch ab und zu an den Ruhestand denkt. „Auf der einen Seite kokettiert man manchmal damit, es wirklich bleiben zu lassen, auf der anderen Seite kann man sich es eh nicht vorstellen.“ Wobei, langweilig würde ihm sicher nicht werden – Motorradfahren als Zeitvertreib Nummer eins. „Das würde ich auch noch tun, wenn man mich drauf heben muss, weil ich das Bein nicht über den Sattel bringe“, grinst er.

Bereuen tut er übrigens nichts, wobei eine Anekdote gibt es, wo man meinen könnte, der Böck hat’s verbockt. Es liegt einige Jahre zurück, er war da im Waldviertler Hoftheater engagiert und es kam die Anfrage einer amerikanischen Produktion, die einen Film plante, der im Zweiten Weltkrieg spielen sollte, Probeaufnahmen zu machen. Alles ganz geheim. Gesagt, getan – und den Amis gefiel es sehr, was sie da zu sehen bekamen. Blöd nur, dass beim Überspielen die Aufnahmen beschädigt wurden und man daher eine Kopie anforderte. Wieder blöd, dass es die nicht gab und dreifach blöd, dass justament nach einer durchzechten Nacht der Wunsch aufkam, Böck möge die Aufnahmen wiederholen. Seine Antwort: „Wirklich nicht! Wenn die zu deppert zum Überspielen sind, dann sollen sie es bleiben lassen. Wurscht, aufgelegt und das war es dann.“ Erst einige Zeit später, die Auflösung um welchen Film es sich da gehandelt hat: Schindlers Liste (sieben Oscars).

„Es ging um diesen Lagerkommandanten. Als ich diese Szene dann gesehen habe, wusste ich: Diese Szene habe ich gespielt, die habe ich aufgenommen. Da denkt man sich: Ja, Maria, okay, aber auch wurscht. Man weiß ja ohnehin nicht, ob es geklappt hätte, aber es war doch so, dass das Interesse so groß war, dass sie eine zweite Kopie angefordert haben. Aber was soll’s?“

Dafür brillierte Wolfgang Böck, das Original, seit 2004 (und mindestens noch bis 2021) als Intendant und Charakterkopf der Schlossspiele Kobersdorf.

Es heißt ja auch so schön, das letzte Hemd hat keine Taschen, was also bleibt vom Herrn Böck? „Dieses Buch (lacht). Schiller hat gesagt: Dem Mimen flicht die Nachwelt keine Kränze. Heute ist das ein bisschen anders. Die Filme, die man gemacht hat, würden bleiben. Die könnte man sich dann noch ansehen. Alles, was man auf der Bühne gemacht hat, fällt der Vergessenheit anheim.“

Buchtipp: „Habt’s mich gern“, 240 Seiten, Amalthea Verlag, 25 Euro.