Österreichisches Toxoplasmose-Screening erfolgreich
Register an der Universitäts-Kinderklinik - Untersuchungen im Rahmen des Mutter-Kind-Passes
Vor 22 Jahren wurde an der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde im Wiener AKH ein österreichweites Toxoplasmose-Register eingerichtet. Alle Schwangeren mit akuter Toxoplasma-Infektion und Kinder mit im Mutterleib "erworbener" Infektion werden erfasst. Durch Screening und Behandlung konnte damit die Infektionsrate bei Neugeborenen drastisch reduziert werden.
"Während es früher bei 78 von 10.000 Lebendgeburten eine Infektion gab, ist heute nur noch eines von 10.000 Neugeborenen betroffen", hieß es in einer Aussendung der MedUni Wien. Eine Zusammenfassung der Erfahrungen wurde vor kurzem von den Wiener Experten Andrea-Romana Prusa und David Kasper in "Clinical Infectious Diseases" publiziert.
"Auch die Effizienz des österreichischen Therapieschemas konnte belegt werden", erklärte Andreas-Romana Prusa. "Die antiparasitäre Therapie für Schwangere und Kinder ist gut verträglich. Durch die Therapie für das Kind ist das Auftreten der klassischen Trias von Netzhautentzündung, Hirnverkalkungen und Wasserkopf eine Rarität geworden. Zudem handelt es sich um eine kostengünstige Präventionsstrategie." Schwere Fälle von Toxoplasmose sind in Österreich mittlerweile Einzelereignisse.
Mutter-Kind-Pass
Der erste Bluttest erfolgt bei Schwangeren im Rahmen des Mutter-Kind-Passes innerhalb der ersten neun Schwangerschaftswochen. Die Infektionsrate für Ungeborene steigt mit dem Verlauf der Schwangerschaft stark an. Es gibt eine von den österreichischen Fachleuten auf diesem Gebiet beschlossene Behandlungsempfehlung. Zum Einsatz kommen - je nach Schwangerschaftsdauer - verschiedene Antibiotika.
Bei Frauen, die schon einmal eine Toxoplasma-Infektion hatten, bilden sich Antikörper im Blut. Daher sind sie gegen eine Ansteckung praktisch immun und auch der Fetus ist geschützt. Eine erstmalige Erkrankung der Mutter in einer Schwangerschaft kann aber zu erheblichen Schädigungen des ungeborenen Kindes führen - bis hin zur Fehlgeburt. Jedes vierte infizierte Kind hat eine geistige und/oder körperliche Beeinträchtigung.
Der Erreger der Toxoplasmose ist ein einzelliger Parasit (Toxoplasma gondii), der weltweit verbreitet ist und viele Wirbeltiere und auch den Menschen befallen kann. Rohes Fleisch und die Eier der Parasiten in Katzenkot gelten als vermeidbare Infektionsquellen. Auch kontaminiertes Erdreich zählt dazu.
Ein gesunder Erwachsener bemerkt die Infektion normalerweise nicht. In seltenen Fällen kommt es zu Lymphknotenschwellungen, Gelenks- und Muskelschmerzen, aber auch zu grippeähnlichen Beschwerden. Bei Menschen mit einer Schwächung des Immunsystems kann die Infektion allerdings zu lebensbedrohlichen Krankheitsbildern führen.