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© Bild: APA/Maurizio Gambarini
Lostag
27.06.2016

Bringt der Siebenschläfertag sieben Wochen Sauwetter?

Wie das Wetter heute ist, soll es sieben Wochen lang sein. Echt jetzt?

Schlecht bis wechselhaft – so schaut der heutige Tag wettertechnisch aus. Doch leider: Heute ist nicht irgendein Tag, sondern der sogenannte „Siebenschläfertag“. Für den gilt: „Das Wetter am Siebenschläfertag sieben Wochen bleiben mag“ oder „Wie das Wetter am Siebenschläfer sich verhält, ist es sieben Wochen lang bestellt.“

Ist das nun das Wetter, auf das wir uns im Sommer 2016 tatsächlich einstellen müssen? Der Siebenschläfertag gilt im Bauernkalender nämlich als sogenannter Losttag – er wurde durch landwirschaftliche Beobachtungen über einen langen Zeitraum hinweg festgelegt.

Trefferquote liegt bei 50 Prozent

Der KURIER hat bei Thomas Wostal von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik auf der Hohen Warte in Wien nachgefragt, er sagt: „Prüft man diese Regel mit Klimadaten der ZAMG für die letzten 50 Jahren mit der Annahme Regen von zumindest einem Millimeter am 27. Juni bringt von 28. Juni bis 15. August deutlich mehr Regentage als normalerweise im gleichen Zeitraum, erhält man eine sehr bescheidene Trefferquote: Innsbruck 25 Prozent, Klagenfurt 29 Prozent, Salzburg 38 Prozent, Wien 55 Prozent. Zum Vergleich: Beim Werfen einer Münze, also bei einer rein zufälligen Entscheidung, wäre die Trefferquote bei 50 Prozent.“

Der wahre Kern der Siebenschläfer-Regel

Nimmt man die Siebenschläfer-Regel nicht ganz so genau, enthält sie doch ein Stück meteorologische Wahrheit. Stellt sich Ende Juni bis Anfang Juli eine stabile Hochdruck-Wetterlage über Europa ein, stehen die Chancen gut, dass sie bis weit in den Juli hinein hält. Genauso gilt umgekehrt: Eine wechselhafte Wetterlage zu dieser Zeit kann sich dann ebenfalls für einige Zeit halten.

Siebenbrüdertag, am 10. Juli

Und dann gibt es noch den Siebenbrüdertag am 10. Juli. Er zeigt, dass unsere Vorfahren erkannt haben dürften, dass der Zeitraum Ende Juni/Anfang Juli irgendwie entscheidend für die Großwetterlage ist. „Die Regel „Ist Siebenbrüder ein Regentag, so regnet´s noch sieben Wochen danach“ hat zwar ganz streng genommen ebenfalls nur eine bescheidene Trefferquote, aber sie zeigt, dass sich in diesem Zeitraum in der Wetterküche was tut“, erklärt Meteorologe Wostal.

Der Siebenschläfer und die Deutschen

ABD0102_20150806 - Ein rot-weiß gestreifter Sonnenschirm steht am 06.08.2015 geöffnet auf einem Balkon in Dresden (Sachsen), während die Sonne vom blauen Himmel scheint. Foto: Arno Burgi/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++ © Bild: APA/dpa-Zentralbild/Arno Burgi
Auch beim Deutschen Wetterdienst hat man sich mit der Siebenschläferregel auseinander gesetzt, dort heißt es: „In der heutigen Meteorologie wird kein einzelner Tag, sondern vielmehr der Zeitraum von 27. Juni bis 08. Juli betrachtet. In dieser Phase des Jahres stellt sich häufig eine beständige Großwetterlage über Europa ein, die den Witterungscharakter bei uns einige Wochen lang prägt. Diese statistische Häufung wird Siebenschläferregel genannt.“ Für die Großwetterlage sei die Position des Jetstreams (Starkwindband in der höheren Troposphäre) in hohem Grade maßgebend. Liegt der Jetstream über dem Ostatlantik relativ weit nördlich, so kann sich das Azorenhoch über Mitteleuropa ausdehnen, wodurch sich eine stabile Hochdrucklage etablieren kann. Die Folge: eine längere Phase störungsfreies Badewetter mit hochsommerlichen Temperaturen. Liegt der Jetstream im Gegensatz dazu eher weiter südlich, dann können atlantische Tiefausläufer immer wieder ungebremst auf Mitteleuropa übergreifen und bei uns für nasses und zeitweise auch kühles Wetter sorgen.

Schlechtwettervariante wahrscheinlicher

Statistische Auswertungen zeigen, dass die Eintrittswahrscheinlichkeit der Siebenschläferregel bei den verschiedenen Großwetterlagen unterschiedlich ausgeprägt ist. Bei Variante 1 liegt sie zwischen 55 und 60 Prozent und bei Variante 2 zwischen 62 und 70 Prozent. Zumindest für Deutschland gilt Folgendes: Schaut man sich die verschiedenen Produkte der aktuellen Wettermodelle an, kommt man zu dem Schluss, dass in diesem Jahr im "Siebenschläferzeitraum" eindeutig Variante 2 (also die "Schlechtwettervariante") bevorzugt wird. Denn der Jetstream bleibt über dem Ostatlantik relativ weit südlich. Wenngleich immer wieder auch Zwischenhocheinfluss für vorübergehende "Schönwetterphasen" sorgt, bleibt der Tiefdruckeinfluss im gesamten Zeitraum vor allem im Norden allgegenwärtig. Im Süden des Landes werden dabei deutlich höhere Temperaturen und (verglichen mit der Nordhälfte) längere trockene und sonnigere Witterungsphasen erwartet. Laut Siebenschläferregel tendiert unser Sommerwetter 2016 also mit 62 bis 70 prozentiger Wahrscheinlichkeit in Richtung wechselhaft und nur zu kurzen heiß temperierten Phasen. Wenngleich die statistische Relevanz dieser Tendenz nicht von der Hand zu weisen ist, heißt das für das Wetter zu einem einzelnen Zeitpunkt und für einen Ort natürlich relativ wenig. Selbst wenn sich die Siebenschläferregel in diesem Jahr voll bestätigen sollte und wir in diesem Sommer keine länger andauernde stabile Hochdrucklage mehr bekommen, dann gibt es neben den regnerischen und kühlen Perioden dennoch immer wieder auch mal sonnige und warme Phasen. Diese Abwechslung wäre ja ohnehin von Vorteil, denn dann ist für jeden Wettergeschmack mal was dabei.

Nix ist fix in Österreich

Und wie sieht es hierzulande aus? Thomas Wostal: „Heuer ist diese Entscheidung noch nicht gefallen. Noch lässt sich nicht eindeutig sagen, in welche Richtung sich die Großwetterlage entwickelt. Für diese Woche zeigen die Prognosen der ZAMG auf jeden Fall einen Wechsel von sommerlichen und regnerischen Tagen und vorerst noch kein stabiles Sommerwetter.“