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Jede Woche neue Designerdrogen © Bild: KURIER
Jede Woche neue Designerdrogen
16.11.2012

Jede Woche neue Designerdrogen

Die psychoaktiven Stoffe werden vor allem aus China und Indien importiert.

Heroin und Kokain sind auf dem Rückzug, dafür nimmt der Konsum sogenannter „neuer Drogen“, die synthetisch erzeugt werden, zu. Das ist ein Ergebnis des Europäischen Drogenberichts 2012, der am Donnerstag in Lissabon präsentiert wurde.Der EU-Drogenbeobachtungsstelle (EBDD) bereitet vor allem die immer schnellere Verbreitung dieser oft in provisorischen Hinterhof-Labors hergestellten Substanzen Sorgen.

Zwischen 2005 und 2011 wurden über das europäische Frühwarnsystem offiziell mehr als 164 psychoaktive Substanzen registriert. 2011 war das dritte Jahr in Folge, in dem eine Rekordzahl erstmalig entdeckter Stoffe gemeldet wurde (49). 2009 waren es 24, heuer allein bis Oktober bereits 50. Praktisch jede Woche taucht in Europa ein neuer Stoff auf. Als klassische Herkunftsländer ortet die EBDD China und Indien.

Alles Party

Bei Univ.-Prof. Rainer Schmid, wissenschaftlicher Leiter der Drogenberatungsstelle „CheckIt!“, landet in der Realität zwar nicht jede Woche eine neue Substanz auf dem Tisch. Generell passe der EU-Trend aber auch mit seinen Erfahrungen zusammen. „Diese Stoffe gab es vor einigen Jahren noch nicht. Sie tauchen ganz plötzlich, etwa auf einer Party, auf. Es werden neue Erlebnisse und noch bessere Kicks suggeriert. Das hält den Markt am Laufen.“ Manche wirken aktivierend, andere beruhigend.

Warum manche dieser Drogen im Gehirn früher Spuren hinterlassen als andere, sei noch unbekannt. Allerdings gibt es laut EU-Bericht zu allen diesen Stoffe Berichte über Abhängigkeit bei chronischen Konsumenten: „Es ist meist nicht allein die Substanz, sondern das gesamte Setting. Es muss auch die Bereitschaft da sein“, so Schmid. Laut EU-Bericht treten häufig auch unerwartete Gesundheitsprobleme auf – etwa Blasenschäden bei Ketamin-Konsumenten.

Der EU-Drogenbericht zeigt auch einen Rückgang der Drogen-Todesfälle auf (von 7600 im Jahr 2010 auf 7000 im Jahr 2011). Ein Grund sind erfolgreiche Substitutionsprogramme. In Österreich starben 2011 177 Menschen an Überdosierungen. Einer dieser Todesfälle war auf den alleinigen Konsum einer neuen synthetischen Droge (4-Methylethcathinon) zurückzuführen, in drei Fällen gab es Mischkonsum mit Opiaten. Trotz ihrer wachsenden Zahl sind diese „Research Chemicals“ hierzulande nicht allzu weit verbreitet. Johanna Schopper, Bundes-Drogenkoordinatorin im Gesundheitsministerium: „Das ist kein Massenproblem.“

Nach 15 Jahren bei Check It, in denen auf vielen Events anonym Drogen getestet wurden, sagt auch Schmid: „Nicht alle Neuheiten verbreiten sich. Wir wissen von Konsumenten, dass viel ausprobiert wird, um eine bestimmte Stimmung zu erzielen. Manchmal gefällt ihnen das Nebenwirkungsprofil aber einfach nicht.“

Trend

2011 ist der Konsum aller legalen und illegalen Drogen unter Schülern zurückgegangen oder stabil geblieben: Das zeigen jüngste Ergebnisse des EU-Projekts zur Erhebung von Daten über Alkohol und andere Drogen an Schulen (ESPAD).Zwischen 1999 und 2007 sei der Zigarettenkonsum ständig gesunken und seitdem stabil. Der Alkoholkonsum unter Schülern sei „seit 2003 überall in Europa rückläufig, und den jüngsten Daten zufolge hat nun auch der zwischen 1995 und 2007 beobachtete Aufwärtstrend des Rauschtrinkens seinen Höhepunkt überschritten“. Der Cannabis-Konsum stieg bis 2003 und ist nach einem leichten Rückgang im Jahr 2007 stabil.

Alkohol am Steuer Im Verkehr bleibt Alkohol das größte Problem: 3,5 % von 50.000 für ein EU-Projekt getestete Kraftfahrer hatten Alkohol getrunken, bei 1,5 % war die 0,5-Promille-Grenze überschritten. Cannabis-Spuren wurden bei 1,3 %, Kokain bei 0,4 % gefunden.

Ein Kompetenzzentrum für Freizeitdrogen

CheckIt! Die gemeinnützige Gesellschaft wurde vor 15 Jahren als Projekt der Suchthilfe Wien und der Medizinischen Universität Wien (Institut für medizinische und chemische Labordiagnostik) gegründet. Finanziert wird sie u. a. von der Suchthilfe Wien und vom Gesundheitsministerium.

Beratung Man setzt auf Information und Persönlichkeitsstärkung – in anonymen Beratungen per eMail, Telefon oder im Gespräch. Ein Mal im Monat besucht das Team mit seinem mobilen Labor Partys und Events und testet Substanzen vor Ort. Mehr Info: www.checkyourdrugs.at