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Internetsucht bei Jugendlichen nimmt zu

Ein "Like" hier, ein Smiley da, und dazwischen werden die jüngsten Nachrichten auf WhatsApp gecheckt: Ein Leben ohne Smartphone ist für die Kinder und Jugendlichen von heute kaum mehr vorzustellen. Für viele ist es völlig normal, täglich fünf Stunden oder mehr im Internet zu verbringen.

Langsam werden allerdings die Schattenseiten des exzessiven Surfens evident: Die Zahl der Internetsüchtigen steigt. Gleichzeitig nimmt die Zahl der jugendlichen Raucher ab. Auf ihrem derzeit stattfindenden Suchtkongress beklagt die Deutsche Gesellschaft für Suchtforschung und Suchttherapie fehlendes Problembewusstsein.

Bewusstsein stärken

"Man muss das Bewusstsein stärken, dass Online-Spiele und soziale Netzwerke eine hohe Bindungskraft haben können", sagt Suchtforscher Falk Kiefer. Intensiver Internetkonsum werde noch viel zu selten als Gefahr wahrgenommen. Anders als etwa bei Alkohol- oder Drogensucht fehlen meistens Effekte, die das Umfeld aufmerksam machen.

Laut Studien zeigen in Österreich und Deutschland rund vier bis fünf Prozent der Jugendlichen Symptome eines Internet-Suchtverhaltens. Je früher die Medien für die jungen Menschen verfügbar werden, desto früher sei mit Problemen zu rechnen. So ziehen sich manche von Familie und Freunden zurück. Gleichzeitig verschlechtern sich oft die schulischen Leistungen.

Das bestätigt auch Markus Daimel, fachlicher Leiter der psychotherapeutischen Ambulanz des Österr. Arbeitskreis für Gruppentherapie und Gruppendynamik (ÖAGG). "Schon in der Altersklasse zwischen neun und elf Jahren sehen wir öfter eine intensive Internetnutzung. Sie ist ein Teil des Alltags geworden und für viele ein Problem, das wegzulassen. Eine gewisse Abhängigkeit ist dann sicherlich gegeben." Die meisten seiner jüngeren Klienten in der Ambulanz sind allerdings zwischen 14 und 17 Jahre alt. "Probleme in diesem Alter haben auch viel mit dem Übergang in einen neuen Lebensabschnitt zu tun."

Ausweg

Apropos Probleme: "Dass eine Internetsucht aus dem Nichts auftaucht, ist eher unwahrscheinlich." Für jemanden, der etwa in seinem sozialen Verhalten eingeschränkt ist, werde die virtuelle Welt als Ausweg gesehen, erklärt Daimel. "Man fühlt sich freier und sicherer, wenn man sich nicht gegenüber sitzt." Ego-Shooter-Spiele, bei denen der Spieler mit Waffen oder gegen Spielfiguren kämpft, werden in vielen Fällen bei gestörtem Selbstwert genutzt. "Bei vielen ist aber auch die Anregung des Belohnungssystem ein Anreiz für diese Spiele."

Wann die Internetnutzung zur Sucht wird, ist schwierig zu definieren. Unter anderem, weil es keine einheitlichen Diagnose-Richtlinien gibt. Hinweise können bestimmte Verhaltensweisen geben. Ein wichtiges Symptom ist etwa, dass negative Konsequenzen in Kauf genommen oder überhaupt ausgeblendet werden, erklärt Kiefer. Dann helfen auch Zeitlimits für die Internetnutzung nicht mehr.