"Die Grippe hat uns voll erwischt"
Deutlicher Anstieg in den vergangenen Tagen, der Höhepunkt ist noch nicht erreicht.
Am Wochenende und in den Nächten seither hatten wir um rund 30 Prozent mehr Anrufe als im langjährigen Durchschnitt, die Zahl der Hausbesuche lag um 20 Prozent über dem Durchschnitt.“ Allgemeinmediziner Paul Prem, ärztlicher Leiter des Wiener Ärztefunkdienstes, kann die Aktivität der Grippe-Viren an der Zahl der Anrufe sofort ablesen. Am vergangenen Wochenende waren es pro Tag bis zu 1000: „Wir haben derzeit 13 Fahrzeuge und zusätzlich sechs Ärzte an den Telefonen im Einsatz. Außerhalb einer Grippewelle sind es acht Autos und vier telefonierende Ärzte. Die Grippewelle hat uns voll erwischt.“
Nicht bagatellisieren
Mediziner Prem warnt davor, eine echte Virusgrippe zu bagatellisieren: „Es gibt immer wieder unverbesserliche Patienten, die glauben, sie müssen unbedingt in die Arbeit, weil z. B. ein Kollege auf Urlaub ist. Die meisten davon legen sich nach einem Tag aber reumütig ins Bett.“ Wer trotz Influenza zur Arbeit geht und den Körper nicht schont, riskiere Komplikationen wie eine Herzmuskel- oder Lungenentzündung. Zum Glück seien derartige Komplikationen heuer aber nicht häufiger wie in den Vorjahren.
Beim Wiener Ärztefunkdienst ist man jedenfalls schon auf weitere intensive Nächte vorbereitet. Prem: „Um Punkt 19 Uhr, wenn wir die Leitungen für die Annahme von Visiten öffnen, hatten wir zuletzt bis zu 400 Anrufe in einer Sekunde.“
Studie
Die Erderwärmung könnte zu schwereren Grippewellen führen: Zu diesem Schluss kommt eine Studie der Arizona State University. Diese hat, beginnend mit der Saison 1997/1998, die Intensität von Grippewellen mit den Klimadaten verglichen. Fazit: Auf einen warmen Winter folgt im Jahr darauf eine deutlich heftigere Grippewelle.
„Es scheint so, dass sich in einem warmen Winter weniger Menschen mit einem Influenza-Virus infizieren“, so Studienleiter Sherry Towers. Das führe aber dazu, dass ein größerer Teil der Bevölkerung ohne schützende Antikörper in die nächste Saison gehe – dies löse aber einen frühen und heftigen Beginn der Grippewelle aus. Hinzu komme, dass bei einem frühen Beginn noch viele Menschen ohne Impfschutz sind.
Dieses Muster zeigte sich übrigens auch heuer: 2011/ 2012 war der viertwärmste Winter seit Beginn der Aufzeichnungen in den USA, die Grippewelle 2012/2013 eine der schwersten der vergangenen Jahre.